Literatur-Experten im Porträt: Angelika Fleckenstein

Zeit für eine neue redaktionelle Serie im tredition-Blog! Künftig möchten wir Ihnen, liebe Autorinnen und Autoren, ausgewählte Lektoren, Illustratoren und Übersetzer vorstellen, die zum Experten-Netzwerk von tredition gehören. Self-Publishing ist ein Veröffentlichungsweg, den immer mehr Autoren einschlagen – damit einher geht auch ein wachsender Anspruch an die Professionalität des eigenen Werks. Unsere neue Serie zeigt, welche Leistungen Literatur-Experten bieten und wie Autoren davon profitieren.

Literatur-Experten im Porträt

Lektorin Angelika Fleckenstein (l.) mit tredition-Autorin Elisabeth Kott auf der Frankfurter Buchmesse

tredition: Liebe Frau Fleckenstein, können Sie ganz spontan sagen, wie viele Bücher Sie bisher lektoriert haben?

Angelika Fleckenstein: Exakt 70 Bücher.

tredition: In welcher Form können Autoren Ihnen ihr Manuskript zur Verfügung stellen und was müssen sie dabei beachten?

Angelika Fleckenstein: Am besten schicken mir Autoren ihre Manuskript-Datei zu, am idealerweise als unformatierte Word-Datei auf DIN-Normseite für Manuskripte (also 30 Zeilen mit durchschnittlich 60 Zeichen, 1 ½ zeilig); alternativ benötige ich die Anzahl der Zeichen brutto, also inklusive Leerschritte, um den grundsätzlichen Arbeitsaufwand abschätzen zu können. Darüber hinaus habe ich gern ein 1-2 seitiges Exposé und eine ca. 30-seitige Leseprobe, um mir ein Bild über Inhalt, Rechtschreibung, Interpunktion, Syntax etc. zu machen.

Außerdem möchte ich wissen, ob es sich um reinen Fließtext handelt oder ob Bilder/Grafiken eingefügt werden bzw. ob es im Laufe der Zusammenarbeit noch dazu kommen könnte, dass Bilder eingefügt werden sollen. Hat der Autor schon einen Buchumschlag? Hat er eine Idee dafür? Verfügt er über einen Account? Braucht er Hilfe dabei?

tredition: Wie nehmen Sie Autoren die Sorge, dass ihr Text durch eine „externe“ Bearbeitung verfremdet werden könnte?

Angelika Fleckenstein (schmunzelt): Ich scheine sehr überzeugend mit meiner Aussage zu sein, dass ich den kreativen persönlichen Stil des Autors stets respektiere und weitestgehend berücksichtige. Sehr starke Eingriffe im Manuskript kläre ich stets im direkten Dialog mit dem Autor oder durch mehrere konstruktive Vorschläge zur Änderung in der Kommentarspalte der Arbeitskopie.

tredition: Kann sich ein Autor eigentlich auch mit einer bloßen Themenidee und lediglich Textbausteinen an Sie wenden?

Angelika Fleckenstein: Gerne würde ich einmal einen Autor bei einem nur grob skizzierten Projekt begleiten – vorausgesetzt, es läuft nicht auf ein Ghostwriting hinaus.

tredition: Wie müssen sich Autoren eine Zusammenarbeit vorstellen? Gibt es regelmäßigen Kontakt oder erst in der finalen Phase?

Angelika Fleckenstein: Das ist von Projekt zu Projekt – also vor allem von Autor zu Autor – ganz unterschiedlich. Ich richte mich nach den Wünschen des Autors. In der Regel besprechen wir die einzelnen Arbeitsschritte und -abschnitte und setzen uns nach Beendigung des entsprechenden Abschnittes telefonisch oder per Mail in Verbindung.

tredition: Wie lange dauert es im Schnitt, bis ein Auftrag für einen Autoren abgeschlossen ist?

Angelika Fleckenstein: Das variiert zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten und hängt vom Umfang des Auftrages (Komplexität des Themas, Seitenumfang, aufwändigere Satzarbeiten durch Bilder / Grafiken usw.) ab.

tredition: Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die größten Hürden und Herausforderungen für Autoren?

Angelika Fleckenstein: Eindeutig im Bereich des Spannungsaufbaus, wenn es um ein belletristisches Werk geht. Gleich dahinter folgt der berühmte „Rote Faden“.

tredition: Welche Tipps geben Sie Autoren für das Schreiben an die Hand?

Angelika Fleckenstein: Wichtig ist, sich über den Inhalt einer Story im Klaren zu sein und Personen und Schauplätze so anschaulich zu beschreiben, dass der Leser sich „mittendrin“ fühlt und die Akteure lebhaft vor Augen hat. Erst alles ziemlich detailliert zusammentragen und nach Festlegen des „Roten Fadens“ mit dem Schreiben beginnen. Das eigentliche Schreiben ist dann oft die wenigste Arbeit. Danach sollte ein Werk „köcheln“, d.h. eine Weile in der Schublade schlummern, bevor es wieder und wieder gefeilt wird. Je besser diese Vorarbeit, umso weniger Arbeit (und Kosten) verursacht ein Manuskript im Lektorat.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.