Nachgefragt: Wie finden tredition-Autoren den neuen „Leseclub“ von Mark Zuckerberg?

„Like“ oder „Dislike“ – in Zeiten von Social Media hat ein einziges Wort große Schlagkraft. Auch im Falle von Büchern: Wer vertraut nicht auf die Bewertungen und Empfehlungen der eigenen Freunde und Bekannten? Mit Facebook, Twitter und Co ändert sich die Art wie Lese- und Kaufentscheidungen getroffen werden und auch deren Agilität: Ein Blick aufs Smartphone statt tiefergehender Lektüre des FAZ-Feuilletons – und zack ist ein Buch gekauft oder eben nicht. Das mag nicht für jeden und in jeder Situation gelten, aber Fakt ist: Social Media beeinflusst den Literaturgeschmack in hohem Maße.

Aktuellste Neuerung in diesem Kontext: Facebook-Chef Mark Zuckerberg richtete einen virtuellen Leseclub namens „A Year of Books“ ein. Alle zwei Wochen will er auf der gleichnamigen Facebook-Seite ein Buch besprechen und zur Diskussion darüber anregen. Den Anfang machte Zuckerberg mit dem Sachbuch „The End of Power“ von Moisés Naím, dessen Nachfrage bei Amazon auch prompt rasant anstieg.

tredition hat einmal bei Autoren nachgefragt, wie sie die Initiative von Zuckerberg bewerten und wie effektiv Facebook bei der Bewerbung ihrer eigenen Bücher gewesen ist:

„Denke ich an Mark Zuckerberg, frage ich mich leider zuerst automatisch ‚Na, welchen Nutzen wird er daraus wieder ziehen wollen?‘. Generell ist es natürlich schön, wenn das Lesen nicht in Vergessenheit gerät und unterstützt wird. Peter GranzowIch persönlich freue mich über jedes Schulkind, dass, anstatt bunte Kugeln auf einer Spiele-App zu sortieren, neben seinen Schulbüchern auch mal ein anderes Buch liest … und sei es „nur“ Harry Potter, es muss ja nicht ständig etwas Tiefgründiges sein … da wären wir auch schon bei meinem Titel „Störfaktor Kunde“, auch das ist einfache Kost, in der sich aber bestimmt jeder wiederfinden wird und beim Lesen hoffentlich Schmunzeln muss. Was die Ankündigung meines Buches angeht, so muss ich gestehen, war Facebook geradezu ideal.“

Peter Granzow veröffentlichte im Dezember 2014 das humorvolle BuchStörfaktor Kunde bei tredition

 


Richard-Koechli„Generell ist jedes soziale Medium eine Chance mehr, die man nutzen kann und soll bei der Vermarktung eines Werkes. Man darf sich dabei allerdings keine falschen Hoffnungen machen. Es ist sozusagen einfach eine neue Art, Flyers zu verteilen; auch auf der Straße reagiert schließlich nicht jeder gleich begeistert auf einen Handzettel… Man soll die „virtuellen Zettel“ einfach verteilen, als eine von sehr vielen Aktionen, kann sogar ein beschränktes Budget für gesponserte, Zielgruppen-orientierte FB-Beiträge ausgeben – und möglichst nichts Konkretes erwarten dabei. Es ist die Gesamtheit der investierten Vermarktungs-Energie, die ausschlaggebend ist und dem Werk hilft, den Weg zur Leserschaft zu finden. Ein guter Teil dieses Weges – das habe ich gelernt im Musik-Geschäft – bleibt dann ohnehin geheimnisvoll, man kann die Dinge nicht erzwingen. Der neue Facebook-Leseclub wiederum muss seinen Weg erstmal gehen und sich behaupten; neu ist die Idee ja keineswegs. Aber why not? Die Gefahr, dass nur populäre Titel berücksichtigt werden, besteht sehr wohl – aber wie bei allen Gefahren muss man sich ja nicht gleich einschüchtern lassen. Probieren! Allerdings würde ich erst abwarten, bis der Club auch unmissverständlich eine Ecke für deutschsprachige Literatur eingerichtet hat – vorher macht das m.E. kaum Sinn.“

