Daniel Lenz über den neuen Indie-Katalog von buchreport: „Die Entscheider im Buchhandel erreichen“

Ein Roman mit starkem regionalem Bezug, hohem Aktualtätswert oder ein Sachbuch verfasst von einem regional bekannten Autor – bessere Verkaufsargumente kann es für eine Buchhandlung kaum geben. Self-Publishing-Titel erfüllen allzu oft diese Merkmale und bieten dem Buchhandel deshalb nicht nur zusätzliche Verkaufschancen, sondern bereichern auch das Sortiment. Bei stetig steigender Zahl an Self-Publishing-Novitäten wird es für den Buchhandel allerdings immer wichtiger, umfassende Titelverzeichnisse und Recherchemöglichkeiten zur Verfügung zu haben – natürlich auch im Interesse der Self-Publishing-Autoren. Vielversprechend ist hierbei der neue Indie-Katalog des Branchenfachmagazins „buchreport„, mit dem eine Brücke zwischen Self-Publishing-Autoren und Buchhandel geschlagen werden soll.

Die Planung: Der in der Branche etablierte „Novitätenkatalog“ des buchreport, in dem zwei Mal jährlich aktuelle Neuerscheinungen präsentiert werden, öffnet sich ab sofort sukzessive auch dem Segment des Self-Publishing. Für Autoren ist dies nicht nur aus verkäuferischer Sicht interessant, sondern auch im Hinblick auf den Kontakt zu Agenten und Verlagen. Daniel Lenz, Leiter Produktentwicklung und Stellvertretender Chefredakteur des buchreport, erklärt im Interview mit tredition, was sich genau hinter dem „Indie-Katalog“ verbirgt und welche Chancen damit für Self-Pubilsher verbunden sind. Übrigens:Wir bei  tredition freuen uns sehr darüber, dass auch einige unserer Autoren im neuen Indie-Katalog Erwähnung finden werden, der im Juli 2015 erscheint. Man darf gespannt sein!

Daniel Lenz, buchreport

In seiner Funktion als Leiter der Produktentwicklung bei buchreport hat Daniel Lenz auch die Federführung für den neuen Indie-Katalog.

tredition: Seit wann gibt es eigentlich den sogenannten Novitätenkatalog des buchreport und wie viele Empfänger im Buchhandel erreicht er?
Daniel Lenz: Der Novitätenkatalog wird bereits seit 2008 von uns publiziert. Zwei Mal im Jahr geben wir einen Überblick über wichtige Neuerscheinungen. Der Katalog erscheint als Beilage des buchreport.magazins, das eine Auflage von 4.300 Exemplaren hat. Mit der neuen Ausgabe werden wir aber außerdem eine kostenlose digitale Version anbieten, wodurch die Verbreitung noch einmal deutlich ausgeweitet wird. Schließlich gibt es unter http://buchreport.evorschau.de auch  eine Onlinefassung des Katalogs als Datenbank.

tredition: Erstmals werden dieses Jahr Neuerscheinungen von Self-Publishern mit aufgenommen. Was gab den Anlass für diese Neuerung?
Daniel Lenz: Wir haben den Novitätenkatalog in den vergangenen Jahren bereits immer stärker auf Independent-Verlage hin ausgerichtet, die oft geringe Chancen haben, mit ihren Titeln in den stationären Buchhandel zu gelangen. Der Katalog bietet ihnen vor diesem Hintergrund eine Bühne, um die wichtigsten Titel zu präsentieren. Doch inzwischen sind nicht nur die kleinen Verlage die Indies, sondern auch die unabhängigen Autoren, eben die Selfpublisher (die in den USA auch immer „Indies“ genannt werden), die eine ähnliche Ausgangssituation haben: Sie finden oft kein Gehör im Buchhandel. Und genau dort, an der Schnittstelle zwischen Selfpublishern und Buchhandel, sehen wir unsere Funktion. Wir möchten dem Buchhandel zeigen, dass es inzwischen unter den Selfpublishern sehr viele interessante Titel gibt. Konsequenterweise haben wir den Novitätenkatalog umbenannt in „Indie-Katalog“.

