Self-Publishing, e-Books und die Buchpreisbindung

Das Gesetz über die Preisbindung für Bücher (BuchPrG) „dient dem Schutz des Kulturgutes Buch“ (§ 1). Zum 1. Oktober 2002 trat dieses Gesetz in Kraft und löste die bis dahin geltenden Regelungen (Preisbindung bei Verlagserzeugnissen) des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen ab. Zum Zeitpunkt der Einführung dieses Gesetzes waren „e-Book“ oder „Self-Publishing“ noch unbekannte Vokabeln, so dass sich die Frage stellt, wie diese völlig neuen Entwicklungen auf dem Buchmarkt unter dem Gesichtspunkt der Buchpreisbindung zu behandeln sind.

Das Kulturgut Buch

Ob das Ziel des Gesetzes erreicht wird, kann jeder schnell beim Blick auf die Bücherstapel im Eingangsbereich der Mega-Buchläden erkennen: Fantasy, Krimis, Liebesromane zuhauf. Auch die Bestseller-Liste bei Amazon gibt einen Eindruck über das Kulturgut Buch: „Die Tribute von Panem“ (gerne auch im Schuber mit drei Bänden gekauft), „Sauerkraut-Koma: ein Provinzkrimi“ (gerne auch gekauft zusammen mit „Winterkartoffelknödel: ein Provinzkrimi“) oder „Mal meine Möpse aus! Ein Malbuch für Männer“. Soweit zur Kultur.

Preisgebundene e-Books

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist schnell zur Hand, wenn es darum geht, die Preisbindung hoch zu halten. Im Jahr 2008 hat der Börsenvereinsvorstand im Interview apodiktisch erklärt, „alle Bücher müssen preisgebunden werden“ und zählt e-Books mit der Begründung dazu: „Die Branche ist sich einig“. Das verwundert nicht, denn die ganze Preisbindung stünde zur Disposition, wenn bei dem beachtlichen Zuwachs an e-Books ein immer größerer Teil der Bücher aus der Preisbindung fiele.

Ganz so einfach stellt sich die Lösung der Frage aber nicht, denn das Kulturgut „gedrucktes Buch“ wird mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz verkauft, das e-Book aber, vermutlich kein Kulturgut, nicht. Wenn ein Buch sowohl in gedruckter Form als auch in digitaler Form erscheint, ist die kulturelle Wertschätzung je nach Veröffentlichungsform also unterschiedlich. Diese Logik erschließt sich dem unvoreingenommenen Betrachter nur schwer.

Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD sieht keine großen Änderungen vor, wie der „buchreport“ berichtet. Es gilt, dass die Preisbindung essenzielle Voraussetzung „für die Erhaltung der Vielfalt der Bücher und Buchhandlungen“ ist. Es fährt sich offenbar gut auf ausgefahrenen Gleisen, wie der „Erfolg“ der Wahrung des Kulturgutes Buch zeigt. Wie muss es erst in Großbritannien, Belgien, Schweden oder Dänemark, Ländern ohne Preisbindung, um die Kultur bestellt sein!

Preisgebundenes Self-Publishing

Eine bedenkenswerte Argumentation zur Preisbindung im Self-Publishing brachte Ansgar Warner auf seiner Website „e-book-news.de“, indem er aus dem Kommentar zum Buchpreisbindungsgesetz zitiert: „Unter das BuchPrG fallen nur solche Bücher, die als verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen sind, also aus Verlagen stammen und sich für den Vertrieb über den Buchhandel eignen: Keine Bücher sind demgemäß … Bücher aus „Selbstverlagen“.“ Leider verkaufen sich die Bücher dann aber nicht.

Das Fazit

Eine asiatische Weisheit lautet: „ Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen“. Die Schutzmauern werden brüchig.

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