Richard Koechli widmet sich mit seinem im November 2014 erschienenen RomanDem Blues auf den Fersender Musikgeschichte


Michael Paul_Blog„Es gibt bereits genug etablierte Facebook-Gruppen dieser Art. Ich glaube nicht, dass Self-Publisher so was von Facebook vorgesetzt brauchen… schon gar nicht in englischer Sprache. Die Qualität in diesen Gruppen ist doch meist eher schwach. Für interessierte Leser sind lovelybooks und Co sicher die bessere Adresse.“

Michael Paul schrieb den historischen und spannungsgeladenen RomanWimmerholz„, erschienen im März 2014

 

 


Yvonne Holthaus„Dass Mark Zuckerberg einen immensen medienstarken Einfluss hat, ist unbestritten. Dass er ihn auch hinsichtlich eines Buchclubs und damit zusammenhängender Einflussnahme auf Verkaufszahlen von Büchern hat, wurde bereits mit seiner ersten Empfehlung ‚The End of Power‘ von Moisés Naím belegt. 44.000 Rangplätze bei Amazon aufzusteigen, ist schon eine Hausnummer, die ihresgleichen sucht.

Da Zuckerberg angibt, Buchtitel-Vorschläge anzunehmen, sehe ich hier für die Self-Publisher eine große Chance. Wie die Rädchen im Hintergrund laufen, was die Parameter für eine Aufnahme in sein Programm sind und ob er selbst schlussendlich die Buchauswahl für seinen Club trifft, ist unklar. Zumindest läuft es unter seinem Namen, was massivst werbewirksam ist.

Virales Marketing über die diversen Social Media-Plattformen ist und bleibt die erfolgreichste Marketingstrategie, die ein Unternehmen oder Autor betreiben kann. Dass Facebook sich als ein Faktor von Vielen hierfür anbietet, sollte mittlerweile auch jedem klar sein. Viel wichtiger, als das Wissen DASS es so ist, sollte aber auch das WIE sein. Denn ein falscher, zu aggressiver Werbeauftritt wirkt eher gegenteilig und lässt so manchen potenziellen Leser sich schon im Vorfeld genervt anderen Dingen zuwenden.“

Yvonne Holthaus veröffentlichte 2013 bei tredition ihre ergreifende BiographieMit dem Gesicht zur Sonne

Beatrice-Schmidt_Web„Ich vermarkte meine Ernährungsratgeber in erster Linie über Facebook und Co, aber auch über meinen eigenen Blog. Daher stehe ich diesem neuen Projekt von Mark Zuckerberg offen gegenüber. Ich bin gespannt wann er den Leseclub für den deutschsprachigen Raum in deutscher Sprache anbietet und was wir Autoren dann tatsächlich tun müssen, um dort besprochen zu werden.

Spannend für mich ist auch immer die Frage: „Habe ich als Fachbuchautorin überhaupt eine Chance dort besprochen zu werden oder sind es dann nicht doch eher die vielen wundervollen Bücher aus der Belletristik, die genannt werden?“

Bis der Leseclub auch für uns deutschsprachige Autoren interessant wird, warte ich einfach ab und schreibe weiter an meinem nächsten Projekt.

Beatrice Schmidt gab bei tredition 2013 bzw. 2014 die beiden Ernährungs-Fachbücher „Ich stell dann mal um“ und „Abnehmen ohne Achterbahn“ heraus.

Liebe tredition-Autoren, was ist Ihre Meinung zu dem Leseclub „A Year of Books“`? Wir freuen uns wenn Sie unsere Kommentarfunktion in diesem Blog nutzen!

Zuckerbergs Initiative wurde bereits in diversen Medienberichten kommentiert, u.a.:

DIE ZEIT: Achtung #longread
DIE WELT: Facebook und Bücherlesen schließen sich aus
BILD-ZEITUNG: Mark Zuckerberg sorgt für irren Bücher-Hype
FORBES: Mark Zuckerberg Starts A Book Club As His New Year’s Resolution
THE INDEPENDENT: Mark Zuckerberg’s book list has Oprah effect with sales soaring on Amazon

 

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