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Self-Publishing: Ein gar nicht so neues Phänomen

Belletristik von Hobbyautoren – diese Definition von Self-Publishing geistert leider viel zu oft in der Branche herum. Dabei ist das „Selbstverlegen“  gerade im Fachbuchbereich kein Novum. Eine Klarstellung.

Erinnern Sie sich daran, wann Sie das allererste Mal ein Meeting abgehalten haben? Wahrscheinlich ist das lange her. Denn moderne Begrifflichkeiten und Anglizismen sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die damit bezeichneten Phänomene keine neue Erfindung sind. Besprechungen und Konferenzen – Meetings also – sind schließlich so alt wie das Arbeitsleben selbst. Mit Self-Publishing ist es kaum anders: Der Begriff bezeichnet eine Form der Veröffentlichung, die vom Prinzip her nicht neu ist, in den vergangenen Jahren aber starken Aufschwung erfuhr und daher den Buchmarkt gehörig aufmischt: In 2014 betrug die Zahl der Novitäten bereits 30% aller Print-Novitäten im deutschsprachigen Buchmarkt. Damit ist Self-Publishing das derzeit dynamischste und wachstumsstärkste Segment im Buchmarkt. Vom „Verlegen in der Parallelwelt“ – wie erst letztes Jahr Zeit online schrieb – kann also kaum mehr die Rede sein.

Das Phänomen Self-Publishing an sich aber ist keineswegs neu. In vielen Fachverlagen ist es seit jeher Usus, verlegerische Leistungen nur bei einer entsprechenden Bezahlung durch den Autor anzubieten. Mitunter sind dabei auch Lektorat und Satz vom Autor vorab selbst durchzuführen oder zusätzlich zu finanzieren. Nach eben diesem Prinzip arbeiten Self-Publishing-Dienstleister, mit dem Unterschied, dass sie im Gegensatz zu Fachverlagen i.d.R. viel günstiger und nicht auf bestimmte Fachgebiete und Themen begrenzt sind.

Mit der Etablierung des e-Books haben sich die Möglichkeiten und Wege, ein Buch selbst zu veröffentlichen, noch einmal verändert. Self-Publishing mit der Veröffentlichung von e-Books gleichzusetzen, wäre dennoch ebenso falsch wie die Annahme, im Self-Publishing würden mehrheitlich belletristische Titel veröffentlicht. Tatsächlich ist die Zahl der Sach- und Fachbücher, die auf dem Wege des Self-Publishing ihren Weg in den Buchmarkt nehmen, deutlich höher als angenommen. Bei tredition beispielsweise beträgt der Anteil der Sach- und Fachbücher am gesamten Titelportfolio 54 Prozent.

Die sofortige Veröffentlichungsmöglichkeit, die Entscheidungshoheit über den Verkaufspreis und attraktivere Provisionen sind laut einer 2014 von tredition durchgeführten Umfrage unter Fachbuchautoren die entscheidenden Argumente für Self-Publishing. Diese Entwicklung entgeht den klassischen Fachbuchverlagen freilich nicht. Es ist deshalb davon auszugehen, dass in den kommenden Jahren mancher Fachverlag ein eigenes Self-Publishing-Angebot im Markt platziert, beispielsweise in Form von „Open Access“-Plattformen, die nicht nur Lesern einen kostenlosen Zugang zu wissenschaftlicher Literatur bieten, sondern Autoren zugleich eine unkomplizierte Veröffentlichung ermöglichen. Aber das wird in einem nächsten „Meeting“ zu diskutieren sein…

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