Bahnbrechend: Self-Publishing Gütesiegel für e-Books gefordert

Das ist doch endlich einmal eine Idee: Ein Gütesiegel für e-Books! Michael Stühr erläutert seine Gedanken über das Gütesiegel im „buchreport.blog“, relativ geräuschlos, da bisher ein allgemeines Aufstöhnen der Leserschaft über diese abwegigen Vorstellungen ausgeblieben ist. Daher sollen seine Überlegungen hier in aller Kürze „gewürdigt“ werden.

Der Wert der gedruckten Bücher

„Gedruckte Bücher haben per se einen Wert, weil Autor und Verlag sich vorher gut überlegen, ob der Inhalt den Aufwand und die Kosten, das Buch drucken zu lassen, lohnt“, schreibt Michael Stühr.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eBbooks per se keinen Wert haben, weil sie nicht gedruckt werden. Vielleicht sollte der Autor näher in das Angebot gebundener Bücher oder Taschenbuchausgaben alleine von Amazon Deutschland einsteigen: 4.757.387 gebundene Bücher, 8.137.003 Taschenbücher, die nach Ansicht des Autors „per se einen Wert“ haben. Ob diese Bücher allesamt von vornherein welchen wie auch immer definierten „Qualitätsanforderungen“ genügen, ist doch sehr fraglich. Vermutlich haben die Verlage schlicht Ertragskalkulationen aufgestellt, die dann, wenn sie positive Ergebnisse zeigten, zur Entscheidung führten, Bücher drucken zu lassen. Der Verlag, der den Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit des Verlagsprogramms nicht genügt, kann sehr schnell Bekanntschaft mit dem Insolvenzverwalter machen.

„eBooks haben erst einmal keinen solchen impliziten Wert. Niemand kann auf Anhieb erkennen, ob das Werk mit Sorgfalt lektoriert, redigiert und korrigiert wurde oder einfach nur ein digitaler Texthaufen ist. … Also benötigen wir Leser an dieser Stelle Hilfe“, bittet der Autor um Beistand.

Soziale Netzwerke sind nach Ansicht von Michael Stühr für Hilfestellungen nicht geeignet, weil die „Schwarmintelligenz“ schnell in die Fänge von „Meinungshaien“ geraten kann. Es stellt sich hier die Frage, ob der Autor davon ausgeht, dass die Leser von Büchern, egal ob digital oder gedruckt, allesamt zumindest halbdebil sind und demzufolge nicht in der Lage sind, eigenständige Urteile zu fällen. Für wie wenig kritisch muss der Autor die Leser halten, wenn er annimmt, dass sie nicht zwischen gut oder schlecht lektorierten, redigierten und korrigierten Büchern unterscheiden können. Wie die „Meinungshaie“ uns Leser darüber hinweg täuschen können, dass „digitale Texthaufen“ nicht als solche erkannt werden können, verschweigt der Autor leider.

Die Qualität

„Eine unabhängige Stelle, die die sachliche Qualität von eBooks beurteilen kann“, hält Michael Stühr für die geeignete Lösung, um zwischen Qualität und „digitalen Texthaufen“ zu unterscheiden.

Elegant umschifft der Autor die Klippe eines inhaltlichen Qualitätssiegels, denn dies käme nach seiner Ausführung einer Zensur gleich. Jedoch das Cover, das „sachliche Lektorat“ sowie die „Nutzbarkeit“ möchte der Autor begutachtet wissen. Ja, und das Dateiformat ist nach seiner Ansicht ein Entscheidungskriterium für die Einteilung in die Kategorien „gut“ und „schlecht“. Digitale Bücher im Format PDF fallen nach Stührs Ansicht von vornherein durch das Raster.

Nun muss man nicht gleich so weit gehen, die unselige Reichsschrifttumskammer ins Spiel zu bringen, die produktions- und marktregelnde Vorschriften erlassen und soziale Reglements treffen konnte. Es reicht, die „Verordnung über die Entwicklung fortschrittlicher Literatur“ vom 16. August 1951 der DDR sich anzusehen, die festlegte, dass jedes Buch zur Begutachtung vorgelegt werden musste, um „die Qualität der Literatur zu heben“. Das wurde auch nicht als Zensur angesehen, sondern diente ausdrücklich dem hehren Ziel der Wahrung der Qualität der Literatur.

Die Prüfstelle

Und dann lässt der Autor doch noch die Katze aus dem Sack. Für die Vergabe des Qualitätssiegels soll nach seiner Ansicht die Deutsche Nationalbibliothek zuständig sein, „die auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen sein dürfte“. Und wenn man schon dabei ist, die Qualität von eBooks zu prüfen, wäre es doch sinnvoll, auch gleich die Qualität aller Bücher durch die „hervorragenden Leute“ der Deutschen Nationalbibliothek „schnell und kompetent (zu) beurteilen“. Das soll natürlich durch eine entsprechende Vergütung erfolgen.

Da bleibt der Leser ziemlich ratlos zurück.

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