„Agenten, Verlage und Journalisten gehören ebenso zu den Nutzern des Katalogs.“

tredition: Welche Chancen sind damit für Self-Publisher verbunden?
Daniel Lenz: Self-Publisher, deren Titel im Indie-Katalog präsentiert werden, erreichen einerseits die Entscheider im Buchhandel, die mit dem Katalog direkt die Titel bestellen können. Darüber hinaus erreichen wir aber auch andere Multiplikatoren. Agenten, Verlage und Journalisten gehören ebenso zu den Nutzern des Katalogs.  In den USA haben unsere Kollegen von „Publishers Weekly“ bereits vor Jahren Self-Publishern ein ähnliches Angebot gemacht. Dort heißt der Katalog „PW Select“ und wird ebenfalls von den wichtigsten Multiplikatoren gelesen. Mit dieser Bühne sind sogar Self-Publisher-Titel  schon an Filmproduktionsfirbuchreport Indie-Katalogmen vermittelt worden.

tredition: Der Novitätenkatalog wird auch einen redaktionellen Part haben. Welche welche Themen kommen darin zur Sprache?
Daniel Lenz: Der erste Indie-Katalog ist ein erster Aufschlag. Darin präsentieren wir einen Schwerpunkt zum Thema Self-Publishing. Ab dem zweiten Katalog sollen die Indie-Themen noch weiter ausgeweitet werden. Derzeit planen wir mit drei bis vier Artikeln für den ersten Katalog. Thematisch geht es um Autoren (auch von tredition), die erfolgreich mit Buchhändlern kooperieren. Außerdem um Self-Publisher, die von Verlagen entdeckt und so zu Hybridautoren wurden. Im Schwerpunkt enthalten sind auch Rezensionen von Self-Publishing-Titeln, die von der buchreport-Redaktion selbst erstellt werden.

„Jedem Markt tut Vielfalt gut.“

tredition: Der buchreport selbst berichtet in zunehmendem Maße über Self-Publishing-Themen. Was waren für Sie bei der redaktionellen Arbeit die wichtigsten Erkenntnisse in diesem Jahr?
Daniel Lenz: Self-Publishing ist längst zur Selbstverständlichkeit in der Branche geworden. Verlage halten gezielt Ausschau nach interessanten Autoren und Titeln, um diese ins eigene Programm zu nehmen. Der Dialog zum Buchhandel ist noch kaum ausgeprägt, daran arbeiten wir. Was in diesem Jahr auffällt, ist einerseits die zunehmende Professionalisierung der Self-Publisher, die sich beim Lektorat und der Vermarktung häufig professionelle Hilfe holen. Zum anderen könnte der Markt durch den Einstieg von Tolino noch einmal eine neue Dynamik erfahren. Jedem Markt tut Vielfalt gut, insofern freuen wir uns über diesen Schritt.

tredition: Wie wird Self-Publishing ihrer Meinung nach inzwischen von Verlagen und Buchhandel wahrgenommen und beurteilt?
Daniel Lenz: Spätestens seit dem Erfolg von „Fifty Shades“ wird Self-Publishing von den Verlagen ernst genommen. Besonders die größeren Häuser locken gezielt Self-Publisher, um neue Imprints zu starten. Im Buchhandel fehlt es noch an einer ähnlich stark ausgeprägten Offenheit, aber ich bin optimistisch, dass es gelingen wird, dies zu ändern. Umfragen haben zumindest gezeigt, dass Buchhändler besonders bei regionalen Titeln daran interessiert sind, Self-Publishing-Bücher ins Sortiment zu nehmen.

Alle wichtigen Informationen zum Indie-Katalog von buchreport finden Sie, liebe Autorinnen und Autoren, direkt bei buchreport online.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *