Prognosen für den Buchmarkt – Self-Publishing und eBooks dynamisch

Regelmäßig veröffentlicht die PricewaterhouseCoopers AG (PwC) die Ergebnisse ihrer „German Entertainment and Media Outlook“-Studien zum deutschen Medienmarkt. Die Zukunft des Buchmarktes ist nach den Studienergebnissen insgesamt stabil, aber durch Verwerfungen innerhalb der Branche mit Gewinnern und Verlierern gekennzeichnet. Das PwC-Gesamtergebnis kann nicht zufrieden stellen, sondern es müsste die Branche in Unruhe versetzen, weil lediglich nominelle Werte, nicht aber Preisentwicklungen Berücksichtigung finden.

Der Buchmarkt im Jahr 2017

PwC sieht den Umsatz im Buchmarkt im Jahr 2017 bei 9,8 Milliarden Euro mit einem Umsatzwachstum von 0,7 Prozent pro Jahr.

Allerdings haben diese nominellen Zahlendarstellungen nur eine beschränkte Aussagekraft. Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts liegt für Bücher im Oktober 2013 bei 103,7 (Basis 2010 = 100). Das Umsatzwachstum der nächsten Jahre dürfte weiterhin nur nominell sein und es werden real vermutlich geringere Umsätze gegenüber heute zu verzeichnen sein. Die wirtschaftliche Situation der Buchbranche wird sich zusätzlich verschärfen, weil die Arbeitskosten steigen werden (Index der Arbeitskosten im Gewerbe und Dienstleistungsbereich jetzt rund 107 im selben Vergleichszeitraum gegenüber 2010) und die Kosten für Druck, Papier oder Versand ebenfalls steigen. Eine mit dieser kurzen Analyse deckungsgleiche Gesamtentwicklung zeigt sich seit vielen Jahren, hat aber breite Teile der Branche bisher nicht dazu veranlasst, durch besondere Innovationsfreude gegenzusteuern.

Gewinner eBook

Das Umsatzwachstum bis 2017 beruht vor allem auf dem steigenden Umsatz mit eBooks. Die ältere PwC-Studie aus dem Jahr 2010 prognostiziert für 2015 einen eBook-Umsatz im Bereich Belletristik von über 350 Millionen Euro nach gerade einmal 20 Millionen Euro in 2010 und dokumentiert damit eine realistische Prognose, da der Umsatz in diesem Teilbereich tatsächlich 2013 bei etwa 286 Millionen Euro liegen wird. Die Umsatz-Zuwächse im digitalen Bereich kompensieren in etwa die Verluste im konventionellen Bereich.

Gewinner Self-Publishing

Nicht nur der eBook-Markt ist auf der Gewinnerseite, sondern auch der Self-Publishing-Branche wird die Zukunft gehören. In allererster Linie werden die Autoren in diesem Segment zu den Gewinnern gehören, da die bisherigen Hürden aus der konventionellen Verlagswelt beiseite geräumt werden. Der deutsche Self-Publishing-Markt wird sich vermutlich nicht so rasant entwickeln wie der US-amerikanische Markt, aber zumindest dürfte die Richtung der Entwicklung erkennbar sein.

Der „New Publisher House“-Report und der „The State of Independence 2014 Report“ sehen das bisher unausgeschöpfte Marktvolumen im Bereich Self-Publishing in den USA bei etwa 52 Milliarden Dollar und damit etwa doppelt so hoch wie das Marktvolumen herkömmlicher Verlage. Self-Publisher verlegen nach diesen Angaben bereits jetzt rund acht mal mehr Titel als Autoren im „klassischen“ Bereich. Selbst wenn die Anzahl verkaufter Exemplare je Titel im Self-Publishing deutlich geringer sein dürfte als im konventionellen Buchmarkt und auch in nennenswertem Umfang Gratis-Exemplare angeboten werden, zeigt sich hier eine bemerkenswerte Entwicklung.

Zwar sind die Angaben aus den zitierten US-Reports mit Vorsicht zu betrachten, weil nur wenige valide Daten vorliegen und die Autoren dieser Studien möglicherweise eigene wirtschaftliche Interessen verfolgen. Aber Tendenzen dürften die Reports durchaus widerspiegeln. Ein objektives Bild über den Self-Publishing-Markt zu gewinnen, ist mit Schwierigkeiten verbunden, denn viele Daten aus diesem Teilsegment des Buchmarktes bleiben hinter verschlossenen Türen. Ein aktuelles Beispiel für die Zurückhaltung bei der Veröffentlichung konkreter Zahlen ist die Darstellung der Douglas-Holding zur Entwicklung der Thalia-Buchhandelskette, deren digitales Geschäft sich verdreifacht habe und deren Buchbereich über den Erwartungen liege. Der Erkenntniswert dieser Auskunft ist gleich Null.

Aussichten für den Buchmarkt

Jenseits aller Probleme bei der Vorschau auf die kommende Entwicklung des Buchmarktes bleibt als wahrscheinliche Annahme unter Berücksichtigung der Heranbildung des mMarktes bis heute, dass sich der eBook-Markt schnell weiter entwickeln wird und das Self-Publishing immer größere Marktanteile bei einem insgesamt stagnierenden, unter Inflationsgesichtspunkten sogar schrumpfenden Marktes gewinnen wird. Die Verlage – insbesondere diejenigen mit einer konventionellen Geschäftsausrichtung – müssen auf der Hut sein!

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.