Lektoren im Porträt: Erik Kinting

Erik KintingHaben Sie Angst vor professioneller Textarbeit? Davor, ihr Manuskript einmal so richtig „durch die Mangel zu nehmen“, um es inhaltlich, konzeptionell und stilistisch in Topform zu bringen? Für viele Debütautoren ist dies exakt der Knackpunkt. Nach Monaten oder gar Jahren des Schreibens ist die Distanz zum eigenen Text naturgemäß gering. Gleichzeitig wird es angesichts steigender Titelzahlen immer wichtiger, im Wettbewerb um die Lesergunst mit Professionalität zu punkten. Immer mehr Self-Publisher investieren daher in Lektorats-Dienstleistungen.

Wir freuen uns, heute Erik Kinting als Gast begrüßen zu dürfen! Der freie Lektor stand bereits zahlreichen Autoren von tredition mit Rat und Tat bei der Buchveröffentlichung zur Seite. Im Interview erzählt er, wie sich Objektivität zum eigenen Text herstellen lässt und weshalb es so wichtig ist, als Autor nicht zu viel zu zögern und zu zaudern. Eine frohe Lektüre!

tredition: Lieber Herr Kinting, Sie sind seit knapp 20 Jahren als Lektor tätig. Wie vielen Autoren haben Sie in dieser Zeit zur Veröffentlichung eines Buches verholfen?
Erik Kinting: Alles in allem um die 1.000, aber darunter fallen natürlich auch reine Veröffentlichungen ohne vorheriges Lektorat sowie ‚Mehrfachtäter‘ – für einige Autoren habe ich ganze Buchreihen mit bis zu zehn Titeln lektoriert und veröffentlicht.

tredition: Ihr Dienstleistungsspektrum reicht vom Korrektorat über Lektorat und Textlayout bis zur Umschlaggestaltung. Welche dieser Dienstleistungen nehmen Autoren am häufigsten in Anspruch?
Erik Kinting: Das hält sich erstaunlicherweise die Waage. Etwa die Hälfte meiner Autoren möchte nur Hilfe bei der Veröffentlichung, dazu zählen unter anderem der Buchsatz für Druckversionen und die Umschlaggestaltung. Dadurch bleibt mein Job ausgewogen und abwechslungsreich.

tredition: Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die größten Herausforderungen für Autoren? Und wie haben diese sich über die vergangenen 10 bis 15 Jahre verändert?
Erik Kinting: So groß sind die Herausforderungen im Zeitalter des Selfpublishings nicht mehr. Die Verlagssuche entfällt genauso wie der anschließende Kampf um das Mitspracherecht beim Lektorat. Heutzutage ist der Autor von A-Z Herr über sein Werk und die größte Herausforderung beschränkt sich eigentlich auf das Marketing – für alles andere gibt es Dienstleister wie die freien Lektoren, Illustratoren etc. und auch fürs Marketing gibt es inzwischen Hilfe, auch wenn dieses Marktsegment noch in den Kinderschuhen steckt und Autoren das am besten selbst in die Hand nehmen sollten.

tredition: Den eigenen Text zu kürzen, fällt Autoren oft schwer, da es ja um ihr lange gehegtes und gepflegtes Werk geht. Wie argumentieren Sie in so einem Fall?
Erik Kinting: Ich versuche den Autoren die Sichtweise des Lesers zu vermitteln. Das Problem ist ja die fehlende Objektivität dem eigenen Text gegenüber, das kann man erklären. In den wenigen Fällen, in denen das nicht gelingt, formuliere ich die betreffende Passage um. Oft fällt dann der Groschen, weil besagte Objektivität dem neuen ‚fremden‘ Text gegenüber wieder zum Vorschein kommt. In den ganz seltenen Fällen, in denen das nicht funktioniert, setzt sich der Autor mit seinem Wunsch eben durch – ich bin ja nur ein Berater, letztlich entscheidet der Autor.

