Self-Publishing-Day 2015: Die Quintessenz für Autoren

Neun Stunden lang Vorträge, Workshops, Meinungsaustausch und Self-Publishing-Themen nonstop – am 25. April kamen rund 100 Autoren nach Münster, um am zweiten Self-Publishing-Day teilzunehmen. Nach der Premiere in Würzburg hat die Veranstaltung dieses Jahr ihre Teilnehmerzahl erfreulicher Weise verdoppelt, was einmal mehr die wachsende Bedeutung dieses dynamischen Marktsegments unter Beweis stellt. Immer mehr Autoren erachten Self-Publishing als die attraktivste Möglichkeit, ihr Buch zu publizieren.

Natürlich war auch tredition mit einem Workshop vertreten. Unter dem Motto „Zum Bucherfolg? Hier entlang!“ referierten wir über alle Aspekte und Erfolgsfaktoren der Buchveröffentlichung und -vermarktung. Das Interesse war groß und wir freuten uns über viel positives Feedback und jede Menge Fragen zum Veröffentlichungsprozess, nicht nur während des Workshops, sondern auch im Anschluss an unserem tredition-Stand.

Natürlich haben wir uns auch ins Getümmel gestürzt und den Vorträgen gelauscht, um Ihnen, liebe Autorinnen und Autoren, ein paar wertvolle Erkenntnisse weiterzugeben.

Self-Publishing ist keine Erfindung der Neuzeit

Vortrag

100 Autorinnen und Autoren kamen nach Münster, um sich über Self-Publishing-Strategien und -Konzepte zu informieren und auszutauschen

„Was haben Goethe, Edgar Allan Poe und Poppy J. Anderson gemeinsam?“ Diese Frage stellte Verleger und Autor Ruprecht Frieling zum Auftakt des Self-Publishing-Day in den Raum. Die Antwort ist simpel: Poppy J. Anderson veröffentlichte ihre Bücher ohne Verlag, dasselbe taten unzählige Literaten vor ihr ebenfalls. „Hinter uns liegen 3.750 Jahre Self-Publishing“, rief Ruprecht Frieling den Autoren zu. Von der Tontafel über die Papyrusrolle und das Pergament bis hin zum Papier – sämtliche Materialien, die einst für die Verbreitung von Inhalten genutzt wurden, waren auch Mittel zum Zweck für Menschen, ihr Wissen oder ihre Geschichten niederzuschreiben.

 

Und die Liste jener heute berühmten Schriftsteller, Dichter und Denker, die einst auf eigene Faust ihre Werke unters Volk brachten – also Self-Publishing betrieben – ist lang, wie Ruprecht Frieling vor Augen führte: Honoré de Balzac, Edgar Allan Poe und die Brontë Schwestern sind ebenso dazu zu zählen wie Marcel Proust, Alexander von Humboldt, Friedrich Nietzsche, Heinrich Mann und Hermann Hesse. „Seit Jahrhunderten veröffentlichen Autoren an den Gatekeepern vorbei und von der Kritik zuweilen verhöhnt“, erklärte Frieling. Eine schöne Anekdote am Rande: Der russische Schriftsteller Leo Tolstoi verkaufte gar hinter dem Rücken seiner Frau ein Landgut, um seinen Roman „Krieg und Frieden“ veröffentlichen zu können.

Der Inhalt zählt – aber auch die Verfügbarkeit!

Die oben genannten Beispiele führen es eindrücklich vor Augen: Gute Inhalte bahnen sich ihren Weg in den Markt, auch jenseits des klassischen Verlagswesens. In letzter Konsequenz entscheidet die Faszination oder Enttäuschung des Lesers darüber, was sich im Flächenmarkt durchsetzt. Allerdings nur unter der Voraussetzung einer entsprechenden Verfügbar- und Sichtbarkeit. Was der Leser auf üblichem Handelswege nicht findet, kann er erst gar nicht kennen- und schätzen lernen. Wie gelingt es, die Aufmerksamkeit der Internet-User für das eigene Buch zu gewinnen? Wie lassen sich die Metadaten dabei erfolgreich einsetzen? Und wie gelingt es, einen Platz auf den Präsentationstischen des Buchhandels zu bekommen? Dieser Frage widmeten wir uns auch im tredition-Workshop. Die Chancen, das Interesse des Buchhandels für sich zu gewinnen, sind umso größer, je

  • höher der Aktualitätswert des Themas
  • je deutlicher der regionale Bezug des Buches oder des Autors
  • je professioneller die Umsetzung (Layout, Cover, Format).

