Apropos Amazon: Mythen und Erkenntnisse

Es gibt viele Beispiele dafür, wie die Medienberichterstattung die öffentliche Meinung prägt, wodurch wiederum alle Medien ein- und denselben Ton anstimmen. So setzen sich Meinungen fest, die nicht immer faktisch zu begründen sind. Bei Themen rund um den Buchmarkt und Self-Publishing ist dies nicht anders. „e-Book, e-Book, e-Book“, ließe sich als gedankliche Spitzmarke über zahlreiche Artikel setzen, die zum Thema Selbstverlegen erscheinen. Jüngstes Beispiel: Der Beitrag „Buchbranche im Wandel: Neue Chancen für Einsteiger“. Darin wird vollkommen zu Recht Emily Bold als Beispiel für eine erfolgreiche Self-Publisherin angeführt. Da allerdings die Medien dazu neigen, als typische Self-Publishing-Erfolgsstories immerzu Autorinnen und Autoren (wie Emily Bold) anzuführen, die ihr Buch nur als e-Book bei Amazon veröffentlicht haben, entsteht ein falscher Eindruck des Gesamtmarktes.

Bis dato hat Amazon im deutschen Buchmarkt einen Marktanteil von etwa 15 Prozent. Die übrigen 85 Prozent des Umsatzes werden also über andere buchhändlerische Vertriebswege erwirtschaftet. Das soll den Erfolg von Emily Bold oder weiteren Fallbeispielen dieser Art keineswegs schmälern. Doch sollte das nicht zu der Interpretation führen, dass eine reine e-Book-Veröffentlichung bei Amazon die Erfolgsgarantie für jeden Self-Publisher darstellt. Gerade unbekannte Autoren sollten nicht auf die Chance verzichten, sämtliche im Buchmarkt verfügbaren Verkaufskanäle auszuschöpfen; ganz abgesehen davon, dass auf das Format e-Book bisher weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes im Bereich Belletristik entfallen. tredition empfiehlt daher jedem Autoren, sein Buch zugleich gedruckt und als e-Book zu veröffentlichen. Paperback, Hardcover und e-Book sind gleichermaßen bei Amazon wie bei allen weiteren großen Onlinehändlern und im stationären Buchhandel erhältlich. Was zudem nicht jeder weiß: Das Buchangebot von Amazon ebenso wie von anderen Onlineshops basiert auf den Großhandelskatalogen. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es wichtig für Self-Publisher, ihre Titel über den Buchgroßhandel verfügbar zu machen.

Wie kommt der Amazon-Verkaufsrang zustande?

© imaginando – Fotolia.com

Diese Frage sorgt bei Autoren oftmals für Verwirrung. In der Tat ist es auf den ersten Blick schwer nachvollziehbar, weshalb die Absätze vor allem selten verkaufter Bücher derart stark schwanken. Auf dem Portal „surfpoeten.de“ wird sehr anschaulich und detailliert erklärt, wie diese Schwankungen zustande kommen. Wichtig zu wissen ist: Die auf Amazon dargestellten Verkaufszahlen basieren auf Errechnungen über einen bestimmten Zeitraum. Das bedeutet, dass aktuellste Verkäufe eine höhere Priorität in der Darstellung haben als die Anzahl der Verkäufe. Das ist keine Schikane, sondern vielmehr die Voraussetzung für einen hohen Aktualitätswert der Darstellung. Für Autoren bedeutet das: Sie sollten den Amazon-Verkaufsrang keinesfalls als Maßstab für den Erfolg oder Misserfolg eines Buches ansetzen bzw. als Spiegelbild ihrer tatsächlichen Verkäufe interpretieren. Aufgrund der vielen Millionen Bücher, die Amazon im Sortiment hat und der Unberechenbarkeit von Kaufzeitpunkten kommt es gerade bei selten verkauften Büchern zu den vermeintlich willkürlichen Sprüngen im Ranking.

An dieser Stelle sei auch noch einmal darauf hingewiesen, wie die für Buchverkäufe erzielten Provisionen bei tredition abgerechnet werden. Jeder Autor hat die Möglichkeit im eigenen Konto im Menüpunkt „Provisionen“ > „Provisionskonto“ den aktuellen Stand der Verkäufe einzusehen. Während die Verkäufe gedruckter Bücher meist tagesaktuell angezeigt werden, kann es bei e-Books einige Wochen dauern, bis die einzelnen Shops die Verkaufsdaten an tredition übermitteln.

Was Sie sonst noch über Amazon wissen sollten

Amazon ist nach wie vor einer der Onlineshops mit den höchsten Zufriedenheitsraten auf Kundenseite. Interessant ist allerdings, dass das Unternehmen zuletzt in einem regelmäßig durchgeführten Ranking zur Kundenzufriedenheit (Quelle: ECC Köln) seinen Platz unter den Top 10 eingebüßt hat – hauptsächlich liegt das daran, dass die Kundenzufriedenheit bei allen weiteren analysierten Shops gestiegen ist und manche offensichtlich ihre Käufer noch zufriedener machen als Amazon, darunter beispielsweise das Musikhaus Thomann (Platz 1), Ravensburger, Flaconi, Deichmann und S. Oliver. Auch wenn in den Top 10 kein weiterer Buchshop vertreten ist, belegt die Studie, dass es sinnvoll ist, stets die gesamte Bandbreite an möglichen Vertriebskanälen im Blick zu behalten und – wie oben erläutert – möglichst nicht eingleisig zu fahren.

1 Antwort
  1. Klara Westhoff says:

    … und wer bei amazon doch mal – trotz niedriger Verkäufe – etwas höher gehen will?

    Ganz einfach, wenn man ein Spartenbuch hat. Man muss beim Autorenservice von Amazon Author Central die sogenannten Stöberkategorien angleichen lassen. Das sind die ersten vier Rubriken, in denen das Buch für das bessere Auffinden durch Leser einsortiert wird. So schafft man es sogar manchmal unter die TOP 10 – wenigstens mal ne Weile 🙂

    Und, als kleiner Nebeneffekt: interessierte Leser geben einen Begriff ein und das eigene Buch erscheint sogar recht flott auf den Seiten. So erhöhen sich die aktuellen Verkäufe und insgesamt steigt der Verkaufsrang.

    Auch eine Form von wichtiger Eigenwerbung.

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