Stiftung Buchkunst und Self-Publishing

Auch im Jahr 2014 werden die 25 „Schönsten deutschen Bücher“ ausgewählt, die vorbildlich sind in Gestaltung, Konzeption und Verarbeitung. Eine „zweistufige Expertenjury“, was auch immer das sein mag, wählt gerade jetzt die Sieger dieses Jahres aus. Spannend bleibt die Antwort auf die Frage, ob in den nächsten Jahrzehnten auch einmal ein Self-Publishing-Buch zumindest in der Shortlist der knapp ausgeschiedenen Bücher sein wird. Zu den Siegern dürfte ein Self-Publishing-Titel wohl nie gehören, denn den hohen Anforderungen für eine Auswahl, wie sie in den Begründungen für die Sieger des Jahres 2013 zum Ausdruck kommen, werden Self-Publishing-Titel kaum genügen. Oder?

Bizarre Begründungen

„Das Einbandgewebe, Kapital- und Zeichenband furchtlos Ton in Ton in Pink, die jugendstiligen Versalien der Überschriften, (…) der Text gesetzt aus der jungen Variante einer klassischen Antiqua in einem Satzspiegel mit üppig bemessenen Stegen – dies alles schafft sich die Gestalterin als angenehmes Lesemilieu“, so wird jugendstilig furchtlos in üppig bemessenem klassischen Pink das Buch „In einer deutschen Pension“ von Katherine Mansfield angepriesen.

„Das Buch bezaubert durch die liebenswürdig stilisierten Figuren, die Kompositionen und die Spannung durch Kontraste – groß/klein, Fläche/Struktur, Pflanze/Tier. Der größte Kontrast aber ist der entscheidende: nämlich derjenige zwischen dem ganzen visuellen Mattigkeitsduktus des Büchleins und dem knalligen, Schrillen, Glänzenden, Reißerischen, Gekünstelten unserer täglichen Umwelt, die wir uns ja schließlich selbst erschaffen. Das Lehrstück dieser erdigen Zimelie ist es, dass wir unsere ästhetischen Präferenzen als Konditionierungen erkennen“, ja, mit solchen gewaltigen Sätzen wird das zurückhaltende Kinderbuch für Kinder ab drei Jahren „Mein kleiner Wald“ von Katrin Wiehle charakterisiert.

Noch ein Beispiel? „Die wissenschaftliche Neugier, das ästhetische Bedürfnis und die Gierde nach Visionen werden angereichert. Man sieht, schaut, staunt, fragt, begreift – schlägt sich zunächst immer noch durch die drei so unterschiedlichen Kapitel, die so klar durch das gestanzte Kopfregister getrennt sind, dass es klarer nicht geht“, ist die arg angereicherte Vision, die uns über das Buch „Barents Lessons“ von Harry Gugger u.a. staunen und fragen, aber kaum begreifen lässt.

Self-Publishing-Gestaltung

Der Gestaltung eines Buches kommt sicherlich eine besondere Bedeutung zu, denn der potentielle Leser soll „verführt“ werden, gerade zu diesem bestimmten Buch zu greifen. Daher ist beispielsweise auf Format, Satzspiegel, Schriftart und -größe ein besonderes Augenmerk zu richten.

Die Stapel lieblos gestalteter Bücher auf den Massentischen der Großbuchhandlungen zeigen allerdings, dass die Kunst der Buchgestaltung in breiten Bereichen der Buchindustrie bereits ausgestorben ist. Daher ist eine Veranstaltung wie die Prämierung gelungen konzipierter Bücher lobenswert.

Schade ist es, dass die unzähligen gelungenen Bücher von Self-Publishern, die sich in ihrer mit viel Sorgfalt und Können gestalteten Form sehr häufig bemerkenswert von der Buch-Massenindustrie abheben, keine Aufmerksamkeit der etablierten Szene erhalten.

Aber es kann ja noch werden.

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