Hinterfragt: Über das Einkommen von Autoren

Unbefristete Arbeitsverhältnisse und geringes Einkommen – von Bestsellerautoren einmal abgesehen ist die Situation vieler Schriftsteller nicht gerade rosig. Neue Wege des Publizierens sind deshalb attraktiv und setzen klassische Verlage unter Zugzwang.

Einkommen von Autoren sind wenig attraktiv

Unbefristete Arbeitsverhältnisse und geringes Einkommen – von Bestsellerautoren einmal abgesehen ist die Situation vieler Schriftsteller nicht gerade rosig.

In fünfzehn Jahren? Vielleicht auch früher oder später? Wann werden nachwachsende Generationen um die Antwort verlegen sein, was eigentlich ein Verlag ist und was er leistet? Womöglich werden nur diejenigen eine zufriedenstellende Erklärung vorweisen können, die tatsächlich bereits ein Buch verlegt haben – und zwar selbst. Vielleicht mithilfe eines Dienstleisters, auf einem Literaturportal oder in einem eigenen Blog. Die Möglichkeiten, Geschichten nicht nur zu produzieren, sondern damit wirklich den Leser zu erreichen, haben sich für Autoren durch die Digitalisierung vervielfältigt. Der Autor sitzt „seinem Leser förmlich auf dem Schoß, so direkt ist der Kontakt“, brachte es im Frühjahr Jo Lendle, der künftige verlegerische Geschäftsführer der Hanser Verlage, auf den Punkt.

Dass sich Autoren dieser neuen Wege des Publizierens bedienen, ist nicht zuletzt auf ihre wenig zufriedenstellende Situation zurückzuführen. Zunächst einmal haben Autoren kein festes, unbefristetes Arbeitsverhältnis bei ihrem Verlag, sondern sind in der Regel selbstständig. Ebenso wenig verfügen sie über eine Grundsicherung. Von den Verlagen erhalten sie bei Veröffentlichung eines Buches ein variables Honorar sowie bis zu sieben Prozent Provision pro verkauftem Exemplar. So weit so gut – wenn sich die Bücher des Autoren regelmäßig gut verkaufen und in steter Regelmäßigkeit weitere Titel folgen. In Zeiten kurzlebiger Themen- und Interessentrends erhöht sich das Risiko für einen Autoren, der Nachfrage nicht dauerhaft zu entsprechen. In der Folge werden seine Werke vermutlich nicht mehr veröffentlicht und das Honorar entfällt.

Eine Frage der Rentabilität

Laut Börsenverein des Deutschen Buchhandels sind 2012 in Deutschland rund 80.000 Titel erstmalig verlegt worden. Bei etwa 2.000 regelmäßig publizierenden Verlagen entspricht das einer durchschnittlichen Anzahl von 40 Titeln pro Verlag. Die Regel zugrunde gesetzt, dass etwa 20 Prozent der Titel 80 Prozent des Ertrages erwirtschaften, bedeutet das, dass 80 Prozent der etwa 40 Veröffentlichungen eines Verlags, also 32, unrentabel sind. Die Autoren dieser Titel werden höchstwahrscheinlich nur ein sehr geringes Honorar und keine Folgeverträge erhalten.

Hinzu kommt, dass Autorenhonorare generell sehr niedrig sind. Bei belletristischen Werken liegt die Vergütung in der Regel bei fünf bis sieben Prozent des Nettoladenpreises eines Buches. Abgesehen vom reinen Verdienst an einem Roman ist auch das jährliche Einkommen von Autoren vergleichsweise mager. Laut der Künstlersozialkasse liegt das voraussichtliche Jahresarbeitseinkommen von Schriftstellern und Dichtern (betrieblicher Gewinn vor Steuern) bei 14.906 Euro. Von diesem ohnehin sehr niedrigen Einkommen müssen Autoren als Selbstständige auch ihre Altersvorsorge finanzieren. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Personenbruttoeinkommen beträgt in Deutschland (nach den aktuellsten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes für 2011) 21.549 Euro.

Die einzige überhaupt existierende Lobby für Autoren ist der bei der Dienstleistungsgewerkschaft verdi. aufgehängte Verband Deutscher Schriftsteller, dessen Einfluss offensichtlich gering ist. Ansonsten wäre ein so niedriges Jahreseinkommen schon viel medienwirksamer angeprangert worden.

Frühzeitig reagieren

Eine im Winter 2012/2013 durchgeführte Umfrage der Autorenverbände Deutschlands, Österreichs und der Schweiz unter 1.219 Autoren ergab, dass jeder dritte Autor unzufrieden mit seinem Verlag ist. Ohne Zweifel sind solche Resultate mit Vorsicht zu genießen; nehmen doch aller Erfahrung nach an derlei Befragungen vor allem jene teil, die unzufrieden sind und dies auch kundtun wollen. Gänzlich verkennen sollten Verlage solche Erkenntniswerte dennoch nicht. Denn eine Tendenz zeichnet sich deutlich ab: Die Offenheit und Bereitschaft von Autoren, ihre Werke über verschiedene Wege zu veröffentlichen, steigt. Nicht umsonst hat Self-Publishing gemessen an der Zahl der Neuerscheinungen bereits einen Anteil von 19 Prozent am deutschen Buchmarkt.

Was bedeutet dies für klassische Verlage? Sie sind „stolz auf ihre Filterfunktion“, sagte Jo Lendle auf seinem im Frühjahr gehaltenen Vortrag auf dem LiteraturFutur-Kongress in Hildesheim – und fügte an: „Das macht sie nicht sympathischer. Die Orientierung erleichtert es trotzdem.“ Zugleich aber werden Autoren sich in Zukunft voraussichtlich seltener über einen langen Zeitraum an einen Verlag binden. Die Mehrwerte und Stärken eines Verlages in Form von Programmarbeit und Vermarktung von Büchern sind unbestritten – aber das neue Selbstbewusstsein der Autorenschaft im digitalen Zeitalter ebenso.

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