Editorial: Worauf es für Akteure der Buchbranche jetzt ankommt

Richten einen Appell an die Akteure der Buchbranche: Sönke Schulz und Sandra Latußeck

Die Digitalisierung verschiebt den Marketingfokus vom Handel auf den Leser

„Share Content, then every traditional publisher can be innovative“, riet Nathan Hull, Digital Development Director, Penguin London, im Oktober den Teilnehmern der Konferenz Contec in Frankfurt. Die Fachveranstaltung fand erstmalig kurz vor dem Beginn der weltgrößten Buchmesse statt. Sie hatte zum Ziel, die Möglichkeiten der Entwicklung und Distribution von digitalen Inhalten zu evaluieren und dabei klassische Verlage und Startups zusammenzubringen. „Inhalte zu teilen“, das ist eine Maxime, deren Wichtigkeit sich alle Akteure der Buchbranche bewusst werden sollten.

Wenn digitale Romanserien herausgegeben werden, Fanfiction auf Blogs veröffentlicht wird und Leser in Communities und Foren ihre Lektüreerlebnisse austauschen, dann geht es in der Tat um Inhalt in vielfältigsten Ausprägungen. Dann geht es um neue Wege der Inhalteverwertung, der Kommunikation und des Marketings. Werden Kaufentscheidungen auf Basis von viral verbreiteten Lesermeinungen getroffen, stellt dies den zentralen Mehrwert des Buchhandels, nämlich seine Beratungsfunktion, infrage. Welche Konsequenzen das für die Akteure der Buchbranche, insbesondere die Verlage hat und wie sie darauf reagieren sollten, beleuchten wir in dieser Ausgabe von indition.

Jeder Marktteilnehmer steht infrage

„Inhalte zu teilen“, das bedeutet nicht nur, neue Wege zu finden, die Leserschaft zu erreichen und einen Austausch mit ihr zu pflegen, um frühzeitig Vorlieben und Interessentrends zu erspüren. Es bedeutet gleichermaßen, dass klassische Verlage und neue Marktteilnehmer die Möglichkeiten einer gewinnbringenden Zusammenarbeit ausloten und diese in die Tat umsetzen sollten. Für einen jeden Marktteilnehmer ist dies zugleich eine Herausforderung, die eigene Position im Wertschöpfungsgefüge neu zu definieren. Die in dieser Ausgabe dargestellten Prognosen für die wirtschaftliche Situation des Buchmarktes 2017 führen deutlich vor Augen, dass es im Buchmarkt neuer Möglichkeiten bedarf, Wertschöpfung zu generieren.

Ein Beispiel dafür, wie klassische Verlage sich engagieren, um neue Autorentalente zu finden und zu fördern, stellen wir in unserer neuen Rubrik „In medias res“ dar: Welches kreative Potenzial ist in Schreibwerkstätten zu heben? Das fragten wir die Leiter der Bastei Lübbe Academy und der Rowohlt Krimischule.

Zu guter Letzt ist es uns in dieser Ausgabe ein Anliegen, die Situation der Autoren und deren Bedeutung für die Rolle und Daseinsberechtigung der Verlage zu beurteilen. Im Vergleich zur durchschnittlichen Einkommenssituation der Deutschen haben Autoren einen schlechten Stand – je einfacher die Wege des Selbstverlegens, desto stärker werden Autoren den klassischen Publikationsweg über Verlage infrage stellen.

Wir wünschen Ihnen eine gewinnbringende Lektüre und einen guten Start in ein erfolgreiches neues Jahr!

Die Redaktion

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