Spubbles: Self-Publishing als Gegenstand der Wissenschaft

Wie können Self-Publisher ihren Text in eine gut lesbare Form bringen? Welche Kriterien sind bei der Covergestaltung zu beachten? Welche Rolle spielt Self-Publishing im wissenschaftlichen Bereich? Mit derlei Fragen befassten sich ein ganzes Semester lang 26 Studierende des Bachelor-Studiengangs „Buchwissenschaft“ an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Self-Publisher Michael Meisheit

In medias res: Self-Publisher Michael Meisheit zu Gast bei den Buchwissenschafts-Studenten an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Das mag im ersten Moment nach reichlich staubtrockener Theorie klingen – doch für (angehende) Self-Publisher und jene, die sich immer wieder gern selbstkritisch mit dem eigenen Wirken als Autor auseinandersetzen, sind so manche der Ergebnisse der Studenten lesenswert. Zurückzuführen ist das auf den praxisorientierten Ansatz der Studenten, die mit dem e-Book „Midori – Trug und Schein“ sogar einen eigenen Self-Publishing-Titel auf den Markt brachten und dabei feststellen mussten, wie herausfordernd es ist, trotz Werbemaßnahmen via Facebook, Leseempfehlungen und Blogs den Verkauf anzukurbeln. So stellten die Studenten fest, „dass nicht alles im Self-Publishing Bereich so schön und einfach ist, wie man gehört hatte“, wie es Tutorin und Kurs-Teilnehmern Nina Rubach im Interview mit tredition auf den Punkt brachte. Was, beispielsweise, macht einen Text wirklich lesefreundlich? Dazu erarbeiteten die Studenten eine Reihe von Erfolgsfaktoren bzw. Orientierungswerte, die sie in einem das Lehrprojekt begleitenden Blog darstellen. Hilfreich für alle Autoren, die vor der Publikation ihres ersten Buches stehen! Dasselbe gilt für die im Blog festgehaltenen Gestaltungskriterien für Buchcover. Schade allerdings, dass eine Frage im Rahmen des Lehrprojektes nicht näher betrachtet wurde: „Achten Leser von Self-Publising-Publikationen eigentlich mehr oder weniger auf das Cover als Leser, die gedruckte Verlagsexemplare bevorzugen?“. Eine Faustregel mag es hier vielleicht nicht geben. Wir bei tredition sind allerdings davon überzeugt, dass die Leseransprüche bei wachsender Anzahl von Self-Publishing-Titeln steigen werden. Ein originelles, außergewöhnliches Cover wird im Self-Publishing womöglich sogar mehr wertgeschätzt, ist dem Leser doch bewusst, dass kein großes Verlagshaus mit entsprechendem Grafikteam dahintersteht.

Insbesondere für Autoren aus Fachbuch und Wissenschaft ist ein Hinweis der Studenten von Bedeutung, der die im Netz verbreiteten Leseproben von Self-Publishing-Titeln betrifft. Mehr noch als bei Romanen kommt es darauf an, einen Textabschnitt für die Leseprobe auszuwählen, der eine klare Übersicht zu den Inhalten der Publikation vermittelt. Ohne ein in der Leseprobe dargestelltes Inhaltsverzeichnis kann sich der wissbegierige Leser kaum einen Eindruck davon verschaffen, ob das Werk seinem Informationsbedarf entspricht. Freilich sind hier auch die Onlinehändler in die Pflicht zu nehmen, deren ausgewählte Leseproben nicht in jedem Fall zielführend sind.

Im folgenden Interview steht Nina Rubach Rede und Antwort zum Lehrprojekt spubbles, dessen Ergebnisse übrigens auch auf der Leipziger Buchmesse (12.-15-3.) präsentiert werden.

tredition: Wie entstand die Idee für das Lehrprojekt und wie kam der Name spubbles zustande?

Nina Rubach

Nina Rubach

Nina Rubach: Die Idee zu unserem Lehrprojekt spubbles kam zu Beginn des Sommersemesters 2014 auf. Einige Studierende wünschten sich mehr Freiheiten innerhalb des Bachelorsystems und haben angeregt praxisorientierter und in Eigenregie zu Arbeiten.

Jun. Prof. Dr. David Oels nahm sich diesen Wünschen an und begann mit den späteren TutorInnen mit einem Umbau des Moduls „Buch im Medienkontext“, das normalerweise aus zwei getrennten Veranstaltungen besteht.

Das Oberthema Self-Publishing war schnell gefunden, besonders die Aktualität und auch unser eher geringes Vorwissen machte Self-Publishing so spannend für uns. Und auch die Form der Kleingruppenarbeit begeisterte von Beginn an.

Der Name spubbles ist ein Akronym für „Self-Publishing Blog Experiment Studies“. Spubbles vereinigte alles, was wir im Rahmen des Lehrprojekt anstrebten – Self-Publishing als Oberthema, ein begleitender Blog zum Verzeichnis unserer Lernerfolge und Experiment Studies als Ausdruck der neuen Form des selbstständigen Arbeitens der Studierenden. Außerdem war der „Begriff“ noch nicht anderweitig in Verwendung.

tredition: Wie viele Studenten haben an den Kursen teilgenommen?

Nina Rubach: Insgesamt nahmen an dem Kurs 26 Studierende teil. Die einzelnen Gruppen hatten dabei zwischen drei und fünf TeilnehmerInnen, einschließlich der TutorInnen.

tredition: Einzelne Themenbereiche des Self-Publishing sind in verschiedenen Projektgruppen bearbeitet worden. Könnten Sie einige Kernresultate aus den Projektgruppen darlegen?