tredition: Können Sie sich an eine besonders knifflige Angelegenheit im Laufe Ihrer beruflichen Tätigkeit erinnern? (z. B. ein Buch, das unter hohem Zeitdruck fertig werden musste, ein kompliziertes Thema, eine technische Hürde etc.)?
Erik Kinting: Eine? Wo soll ich anfangen … früher, als E-Mail-Anhänge nur winzig sein durften, hatte ich bei einem Verlag eine Autorin, die in Costa Rica lebte. Für die Buchvorstellung war ein Fernsehauftritt ergattert worden, das Buch sollte am darauffolgenden Tag im Handel sein, die Termine waren sehr knapp. Das Hin- und Herschicken der Korrekturen ging noch, dann kamen die Bilder hinzu und der Buchsatz wurde erstellt. Die Druckerei stand bereits in den Startlöchern. Nun erwies es sich als absolut unmöglich die fertigen PDF-Dateien für Umschlag und Innenteil zur letzten Prüfung durch die Autorin per E-Mail zu verschicken – zu groß, auch in Teilen. Aber im Vertrag stand, dass die Autorin den Satz vor Drucklegung noch zu sehen kriegt. Ich musste also den Webspace beim Hoster der Verlagshomepage aufräumen (damals gab es da nur 10 Mb), denn da war nicht mehr genug Platz. Letztlich habe ich die halbe Homepage gelöscht, um die PDF-Datei zum Download bereitstellen zu können. Dann haben wir gewartet, dass die Autorin uns mitteilt, dass der Download fertig war – so lange war die Homepage offline. Tja … wie das nun mal so ist, hat das mehr als einen Tag gedauert und es gab dann auch noch Änderungen, sodass alles noch mal geschickt werden musste … ich habe mir danach Urlaub genommen.

tredition: Wie sollten Autoren vorgehen, wenn Sie Ihre Dienste in Anspruch nehmen möchten?
Erik Kinting: Je nachdem, was dem Einzelnen lieber ist. Manche möchten zuerst telefonieren, andere klären die wichtigsten Punkte vorab per E-Mail und telefonieren dann wegen der Details … mir ist alles recht. Ich habe komplette Buchprojekte ausschließlich über E-Mail-Kommunikation abgewickelt, andere nur per Telefon und einige Autoren kommen auch vorbei. Aber am besten ist es natürlich immer, wenn ich zuerst das Manuskript und die Wünsche des Autors bekomme, dann kann man im Telefonat gleich konkret zur Sache gehen.

tredition: Welche Genres sind beim Lektorieren am spannendsten für Sie d. h. welche bevorzugen Sie bei Ihrer Arbeit?
Erik Kinting: Na ja, eigentlich sollte man meinen, dass es sich dabei um Fantasy-Romane und Krimis handelt, tatsächlich sind aber viele Autobiografien genauso spannend, insbesondere weil man ja weiß, dass es keine Fiktion ist. Gerade bei den schier unfassbaren Begebenheiten fragt man sich nicht, was der Autor sich da hat einfallen lassen und daher geht es viel mehr unter die Haut.

tredition: Welche Tipps würden Sie Autoren für die Buchveröffentlichung an die Hand geben?
Erik Kinting: Außer meine Dienste in Anspruch zu nehmen? (lacht) Na ja … trauen Sie sich einfach. Schrauben Sie Ihre Erwartungen zunächst nicht allzu hoch und wagen Sie den Schritt. Nachdem Sie Ihr Manuskript fertiggestellt haben finden Sie sowieso keinen Schlaf mehr, bis Sie den Weg nicht zu Ende gegangen sind, also warum warten? Andererseits sollten Sie natürlich auch nichts übereilen. Informieren Sie sich gründlich, überlegen Sie wie und was Sie veröffentlichen wollen und bereiten Sie es dann soweit vor, wie Sie können. Für alles was dann noch offen ist, holen Sie sich professionelle Hilfe. Grundsätzlich kann man sich ab dem Moment, da das letzte Wort geschrieben ist, alles andere abnehmen lassen, man muss also weder den Papierkrieg noch die Technik fürchten. Mich auch nicht, ich bin ganz nett. So einer mit Katze auf dem Schreibtisch.

Wenn Sie Erik Kinting kontaktieren möchten, können Sie das über unser Experten-Netzwerk tun! Ausführliche Informationen gibt es außerdem auf seiner Webseite buchlektorat.net.

1 Antwort
  1. Albert Warnecke says:

    Herr Kinting hat mein Buch „Der Finanzwesir – Alles, was Sie über Vermögensaufbau wirklich wissen müssen“ ganz hervorragend begleitet. Er hat es nicht nur lektoriert, sondern mich auch bei der Wahl des Verlags kompetent beraten und dann mein Buch zusammen mit dem Tream von Tredition veröffentlicht. Also weit mehr, als man im Allgemeinen von einem Lektor erwartet.

    Seine Aussage aus dem Interview: „Grundsätzlich kann man sich ab dem Moment, da das letzte Wort geschrieben ist, alles andere abnehmen lassen,…“
    kann ich voll unterschreiben. So war es bei mir.

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