Sind Rezensionen für Self-Publishing-Autoren wichtig?

Guter Rat für Self-Publisher, wie sie Verkaufserfolge für ihre Bücher erzielen können, ist manchmal wohlfeil, manchmal aber auch richtig teuer. „Ins Geld“ gehen gute Ratschläge dann, wenn den Erfolgssuchenden „PR-Strategien“ von professionellen Ratgebern angeboten werden, deren Kosten hoch, deren Erfolgsaussichten aber eher gering sind. Einer der häufig erteilten Ratschläge zum Erfolg verweist auf die Idee, durch Rezensionen in Blogs oder Online-Buchhändlern das Geschäft „anzukurbeln“. Diese Idee muss aber mindestens mit einem großen Fragezeichen versehen werden.

Buch-Blogs sind häufig Rezensenten von Self-Publishing-Titeln

Die Anzahl der Buch-Blogs, die im Internet meistens sehr verborgen ihr Dasein fristen, ist unüberschaubar. Google findet zum Stichwort „Buch Blog“ einhundertundsechsundfünfzig Millionen(!) Links. Die Ursache für die unauffällige Existenz der Buch-Blogs liegt zum einen vermutlich an der Namenswahl mancher Blogs, die so betulich klingen wie sie tatsächlich sind: „Angels Bücherecke“, „Bücherwürmchenswelt“, „Pudelmützes Bücherwelten“ oder „Die Büchertante“. Schon „hier wendet sich der Gast mit Grausen“ (Friedrich von Schiller – Der Ring des Polykrates).

Zum anderen aber wird derjenige, der sich überwindet und eintritt auf die Startseiten der Blogs häufig ein chaotisch gestaltetes Design und eine Menüführung vorfinden, die sich weniger an der Logik der gezielten Hilfestellung für den interessierten Besucher orientiert als vielmehr Zeugnis ablegt von der konfusen Gedankenwelt der „Web-Designer“.

Noch schlimmer sind die Texte vieler Bücher-Blogs, die den Besucher mit Anbiederungen wie „Huhu Ihr Lieben“ oder „Hurra, ich lebe noch“ begrüßen. „Hallo ihr Lieben“ ist offensichtlich in vielen Blogs eine bewährte Form der Anrede, stößt aber nicht immer auf Gegenliebe.

Ob es für den Verkauf der Bücher, sowohl von herkömmlichen Verlagen verlegt oder mit Hilfe von Self-Publishing-Dienstleistern veröffentlicht, förderlich ist, in diesen Blogs Rezensionen zu schreiben, dürfte mehr als fraglich sein. Vermutlich ist es vergeudete Zeit.

Rezensionen bei Online-Buchhändlern

Das Beispiel Amazon macht auch nicht viel mehr Hoffnung, obwohl ein Buchtitel Entsprechendes verheißt:

„Morgen kommt ein neuer Himmel“ (Lori Nelson Spielmann) ist ein Buch, das bei Amazon viele Freunde hat, denn 91 Rezensenten haben die Höchstzahl von 5 Sternen vergeben. Die Beurteilungen heißen dann „Super“, „Super Lektüre“, „Super tolle Geschichte“, „Super Buch“ oder „super geschrieben“. Da erfreut es doch auch sehr, dass ein Rezensent „während dem Lesen mehr als positiv überrascht“ wurde.

Ein anderes Buch (“Trotzdem irgendwie verliebt“ – Nicole S. Valentin) hat bei Amazon ähnliche Qualitäten. „“Super Super Super!!!!!“, „einfach SUPER….“, „Super spannend“ , „Super Buch!!“ oder kurz „Wow“ lauten die qualifizierten Urteile.

Überaus aktiv bei der Rezensionstätigkeit ist zum Beispiel Silke Ingenbold-kowanda „Büchermurmel“ aus Oberhausen, die nicht nur mit dem kleinen „k“ in kowanda auffällt, sondern auch schon 428 Rezensionen geschrieben hat, damit aber dennoch nur Rang 1.568 der Top-Rezensenten einnimmt. Nicht nur das Buch „Morgen kommt ein neuer Himmel“ versieht Silke Ingenbold-kowanda mit fünf Sternen, sondern auch der Samsonite Koffer X blade 2.0. in dark brown kommt sehr positiv bei ihr an.

Wie die Rezensionstätigkeit eines leidenschaftlichen Lesers mit 3486 Buchkritiken in zehn Jahren sich tatsächlich darstellt, ist sehr anschaulich in einem Artikel im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen“ dargelegt. Thorsten Wiedau gehörte zu den Top-Rezensenten bei Amazon, ist aber ausgestiegen, weil er das System der Online-Kritik für unmoralisch hält. Um Top-Kritiker zu werden müsse man vor allem eines tun, fünf Sterne vergeben, erklärt Wiedau, denn die Amazon-Kunden wollten keine ausgewogenen Rezensionen lesen, wenn es um Bücher gehe. Dagegen: „In Rezensionen über Staubsauger möchten die Leute etwas über die Stärken und Schwächen des Produkts erfahren und bewerten auch kritische Rezensionen als hilfreich“, sagt Wiedau.

Und was jetzt?

Der beste Kritiker ist der Kunde, der zufrieden über die Wahl eines Buches ist, denn er wird mit qualifiziertem Lob nicht „hinter dem Berge“ halten.

Bei der Wahl eines Buches wird ein aussagefähiger „Klappentext“ vermutlich gute Hilfestellung geben, denn der potentielle Leser erhält aus erster Hand vom Autor erläutert, was ihn, den Leser, erwartet. Auf die sorgfältige Formulierung des Klappentextes ist daher ein besonderes Augenmerk zu richten, um die Käufer anzusprechen. Dieser Text kann übrigens auch zur „Produktbeschreibung“ bei Amazon verwendet werden.

Und der „Blick ins Buch“ beim Online-Händler oder im Buchladen dürfte am überzeugensten wirken, denn er eröffnet den ungefilterten Einblick in das Werk. Dagegen sind alle Rezensionen nur zweite Wahl.

Dieser Rat, damit sind wir wieder beim Anfang dieses Beitrags, wird „privatissime et gratis“ erteilt.

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