Ladenhüter im Self-Publishing?

Im Dezember 2006 berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit dem Titel „Der Gammelbuchskandal“ über die am schlechtesten verkauften Bücher des Jahres, die „Worstseller“. Die Titelzeile ist angelehnt an den „Gammelfleischskandal“ im selben Jahr, der einen besondereren Eklat in einer langen Reihe von Lebensmittelskandalen bedeutete.

Worstseller in den Regalen der Buchhändler

Unangefochten an der Spitze der Worstseller steht Johann Wolfgang von Goethes „West-östlicher Diwan“, erschienen 1819 in der Cottaischen Buchhandlung in Stuttgard (damals noch mit „d“). 191 Jahre dauerte es, bis die Erstauflage verkauft ist.

Sicher, Lyrik verkauft sich nicht gut, damals offensichtlich nicht und heute erst recht nicht. Daher verwundert es nicht, dass Eugenio Montales „Gedichte“ mit 14 verkauften Exemplaren im Jahr 2006 an zweiter Stelle der unverkäuflichen Bücher liegen. Aber dass Muriel Sparks „Vorsätzlich Herumlungern“ (6 verkaufte Exemplare), Erich Maria Remarques „Das unbekannte Werk“ (17 Exemplare), Anna Seghers´ „Aufstand der Fischer“ (22 Exemplare“ oder Heinrich Manns „Der Atem“ (39 Exemplare) in den Regalen des Buchhandels verstauben, erstaunt. Denn von anderen Werken dieser Schriftsteller-Elite werden teilweise Millionen Exemplare verkauft.

Die Umfrage von Hubert Spiegel, dem Autor des „FAZ“-Artikels, ist nicht repräsentativ, denn viele Verlage kennen angeblich gar keine Ladenhüter.

Mut des Diogenes-Verlages

Jetzt hat der Diogenes-Verlag besonderen Mut bewiesen und in seinem „Diogenes Magazin“ die Worstseller des Jahres 2012 veröffentlicht. Wieder ist die Schriftsteller-Elite vertreten, so Muriel Spark mit „Junggesellen“ (1 verkauftes Exemplar), Ludwig Marcuse mit „Nachruf auf Ludwig Marcuse“ (4 Exemplare), Balzac mit „Geliebtes Leben (16 Exemplare), Dashiell Hammett mit „Das Dingsbums Küken“ (22 Exemplare) oder Molière mit „die Schule der Frauen“ (45 Exemplare). Die Diogenes-Ladenhüter präsentiert der Verlag allerdings augenzwinkernd mit dem Hinweis „zum Entdecken und Wiederentdecken“. Vielleicht hilft es.

Erfahrungen eines Self-Publishing-Dienstleisters

Selbst wenn viele etablierte Verlage (mit Ausnahme von Diogenes) angeblich keine Ladenhüter ihres Verlagsprogramms kennen, ist eines sicher, nämlich, dass die Self-Publishing-Dienstleister und ihre Autoren dieses Problem nicht erfahren müssen. Hier werden Bücher schnellstens erst gedruckt, wenn sie verkauft worden sind. „Gammelbuchskandale“ werden bei den Self-Publishing-Dienstleistern nicht stattfinden, so dass diese Dienstleister einen außerordentlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber herkömmlichen Verlagen haben. Die Erfolge des Self-Publishing-Marktes beweisen es.

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