Die Zukunft ist ungewiss – für eBooks, Verlage und Self-Publishing

Prognosen über die Entwicklung des Buchmarkts gibt es in unüberschaubarer Zahl. Über erwartete Erfolge von eBooks lässt sich gut spekulieren und im Zusammenhang damit, also im Umkehrschluss, über die Chancen des stationären konventionellen Buchhandels. Aber auch zum Self-Publishing sind unzählige Voraussagen zu finden, die jedoch ebenso wie die Vorhersagen über die Entwicklung der eBooks häufig nicht viel mehr als ein Stochern im Nebel sind. Jedoch wird diese Tätigkeit besser nicht so genannt sondern heißt Prognose.

eBooks in der Zukunft

Die Beratungsgesellschaft briends GmbH hat gerade die Erwartungen ihrer Berater verkündet, die behaupten, dass „schon bald“ die meisten publizierten Bücher zunächst aussschließlich als eBooks erscheinen und nur noch eine Minderheit von Bestsellern gedruckt wird. Der Marktanteil von eBooks werde „nicht linear wachsen, sondern einer logistischen „S-Kurve“ folgen, die zunächst zu einer Überschätzung und dann zu einer Unterschätzung der Veränderungsgeschwindigkeit führt“.

Den Kollegen von PriceWaterhouseCoopers (PwC) werfen die briends-Experten vor, dass jene die Entwicklung des Erfolgs von eBooks lediglich mehr oder weniger linear in die Zukunft extrapoliert hätten, was natürlich nur zu einem moderaten Anstieg führt. briends zitiert PwC mit deren Prognose eines Marktanteils der eBooks im Jahr 2015 mit 6,3 Prozent, während briends den Marktanteil der elektronischen Bücher bis 2017 kühn aufgrund der „S-Kurve“ auf 50 Prozent erhöht.

Dass PwC die eigenen Zahlen bereits am 30. August 2010 veröffentlichte, verschweigen die briends-Experten. Ein Blick auf neue PwC-Prognosen hätte zur Erkenntnis geführt, dass deren Berater den eBook-Anteil im Belletristik-Markt 2017 zwar auch höher als bisher bei jetzt 16 Prozent sehen, aber bei weniger als einem Drittel der briends-Erwartungen. Wer an die briends-Prognose glaubt, kann das Angebot der Berater nicht ablehnen: „Verlage und Buchhändler tun gut daran, diesen Wandel ernst zu nehmen und sich darauf vorzubereiten. briends wurde gegründet, um dabei zu helfen.“ Aha!

Flächenreduktion im Buchhandel

briends hat aus dem steigenden Anteil der eBooks auch eine korrespondierende Flächenreduktion im Buchhandel abgeleitet, denn die Marktdurchdringung von eBooks sei ein sich selbst verstärkender Prozess. Je höher der eBook-Anteil werde, desto mehr verschwänden die Flächen für gedruckte Bücher, was wiederum die Attraktivität von eBooks erhöhe.

Ganz so einfach dürfte die Entwicklung wohl nicht ablaufen. Die Flächenreduktion im Buchhandel ist sicherlich zu einem wesentlichen Teil das Ergebnis hausgemachter Fehlentwicklungen im Bereich der Mega-Buchläden, die stapelweise aktuelle Literatur (und Schokolade, Plüschtiere und Spielzeug) an den Kunden bringen möchten. Die Literaturfreundin und der Literaturfreund dürften die Schließung mancher Megastores leicht verschmerzen, denn Kleinodien der Literatur suchen Literaturbegeisterte in diesen Läden vergebens.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel einer Buchhandlung in Hamburg. „Allen Verhältnissen zum Trotz – im Glauben an eine bessere Zukunft Deutschlands und im Vertrauen auf das literarisch gebildete Hamburger Publikum – haben wir uns entschlossen, eine neue Buchhandlung zu eröffnen. Sie soll eine Pflegestätte sein für das gute und schöne Buch“. Das schrieb Felix Jud 1923 und legte den Grundstein für eine immer noch florierende Buchhandlung am Neuen Wall in Hamburg. Der Thalia-Megastore in der Parallelstraße wird im Januar 2014 geschlossen. eBooks dürften zu dieser Entwicklung nichts beigetragen haben sondern hauptsächlich fundamentale Fehleinschätzungen des Buchmarktes.

Self-Publishing in der Zukunft

Studien zur Marktentwicklung des Self-Publishing sind ebenfalls Legion. Eine neuere Untersuchung hat die „BoD – Books on Demand GmbH“ im Oktober 2013 veröffentlicht und kommt zu optimistisch stimmenden Ergebnissen hinsichtlich der weiteren Pläne der Self-Publishing-Autoren. Danach planen 62 Prozent der Autoren keine Veröffentlichungen im traditionellen Verlag und 45 Prozent wollen künftig mehr Bücher im Self-Publishing veröffentlichen. Lediglich 7 Prozent streben keine weiteren Veröffentlichungen im Self-Publishing an.

Diese Ergebnisse überraschen nicht sehr, denn BoD ließ 1144 Autoren befragen, die bei BoD selber Kunden sind. Die Antworten vermitteln also allenfalls eingeschränkte Erkenntnisse über die Autoren, die bei einem bestimmten Dienstleister im Self-Publishing-Bereich Bücher veröffentlicht haben. Das Fazit von BoD aus der Studie aber ist sicherlich richtig: „Self-Publishing hat in Deutschland die Nische verlassen“. Und tredition ist dabei, den Markt kräftig mit auszubauen.

Ein konventioneller Verlag (Heyne) wirbt für das in diesem Verlag erschienene gedruckte Buch „Die Berechnung der Zukunft“ von Nate Silver. Der Untertitel lautet: „Warum die meisten Prognosen falsch sind und manche trotzdem zutreffen“. Das Problem der Vorhersagen sei nicht der Mangel an Informationen, sondern dass die verfügbaren Daten nicht richtig gedeutet werden. Für den Self-Publishing-Markt dürfte es weiter bergauf gehen, da gibt es wohl keine anderen Deutungsmöglichkeiten.

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