Im Gespräch mit dem Bestsellerautoren Timur Vermes

Timur Vermes, geboren 1967, studierte in Erlangen Geschichte und Politik und wurde dann Journalist. Er schrieb für die „Abendzeitung“, den Kölner „Express“ und mehrere Magazine. Seit 2007 veröffentlichte er als Ghostwriter vier Bücher, darunter den Bestseller Er ist wieder da.

Timur Vermes verzückte die Leser mit einer Hitler-Parodie

Mit viel Satire gespickt ist der Hitler-Roman von Timur Vermes

indition: Seitdem Sie mit „Er ist wieder da“ einen Bestseller gelandet haben, führten Sie zahlreiche Interviews. Gibt es eine Frage, die Sie nie gestellt bekamen, aber schon immer gerne beantworten wollten?

Timur Vermes: Definitiv nicht: Erstens wird man jede Menge gefragt, und zweitens traue ich mich bei Interviews schon mal Fragen aufzuwerfen, wenn ich finde, dass sie gestellt werden sollten.

indition: … und was läge Ihnen zum Beispiel besonders am Herzen?

Vermes: Ich trinke immer auf den Weltfrieden. (lacht)

indition: Wie wichtig finden Sie es, direkten Kontakt  zu Ihren Lesern zu halten bzw. auf diese zu reagieren?

Vermes: Es gibt Autoren, die sehr gut eine Community betreuen und den Leser an sich binden können. Ich gehöre nicht dazu. Letztlich hat sich der Weg für mich als richtig erwiesen. Die Frage ist aber auch, was das Produkt ist, das man vermarktet: Ist das der dufte Kumpel von nebenan, der liebe Schnuckelautor, der stets für jeden Leser ein offenes Ohr hat? Oder ist das Produkt nicht doch eher der Text? Zudem ist die Social Media-Schiene weitgehend irreversibel: Wenn man einmal damit anfängt, sind die Leser auch leicht enttäuscht, wenn man nicht oder nicht schnell genug antwortet. Aus diesen Überlegungen heraus kam ich zu dem Schluss: Für manchen Autor mag das passen, aber nicht für mich.

Self-Publishing oder Agent?

indition: Haben Sie je darüber nachgedacht, Ihr Buch auf dem Wege des Self-Publishing zu veröffentlichen?

Vermes: Nein. Weil ich kein Unternehmer bin. Und weil ich den Mechanismen des Buchmarkts weitgehend vertraue: Wenn sich kein halbwegs ordentlicher Verlag für ein Buch interessiert, dann mit großer Sicherheit deshalb, weil das Buch keine wirtschaftlichen Erfolgsaussichten hat. Ich habe mein Buch auch nicht per Hand Verlagen angeboten. Ich hab mir einen Agenten gesucht. In meinem Fall Regina Seitz und Leonie Schöbel bei der Agentur Michael Meller – Literaturagenten sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil jener Mechanismen des Buchmarkts.

indition: Self-Publishing hat bereits einen Anteil von 19 Prozent am deutschen Buchmarkt. Tendenz steigend. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Vermes: Die Entwicklung besagt zunächst nichts. Aus der Zahl angefangener Weblogs kann man ja auch nicht schließen, dass die alle gelesen werden. Aber: Self-Publishing ist eine Möglichkeit, Aufmerksamkeit nachzuweisen: Wenn Sie einen Titel selbst verlegen und es zeigt sich, dass den 10.000 oder 20.000 Leute erworben haben, meinethalben auch für wenig Geld, dann ist das aber eine Zahl, mit der Sie anschließend bei einem Verlag belegen können, dass Sie nicht völlig am Markt vorbei schreiben.

indition: Bastei Lübbe gründete dieses Jahr die Bastei Lübbe Academy für talentierte Schreiberlinge. Würde es Sie reizen, dort Seminare zu geben?

Vermes: Wir diskutieren bereits darüber. Und ich mag generell beruflich Dinge testen, die ich noch nie gemacht habe. Darin besteht der Reiz.

indition: Nach welchen Kriterien entscheiden Sie darüber, ob ein Stoff das Zeug zum Buch hat oder nicht?

Vermes: Das Kriterium ist stets dasselbe: Unterhält mich der Stoff/das Buch oder nicht? Und Unterhaltung kann dabei sehr weit ausgelegt werden: Ist es spannend oder anregend oder informativ oder komisch? Darum geht es.

 

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