Außerdem gilt: Keine Scheu bei der Kontaktaufnahme mit Buchhandlungen. Die Wirkung einer positiven Ausstrahlung und hoher Überzeugungskraft mit guten Argumenten ist nicht zu unterschätzen. Wenn Sie Buchhandlungen kontaktieren, sollten Sie immer auf Folgendes hinweisen:

  • alle tredition-Titel sind über den Buchgroßhandel bestellbar
  • dabei gelten attraktive Staffelrabatte
  • Paperbacks sind garantiert lieferbar ab Veröffentlichung
  • Werbeeffekt für den Buchhandel: tredition stellt Buchhändler im Blog vor

Autoren sind Unternehmer

Ein jeder Autor ist zugleich auch eine kaufmännisch denkende und handelnde Person – zumindest ist dies eine wichtige Voraussetzung, um das eigene Buch erfolgreich zu vermarkten. Johannes zum Winkel, Spezialist für die Vermarktung von e-Books, brachte es auf den Punkt: Zielsetzung, Marketing und Controlling liegen beim Self-Publishing gleichermaßen in der Hand der Autoren. Wohlgemerkt hängt die Breite des eigenen Aufgabenspektrums davon ab, welcher Dienstleister für die Veröffentlichung gewählt wird. tredition deckt sämtliche Prozesse der Veröffentlichung von der Produktion bis zu Vertrieb und Vermarktung ab. Nichtsdestotrotz empfehlen wir auch jedem Autor dringend, wirtschaftliche Gesichtspunkte nicht hinter Gestaltungsfragen hinten anzustellen.

  • Welche Zielgruppe möchte ich erreichen und welche Preisbereitschaft bringt diese mit?
  • Welche Kommunikationskanäle sind geeignet, um diese Zielgruppe zu erreichen?
  • Welche Vermarktungsmaßnahmen lassen sich schon vor der Veröffentlichung planen und konzipieren?

Solche Fragen sollte sich jeder Autor stellen. Denn, wie sagte Johannes zum Winkel: „Es zählt nicht Ihr Aufwand, sondern die Leistung Ihres Buches“.

Im Web wie ein Profi agieren

Als am Nachmittag des Self-Publishing Day Felix Beilharz das Podium betrat, rauchten bereits die Köpfe nach reichlich Input. Doch der Autor und Social Media Experte sorgte mit einem so humorvoll wie inhaltlich fundierten Vortrag für Aufmerksamkeit – etwa als er die „größten Ängste unserer Zeit“ vorstellte: Das kleine Batteriesymbol auf dem Handy etwa, das den erschöpften Akku anzeigt.

Von Affiliate-Links zu Onlineshops über Google AdWords bis hin zu aussagekräftigen Medienstatements auf der eigenen Webseite hatte Beilharz viele Ratschläge für das Onlinemarketing zu bieten. Dazu gehörte auch der Tipp, eine Leseprobe anzubieten, die interessierte Leser per Email anfordern können. Auf diese Weise lassen sich Adressen generieren, die wiederum für Werbemaßnahmen wertvoll sind. Auch ein eigener Blog sei empfehlenswert. „Blogbeiträge sind nachhaltiger als Tweets, die innerhalb kürzester Zeit nicht mehr auf Google auffindbar sind“, betonte Beilharz.

Die Kunst der Covergestaltung

„Kenne Deine Zielgruppe“ war auch eine der wichtigen Botschaften, die Self-Publisher und Verlagsautor Daniel Morawek den Autoren für die eigene Umschlaggestaltung an die Hand gab. Er erläuterte anhand von Beispielen etwa die sogenannte Drittelregel: Dabei wird das Cover gedanklich mit Linien in drei gleich große Abschnitte unterteilt. An den beiden gedachten Linien sollten idealerweise die Hauptmotive/wichtigen Elemente platziert werden. Als Datenbank für Bild- und Fotomaterial empfahl Morawek den Dienst Shutterstock. Deutlich wurde in seinem Workshop zugleich auch: Die meisten Autoren möchten ihr Cover nicht komplett selbst gestalten. Eben für diesen Zweck hat tredition eine Vielzahl an professionellen Umschlagdesigns konzipiert, die Autoren individuell gestalten können.

Das eigene Netzwerk pflegen

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Voll ausgebucht: Vortrag von tredition „Zum Bucherfolg? Hier entlang!“

Zum Abschluss des Self Publishing Days hatten die Teilnehmer Gelegenheit, die Self-Publishing-Autorinnen Poppy J. Anderson, Elke Bergsma, Kirsten Wendt sowie Matthias Matting „mit Fragen zu löchern“. Was dabei deutlich wurde: Networken und die Kontakte zu anderen Autoren und Lesern pflegen hat für die Self-Publisher einen ebenso großen Stellenwert wie das Schreiben. „Auf keinen Fall Facebook!“, lautete die einhellige Meinung der vier Podianten auf die Frage, welche Aufgabe sie denn am liebsten delegieren würden. Die aktive Kontaktpflege dürfte bei allen vier einen nicht unerheblichen Teil dazu beitragen, im Gespräch zu bleiben und die eigenen Verkäufe positiv zu beeinflussen.

Print, Print, Print!

e-Book-Auflagenmillionäre im Self-Publishing hin oder her: Auch Einzelerfolge sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass nach wie vor – im Self-Publishing genauso wie im traditionellen Verlagswesen – das Gros des Buchumsatzes mit gedruckten Werken und nicht mit dem elektronischen Format erwirtschaftet wird. In den kommenden Jahren ist ein weiteres rasantes Wachstum lieferbarer e-Book-Titel zu erwarten. Da der Gesamtumsatz mit e-Books aber deutlich langsamer wächst als die Titelzahl, wird auf jedes e-Book immer weniger Ertrag entfallen. Wirtschaftlich denkende Autore setzen also auf eine Veröffentlichung in gedruckter Form und als e-Book!

 

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