Branchenexperten im Interview: Henri Apell vom Selfpublisher-Podcast

„Denn Self-Publisher haben eine Stimme“

 

Henri Apell

Berater, Autor und Podcast-Betreiber Henri Apell gibt Self-Publishern eine Stimme.

Der Branchenkenner Henri Apell ist  freiberuflich als Berater und Fachautor tätig. Vielen Self-Publishern ist er als Begründer des Selfpublisher-Podcast bekannt. Sein Podcast, den es seit einigen Jahren gibt, ist eine Pflichtsendung für jeden Self-Publisher. Darin unterhält sich Henri Apell regelmäßig mit Selfpublishern, zudem stehen spannende Informationen zu aktuellen Entwicklungen im Self-Publishing-Markt und Tipps zur besseren Vermarktung von Büchern zur Debatte. tredition-Bestseller-Autorin Yvonne Holthaus und Eike Rappmund waren bereits bei ihm zu Gast. Im aktuellen Podcast spricht Henri Apell mit tredition-Geschäftsführer Sönke Schulz.  Bei der Frankfurter Buchmesse konnten wir uns bereits mit ihm unterhalten. Umso mehr freuen wir uns, Herrn Apell jetzt zum Interview im tredition-Blog begrüßen zu können!   Im folgenden Gespräch erzählt er uns, was ihn an der Self-Publishing-Branche reizt, welche Entwicklung der Markt seiner Einschätzung nach nehmen wird und weshalb Autoren noch einiges in Bezug auf’s Marketing lernen können.

 

tredition: Lieber Herr Apell, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unsere Fragen nehmen. Sie sind als  selbstständiger Berater für Onlinemarketing, Fachbuchautor sowie Blogger tätig und geben mit ihren Podcasts Selfpublishern eine Stimme.  Wie ist es zu diesem schönen Auftritt gekommen?

 Henri Apell: Ich wollte schon immer gerne podcasten, leider fehlte mir das passende Thema, über das es noch nicht viele andere Podcasts gibt. Als ich mich mit dem Selfpublishing beschäftigte, fand ich nur englischsprachige Podcasts. So habe ich mir dann ganz schnell die Domain gesichert und alles eingerichtet. 2014 durfte ich mein großes Vorbild Joanna Penn auf der Frankfurter Buchmesse treffen und mit ihr eine längere Zeit über Selfpublishing und podcasten unterhalten. Das hat mich sehr motiviert.

 

Bei Selfpublishern habe ich gemerkt, dass hier ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl herrscht, man sich gegenseitig unterstützt und auch untereinander viel Networking betreibt.“

Selfpublisherpodcast Sönke Schulz

 

tredition: Was fasziniert Sie besonders an Self-Publishing?

Henri Apell: Ich arbeite schon länger mit Coaches und Trainern zusammen und berate diese vor allem bei ihren Social-Media-Auftritten. Leider herrscht hier bei vielen ein großes Konkurrenzdenken und alles soll möglichst schnell funktionieren und neue Klienten bringen. Bei Selfpublishern habe ich gemerkt, dass hier ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl herrscht, man sich gegenseitig unterstützt und auch untereinander viel Networking betreibt. Da ich ähnlich ticke, fühlte ich mich gleich ein Stück weit heimisch.

Auch bin ich fasziniert vom Tatendrang vieler Selfpublisher, ihrer Lernbereitschaft und der stetigen Neugierde. Da auch ich ein sehr neugieriger Mensch bin, kommt mit das sehr gelegen. Ferner diese Haltung „Ich nehme mein Schicksal selbst in die Hand“ beeindruckt mich sehr.

tredition: Was ist Ihre Einschätzung zum aktuellen Status Quo des Self-Publishing, es hat sich ja in den vergangen Jahren einiges getan, was die Akzeptanz von Self-Publishing-Veröffentlichungen angeht …?

 Henri Apell: Die Professionalisierung schreitet immer weiter voran und auch die Leser und Leserinnen werden anspruchsvoller. Gerade die erfolgreichsten sind auch die fleißigsten, die sich an den Schreibtisch setzen und konzentriert arbeiten. Auf der letzten Frankfurter Buchmesse konnte ich bei vielen Gesprächen und Vorträgen heraushören, dass es ohne „Sitzfleisch“ nicht geht.

Nach wie vor ist es schwer für Selfpublisher, in Buchhandlungen präsent zu sein. Aber das ist es auch für viele Verlagsautoren. Immerhin können deren Bücher bestellt werden. Manche Selfpublisher stecken darin viel Energie und Herzblut, anderen ist das egal und sie konzentrieren sich lieber auf die Vertriebswege online und wollen dort breit aufgestellt sein.

Meine Mutter hat schon immer viel gelesen und das tut sie mit über 80 immer noch. Ich habe ihr zu Weihnachten einen Liebesroman einer Selfpublisherin geschenkt. Vom Cover und von der Verarbeitung des Buches war kein Unterschied zu einem Verlagsbuch zu erkennen. Sie hat das Buch gerne gelesen und es hat sie auch nicht gestört, dass es kein Verlagsbuch war. Sie hatte eine schöne Zeit mit dem Buch und das ist doch das wichtigste.

 tredition: Welche Entwicklung erwarten Sie mittelfristig auf dem deutschen Self-Publishing-Markt?

