Buchhandel = Amazon? Ein Beitrag zur aktuellen Debatte

DIE ZEIT, FAZ, El Paìs, Le Monde, The Guardian – selbst ein flüchtiger Streifzug durch die Tagespresse der vergangenen Tage zeigt: der Onlinehändler Amazon ist das zentrale Gesprächsthema in den Feuilletons der nationalen und internationalen Medien. Die Sonntagsausgabe der New York Times (11.08.2014) veröffentlichte auf einer ganzen Seite ein Protestschreiben gegen Amazon, das insgesamt 909 Schriftsteller unterzeichneten. Stein des Anstoßes sind die allseits bekannten Auseinandersetzungen zwischen Amazon und dem Verlag Hachette über e-Book-Konditionen.

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Self-Publishing-Autoren indes – einige davon befragte die Self-Publisher-Bibel kürzlich zu ihrer Haltung gegenüber Amazon – wissen sehr wohl die Chance zu schätzen, ihre Werke über Amazon einer breiten Leserschaft zugänglich machen zu können.

„Amazon ist ein Laden, Barnes & Noble ist auch ein Laden und iTunes auch. Wenn ich meine Bücher in einem dieser Läden nicht mehr vertreiben würde, wäre ich dämlich“, kommentiert beispielsweise Autorin Annelie Wendeberg – und spricht damit einen Aspekt an, der angesichts der auf Amazon fokussierten Diskussion zuweilen in den Hintergrund rückt: Je breiter die Verfügbarkeit eines Buches im Markt, desto größer die Verkaufschancen. Und damit verbunden: Je höher die Anzahl der verfügbaren Ausgabeformate eines Buches (Paperback, Hardcover, e-Book in allen Formaten für die gängigen Lesegeräte), desto größer die Chance, dass Leser auf ein Buch aufmerksam werden.

Ganz unabhängig von den gegenwärtigen Debatten rund um Amazon gilt: Autoren, die ihr Werk ausschließlich bei Amazon publizieren – und dies womöglich auch nur im elektronischen Format – verzichten auf die Möglichkeit, Käufer in der Buchhandlung und bei anderen Onlineshops zu erreichen. 2013 wurde fast die Hälfte aller Bücher in Deutschland über den stationären Buchhandel abgesetzt – auf den Onlinehandel entfielen hingegen erst 16,3 Prozent. Ohne Frage haben es Self-Publishing-Autoren ungleich schwerer, einen Platz in den Regalen der Buchhandlungen zu ergattern. Zugleich aber würde wohl kaum ein Self-Publisher auf den Vertriebskanal stationärer Buchhandel verzichten wollen, wenn sein Werk dort nachgefragt wird. An dieser Stelle sei auch noch einmal daran erinnert, dass die Umsatzbedeutung von e-Books im Allgemeinen überschätzt wird, wie wir in unserer jüngsten Ausgabe unseres Fachmagazins „indition“ dargelegt haben.

Welche Meinung haben Self-Publishing-Autoren von tredition dazu? Hier einige Stellungnahmen:

Autorin Gabriele Schmid

Gabriele Schmid

„Als meine erste Veröffentlichung anstand, gab es für mich keine andere Alternative, als nach einem Dienstleister zu suchen, der den globalen Buchhandel bedient.
Gebe ich mich als Autorin zu erkennen, dann lautet die erste Frage meist: ‚Kann man dein Buch bei Amazon bestellen?’“
Trotzdem stand es für mich nie zur Diskussion nur über Amazon meine Bücher zu veröffentlichen, daher weise ich alle Interessenten regelmäßig darauf hin, dass sie die Bücher genauso bundesweit im Buchhandel erwerben können.“

Gabriele Schmid ist seit November 2013 Autorin von tredition und hat seither die drei Romane Gleichklang, Herbststürme und Sternschnuppen-Regen veröffentlicht. Als Buchkäuferin bevorzugt sie den örtlichen Buchhandel.

 

 

Michael Paul

Michael Paul

„Ich publiziere meinen Roman über tredition als Hardcover, Taschenbuch und e-Book, damit meine Leser selbst entscheiden können, in welcher Form sie meine Geschichte lesen möchten. Die gleiche Freiheit will ich bieten bei der Frage, wo mein Buch gekauft wird. Als sogenannter ‚Indie-Autor‘ erscheint es mir zudem inkonsequent, sich nur von einem Vertriebsweg abhängig zu machen.“

Michael Paul hat im März 2014 seinen historischen Roman Wimmerholz als Paperback, Hardcover und e-Book bei tredition veröffentlicht.

 

Günter Dedié

Günter Dedié

 

„Ein Buch ist ein Produkt, und ein Produkt sollte, um erfolgreich zu sein, über alle relevanten Vertriebskanäle verkauft werden können. Das ist im Fall eines Buchs sowohl für den Autor als auch für den Verlag wichtig. Es ist außerdem eine Grundregel für ein gut funktionierendes Wirtschaftssystem, dass Monopole vermieden werden, also auch monopolisierte Vertriebskanäle. Aus der Industrie kann ich persönlich folgendes Beispiel beisteuern: Wir haben durch die Entwicklung entsprechender Schnittstellen die technischen Voraussetzungen dafür geschaffen, dass man unsere Hochleistungs-Laserdrucker an alle wichtigen Systeme anschließen kann (IBM, Xerox, UNIX usw.), und damit alle wichtigen Vertriebskanäle unterstützt.“

Dr. Günter Dedié, promovierter Physiker, ist einer der zahlreichen Fachbuchautoren, die bei tredition veröffentlichen. In seinem Sachbuch „Die Kraft der Naturgesetze” stellt Dedié das Prinzip „Emergenz“ vor – ein naturwissenschaftliches Prinzip, das die Welt vom Urknall bis heute zu erklären vermag.

 

Bernd Tannenbaum

Bernd Tannenbaum

 

„Mir war es wichtig, dass meine Bücher auch außerhalb Amazon erhältlich sind. Besonders beim e-Book habe ich Wert darauf gelegt, auch in Formaten abseits Kindle verfügbar zu sein. Dies war einer der Gründe für meine Entscheidung, bei tredition zu veröffentlichen.“

Bernd Tannenbaum hat seine dreibändige Fantasy Saga „Der vergessene Mond“ bei tredition veröffentlicht.

 

 

 

Doris Hermann

Doris Hermann

„Ein Buch zu kaufen ist oft mehr als nur ein Mausklick. Das Buch vor dem Kauf in der Hand zu halten, sein Gewicht zu spüren, das Rascheln der Seiten zu hören, den druckfrischen Geruch zu riechen und die Bilder in Ruhe anzusehen, all das gehört für mich gerade bei mir unbekannten Büchern zum Buchkauf dazu. Diese Erfahrung möchte ich auch den Käufern meines Kinderbuches „Carola: Muh-kuhisch für Anfänger“ ermöglichen. Daher finden sie es außer bei den Onlinehändlern auch im Buchladen um die Ecke.“

Doris und Christoph Hermann haben im Juli 2014 das Kinderbuch „Carola“ bei tredition veröffentlicht. Es etnhält 15 kurzweilige Geschichten von den lustigen und verrückten Abenteuern einer etwas anderen Kuh, die zu gerne selbst einmal Traktor fahren würde.

 

 

 

 

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