Nina Rubach: Als Tutorin der Gruppe Self-Publishing Experiment kann ich vor allem für unsere Gruppe sprechen. Wir sind in die Rolle eines Self-Publishers geschlüpft und haben alle anfallenden Aufgaben selbst übernommen. Dadurch haben wir viel über die verschiedensten Bereiche wie Lektorat, Satz und Marketing, Mechanismen, Möglichkeiten aber auch Schwierigkeiten des Self-Publishings gelernt und können festhalten, dass reine Algorithmen und Verkaufszahlen lange nicht ausreichen, um erfolgreich zu sein – was man wirklich braucht sind Fans und Leser.

Zwei der Gruppen widmeten sich dem Thema Autorschaft und stellten eindrucksvoll die Weiterentwicklung dieses Begriffs dar und bezogen ihn konkret auf Self-Publishing. Das löste viele Diskussionen zu Themen wie Selbst-Inszenierung, Qualitätssicherung und Verlag vs. Self-Publishing aus.

Durch die Gruppen Fanfiction und Self-Publishing und Wissenschaft wurden Bereiche des Self-Publishings beleuchtet, die häufig unter den Tisch fallen. Dass eine kritische Auseinandersetzung auch hier notwendig ist, zeigten beide Gruppen in ihren Ausarbeitungen. So haben wir uns beispielsweise auch mit den rechtlichen Grundlagen beschäftigt oder Modelle wie Open Access näher beleuchtet. All unsere Ergebnisse gibt es ausführlich auf unserem Blog zum Nachlesen.

tredition: Wie sind die teilnehmenden Studenten generell gegenüber Self-Publishing eingestellt? Sind einige unter ihnen selbst Self-Publisher?

Nina Rubach: Self-Publishing war den meisten von uns ein Begriff, doch wirklich tief war noch niemand in das Gebiet eingedrungen. Wir stellten fest, dass es nur vereinzelt Studierende unter uns gab, die überhaupt schon mal ein Buch eines Self-Publishers gekauft oder gelesen hatten. Eine/n Self-PublisherIn gab es unter uns nicht – oder zumindest hat er/sie sich nicht geoutet. Das war ziemlich erstaunlich, denn wir interessierten uns alle sehr für das „neue“ Phänomen, das die Buchbranche derzeit so umtreibt.

Generell gingen wir eher kritisch mit dem Thema Self-Publishing um, das lag aber zu einem Großteil daran, dass wir wissenschaftlich und forschungsorientiert arbeiteten und versuchten eine objektive Einstellung zu wahren. Hitzige Diskussionen über Pros und Contras gab es dennoch.

Das Projekt führte auch dazu, dass sich neue Meinungen über Self-Publishing bildeten und einige, die vorher wenig davon hielten nun das ein oder andere Self-Publishing Buch zur Hand nehmen werden. Es musste jedoch auch festgestellt werden, dass nicht alles im Self-Publishing Bereich so schön und einfach ist, wie man gehört hatte. So wandelten sich die Meinungen und schlussendlich haben die Gruppen differenzierte Urteile gefällt und auf dem Blog dargestellt.

tredition: Während des Semesters empfingen Sie auch einige externe Gäste in den Seminaren, z.B. Autoren und Marketingexperten. Welche Erkenntnisse brachten diese „Expertengespräche“?

Nina Rubach: Die Arbeit mit unseren externen Gästen war für uns Studierende sehr spannend. Wir konnten Einblicke in verschiedene Berufsfelder erlangen und unser Wissen auf dem Gebiet des Self-Publishing weiter ausbauen.

Die große Bandbreite, die unsere Gäste abdeckten, ermöglichte uns theoretische und praktische Einblicke in die Tiefen des Self-Publishing. Wir kamen durch die gemeinsamen Sitzungen in direkten Kontakt und konnten Fragen stellen und diskutieren. Dabei wurden auch Themen angestoßen, über die wir noch nicht viel wussten oder die wir schlichtweg vergessen hatten. Dazu gehörten beispielsweise die vielen verschiedenen Teilaspekte der Covergestaltung, Vor- und Nachteile unterschiedlicher Self-Publishing Dienstleister und Plattformen aber auch Spezielleres, wie die Frage nach dem Zusammenhang von Universitätsbibliotheken und Self-Publishing.

Als Ergebnis dieser Gastauftritte lässt sich festhalten, dass sie uns das Self-Publishing in seinen vielen Facetten näher brachten und zur kritischen Auseinandersetzung mit den Systemen der Buchbranche anregten.

tredition: Wie geht es nun weiter? Wird das Lehrprojekt fortgeführt bzw. werden Ergebnisse gesammelt publiziert o.ä.?

Nina Rubach: Zunächst stellen wir unser Projekt auf der Leipziger Buchmesse vor. Am Donnerstag, den 12. März, um 17 Uhr am Stand der Mainzer Buchwissenschaft Nr. C510 in Halle 5. Wir freuen uns über zahlreiche Besucher und werden dort unsere Ergebnisse und Lernerfolge präsentieren und den Mehrwert dieses innovativen Projekts sowohl für Studierende als auch für das universitäre System erläutern.

Der Blog diente uns als Sammlung und Archivierung unserer Ergebnisse. Und soll auch weitergeführt werden. In den kommenden Wochen werde die einzelnen Gruppen ihr Gesamtergebnis darstellen und ein Fazit ihres Self-Publishing-Schwerpunkts ziehen. Danach wird der Blog etwas umgestaltet – wie genau, steht noch nicht fest, Self-Publishing wird aber weiterhin im Fokus stehen.

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