Editorial: Zwischen Freizeitstudie und Fachbuch

Wie viel ist den Deutschen eigentlich ein Buch wert? Nicht sehr viel, wie Studien zum Freizeit- und Mediennutzungsverhalten der Bevölkerung erkennen lassen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Es geht hier nicht um die Preisbereitschaft eines Lesers; vielmehr darum, welchen Stellenwert Bücher im Vergleich zu anderen Medien in der Freizeit des Durchschnittsbürgers haben. Das Ergebnis könnte fast schlechter nicht sein, wie im Leitartikel dieser Ausgabe von indition zu lesen ist. Fernsehen, Radio, Smartphone oder Video-on-Demand laufen dem gedruckten Wort den Rang ab – sind dem Mediennutzer also augenscheinlich mehr wert. Darin spiegelt sich die Ausdifferenzierung der Angebotsformen und -wege jener Medien wider: Von der Vielzahl der verfügbaren TV- und Radiosender bis zur Möglichkeit, Filme für das Heimkino leihweise, herunterzuladen.

Sönke Schulz & Sandra Latußeck

Sönke Schulz und Sandra Latußeck wünschen sich in der Buchbranche eine höhere Innovationsfreudigkeit.

Welche Mehrwerte lassen sich um das Buch herum schaffen, um im Medienwettbewerb zu bestehen? Und welche strukturellen Veränderungen würden der Branche dafür gut tun? Diesen Fragen widmen wir uns in der aktuellen Ausgabe von indition. Bewusstsein möchten wir nicht zuletzt dafür schaffen, dass Querdenker und Neueinsteiger eine wesentliche Bedingung für die Innovationskraft einer Branche darstellen.

Erfolgsfaktoren für Fachbuchverlage bilden einen weiteren Schwerpunkt dieser Ausgabe. Dr. Niels Peter Thomas, Executive Vice President German Language Science bei Springer Science and Business Media, blickt im Interview auf die zukünftige Entwicklung des Fachbuchmarktes und die strategischen Optionen, die sich daraus für Verlage ergeben. Eine größtmögliche Flexibilität der Verlage im Hinblick auf Angebotsformen und -wege sieht Thomas als Erfolgsfaktor für Verlage. Um Leser jedoch auf allen Kanälen zu bedienen, bedarf es hoher Investitionen in entsprechende digitale Plattformen – demgegenüber steht als strategische Alternative eine Spezialisierung auf einzelne Themensegmente.

Welche Bedeutung Self-Publishing für Fachbuchautoren hat, zeigt eine Umfrage, die wir im Juni unter 415 Fachbuchautoren von tredition durchgeführt haben. Die Studie liefert interessante Erkenntnisse dazu, welche Kriterien aus Autorensicht gegen eine Veröffentlichung im traditionellen Verlag sprechen und welche Werbekanäle vornehmlich für die Vermarktung des eigenen Buches genutzt werden. Die Entscheidung für Self-Publishing haben die befragten Autoren zum sehr großen Teil ganz offensichtlich nicht bereut. Fast 80 Prozent von ihnen planen, ein weiteres Fachbuch auf dem Wege des Self-Publishing zu veröffentlichen. Welche Konsequenzen hat die insgesamt deutlich gestiegene Bedeutung des Self-Publishing als Publikationsweg für gedruckte Neuerscheinungen? Und wie sollten Verlage darauf reagieren? Unser Beitrag „In medias res“ stellt erstmals Marktdaten der Buchbranchejenen des Self-Publishing-Segmentes gegenüber. Die sich daraus ergebenden Erkenntnisse sind so eindeutig wie alarmierend. Denn siezeigen auf, welcher wirtschaftlichen Herausforderung Verlage sich in den kommenden Jahren stellen müssen.

 

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