Henri Apell

 Henri Apell: Die finanziell erfolgreichsten Selfpublisher werden über kurz oder lang auch bei Verlagen veröffentlichen. Teilweise passiert das auch schon und viele Verlage haben auch schon eine „Abteilung Selfpublishing“, die vielversprechende Talente binden möchte. Es wird auf der anderen Seite eine Fraktion „Indie-Autoren“ geben, die das strikt ablehnen und auch gar keinen Sinn darin sehen.

Im Bereich Lesegeräte warte ich noch auf „mutimediale“ Bücher. Dies wird besonders für Sach- und Fachbücher interessant werden. Ich bin Betatester eines deutschen und eines amerikanischen Anbieters und kann da eine sehr gute Entwicklung beobachten.

 

„Also dieses ganze sich ins Szene setzen, Werbung für sich machen, die Person als Autor in den Vordergrund bringen, interessante Geschichten über sich erzählen zu können: Darin sind manche Naturtalente, andere habe es erlernt und manche müssen es noch lernen.“

SP Podcast Holthaus

Erfolgsautorin Yvonne Holthaus ist nicht nur im Fernsehen zu sehen, sondern agierte kürzlich auch als spannende Interviewpartnerin für Henri Apell.

 

tredition: Welche Stärken und Schwächen von Self-Publishern haben Sie in den vergangenen Jahren beobachtet?

 Henri Apell: Schreiben ist mitunter eine sehr einsame Arbeit. Ohne die nötige Konzentration kommt man nicht voran. Gleichzeitig suchen viele den Erfahrungsaustausch mit Kollegen. Einige haben hier interessante Wege online gefunden, um das zu managen. Auch treffen sie sich in regelmäßigen Abständen in der realen Welt.

Diesen Spagat hinzubekommen, das sehe ich als eine wichtige Fähigkeit für Selfpublisher an. Dadurch erst entsteht funktionierendes Netzwerken und das gegenseitige Promoten von Büchern. Schließlich leben alle von den Verkäufen ihrer Bücher. In den USA gibt es schon Selfpublisher, die als „Speaker“ auf Konferenzen sehr viel geld verdienen und sich somit ein lukratives Zusatzeinkommen aufbauen. So etwas gibt es hierzulande (noch) nicht.

Also dieses ganze sich ins Szene setzen, Werbung für sich machen, die Person als Autor in den Vordergrund bringen, interessante Geschichten über sich erzählen zu können: Darin sind manche Naturtalente, andere habe es erlernt und manche müssen es noch lernen.

 tredition: Was war für Sie der wichtigste Moment in der Buchbranche/SP-Branche 2015?

 Henri Apell: Die Gründung des Selfpublisherverbandes im Februar.

SPPodcast Rappmund

tredition-Autor Eike Rappmund spricht im Podcast auch über seine Nominierung als Bestseller-Autor im buchreport.

 tredition: Wie wählen Sie eigentlich Ihre Interviewpartner aus?

 Henri Apell: Ganz unterschiedlich: Ich frage direkt nach oder erhalte auch Empfehlungen. Manchmal sprechen mich Autoren auch an. ich mag ja pro-aktives Verhalten und meist kommt es dann auch zu einem Interviewtermin. Ich will ja die ganze Bandbreite des Selfpublishing, da bin ich ganz offen. Aber auch die ganzen Dienstleister für Selfpublisher sind immer wieder interessante Gesprächspartner.

 tredition: Welches Gespräch hat Ihnen im Rückblick besonders Freude bereitet?

 Henri Apell: Ohne andere abwerten zu wollen: Farina de Waard. Da war es wirklich nur das wunderbare Buchcover, das mich so neugierig gemacht hat auf die Autorin. Auch die Tatsache, dass sie eben nicht zuerst mit einem E-Book gestartet ist, sondern gleich mit einem hochwertig gestalteten Papier-Buch. Darüber wollte ich einfach mehr erfahren. Das war noch vor ihrem tollen Erfolg bei der Leipziger Buchmesse, als sie den 1. Platz beim Indie-Autoren-Preis 2015 gewonnen hat.

tredition: Sie sind auch als Berater tätig. Welche Ratschläge würden Sie einem Self-Publisher für die Eigenvermarktung an die Hand geben?

 Henri Apell: Das Marketing beginnt mit dem Schreiben des Buches. Und bitte nicht verzetteln! Sich auf das konzentrieren, was Spaß macht und nur auf den Plattformen vertreten sein, die man auch gerne nutzt. Sonst wird es eine Last.

Außerdem gilt für jedes Genre das, was Hans-Peter Roentgen zu mir im Interview gesagt und was schon ein Mantra ist: Ein gut und spannend geschriebenes Buch ist das beste Marketinginstrument.

tredition: Auf welches Ereignis oder welche Marktentwicklung der Buchbranche sind Sie 2016 besonders gespannt?

Henri Apell: Auf den 3. Selfpublishingday in München im April. Kurz nach Start meines Podcasts fand der erste statt und dort konnte ich viele Selfpublisher kennen lernen und habe interessante Gespräche geführt. Der zweite war dann schön größer, sowohl von Ausstellerseite als auch von den Teilnehmern und Referenten. Der 3. wird noch größer und besser. Da leistet das Team um Andreas Hollender hervorragende Arbeit. Der Ablaufsplan ist schon mal sehr abwechslungsreich.

tredition: Lieber Herr Apell, wir bedanken uns für das Gespräch, freuen uns auf Ihre Antworten und wünschen Ihnen ganz besinnliche und wunderbare Weihnachtstage und einen guten Rutsch in das Jahr 2016!

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