Erste Titellöschungen im Bereich Self-Publishing

Amazon und Kobo beginnen, erste Self-Publishing-Titel aus ihren e-Book-Shops zu entfernen. Ausschlag dazu gab ein Artikel des Britischen Online-Magazins „The Kernel“, der zahlreiche Titel als Pornografie enttarnte. Kobo und WH Smith in Großbritannien haben daraufhin alle Self-Publishing-Titel aus ihrem eBook-Angebot herausgenommen. Kobo prüft diese nun alle, bevor sie wieder online gestellt werden. WH Smith lässt sie offline. Der Artikel in The Kernel hat endlich für Aufmerksamkeit gesorgt, dass Self-Publishing ohne inhaltliche und qualitative Kontrolle kein Modell für die Zukunft ist.


Self-Publishing liberalisiert und dynamisiert den Buchmarkt. Das ist außer Frage. Letztendlich tragen auch wir von tredition dazu bei und unterstützen diese Entwicklung. Wir distanzieren uns aber seit 2006 davon, Self-Publishing darauf zu reduzieren, Inhalte gänzlich ungeprüft bei e-Book-Shops oder anderen Dienstleistern zu veröffentlichen.

Qualitätsmängel bei mehr als 50% der Titel

Wir prüfen jeden bei uns zur Veröffentlichung eingereichten Self-Publishing-Titel auf Inhalt, Grammatik und Erscheinungsbild. Wir weisen mehr als 50% der Titel in erster Instanz an den Autor zurück. Die übermittelten Verbesserungshinweise weisen meistens auf Rechtschreibmängel hin. Mit zunehmender Bedeutung von Self-Publishing nimmt aber auch die Ablehnung aus inhaltlichen Gründen zu. Wir distanzieren uns von gewaltverherrlichenden, diskriminierenden oder pornografischen Inhalten. Da solche Inhalte von Verlagen nahezu vollständig abgelehnt werden, sind diese im Bereich Self-Publishing überproportional vertreten. Self-Publishing-Dienstleister haben also eine sehr hohe Verantwortung, illegale oder dem Jugendschutz unterliegende Inhalte zu identifizieren und auszusieben. Dieser Aufgabe werden aber nur die wenigen Anbieter gerecht, die eine tatsächliche Kontrolle jedes Titels durchführen.

Self-Publishing-Dienstleister haften für ihre Inhalte

Man kann nur mutmaßen, wann der erste große Fall eintritt, dass ein Self-Publishing-Dienstleister, der Inhalte nicht prüft, zur strafrechtlichen Verantwortung für die Verbreitung illegaler Inhalte gezogen wird. Spätestens dann ist zu erwarten, dass Massenpublikationsportale ohne Qualitätskontrolle ihr Geschäftsmodell überdenken. Wer weiß, vielleicht werden spitzfindige Anwälte ein Abmahnwesen 2.0 finden. War es früher die Abmahnung wegen falscher Impressumsangaben auf Internetseiten, so lässt sich sicher etwas hinzuverdienen, wenn illegale Inhalte gefunden werden. Auch Self-Publishing-Dienstleister oder e-Book-Shops mit Veröffentlichungsmöglichkeit haften für die Inhalte, die sie in Umlauf bringen.

Geschäftsgrundlage gefährdet

Folgen andere e-Book-Shops der konsequenten Handlung von WH Smith, alle Titel von Self-Publishern zu entfernen, kann die Geschäftsgrundlage für die Dienstleister, die Bücher unkontrolliert verbreiten, gefährdet werden. Wenn sie von Portalen ausgeschlossen werden, wird wohl kaum ein Autor noch zu überzeugen sein, diesen Dienstleister in Anspruch zu nehmen.

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