BuzzNews – der Buchtipp Blog: Gründer Alex Janke im Interview

Alex Janke

Die Mission von Alex Janke: Menschen gute Bücher empfehlen, die faszinieren und einen unmittelbaren Bildungseffekt haben

Der Blog BuzzNews ist erst wenige Monate alt – Gründer Alex Janke sprudelt gleichwohl voller Ideen, Leser auf Bücher und spannende Themen aufmerksam zu machen. Im Interview mit tredition erläutert Janke, was BuzzNews auszeichnet und wie Self-Publisher vorgehen sollten, um sein Interesse an ihren Büchern zu wecken.

tredition: Lieber Herr Janke, seit wann betreiben Sie Ihren Blog BuzzNews und wie kam es dazu?

Alex Janke: Als Buchtipp-Blog betreibe ich BuzzNews seit dem Frühjahr/Sommer 2015. Ich wollte, ganz banal aus Neugier und Spaß, „was im Internet machen“ und habe erstaunlich lange gebraucht, bis ich auf den Themenkomplex Buchtipps/Lebensthemen /Inspiration/Philosophie gestoßen bin.

Erstaunlich deshalb, weil es eigentlich hätte klar sein können: Ich lese seit meinem 16. Lebensjahr praktisch täglich Bücher, mindestens eine Stunde, eher zwei. Nahezu ausschließlich, um das Leben zu reflektieren, Informationen zu erhalten, mich weiterzubilden, bequeme Selbstverständnisse zu pflegen oder zu stören und gute Sprache zu genießen. Das gilt sowohl für Sachbücher als auch für Belletristik.

Seit Ende August hat BuzzNews übrigens einen Booktube auf Youtube, wo ich mich mit dem guten Mut eines leidenschaftlichen Dilettanten vor die Kamera stelle, Buchtipps gebe und auch sonst was hoffentlich Interessantes erzähle. Ich wollte Bücher und philosophische Inspirationen ein bisschen marktschreierischer präsentieren, zugespitzter, impulsiver, eindringlicher, weil sie mir wirklich viel bedeuten.

Und auch hier frage ich mich: Warum mache ich das erst jetzt? Wenn etwas zu nahe liegt, kann man es nicht richtig sehen.

Ein Blog mit besonderem Anspruch

tredition: Was zeichnet BuzzNews gegenüber anderen Buchblogs aus?

Alex Janke: Bei BuzzNews gibt es Buchtipps zu Themen, die bewegen, das heißt zu Lebensthemen und philosophischen Inspirationen im engen und weitesten Sinn. Für Neuerscheinungen, Bestseller und Geheimtipps in verschiedenen Genres.

Ich stelle bei meinen Empfehlungen in den Vordergrund: Was verbindet das jeweilige Buch mit dem Leben der Menschen? Beim Konzipieren der Inhalte habe ich immer einen User vor Augen, der oder die sich in erster Linie für sich und sein/ihr Leben interessiert. Diesem User sage ich möglichst schnell auf den Punkt, warum er welches Buch lesen sollte. Was da für ihn drinsteckt. Was das mit ihm zu tun hat.

Da ich glaube, dass Menschen neben reiner Unterhaltung, Eskapismus, Spannung und schöner Sprache in der Literatur vor allem die klärende Spiegelung heutiger und vergangener Zeiten, die warme Heimat der eigenen Identität, den inspirierenden Wink und die kritisch-konstruktive Betrachtung des Lebens suchen, fokussiere ich diese Seite des Lesens.

Ob mich das gegenüber anderen deutschsprachigen Buchblogs auszeichnet, weiß ich nicht. Aber nach meinem oberflächlichen Eindruck ist meine Herangehensweise in anderen Buchblogs ebenso wenig verbreitet wie die Auswahl der Bücher.

„Philosophische Inspirationen“ mit Buchtipp

tredition: Wie viele Rezensionen veröffentlichen Sie im Monat?

Alex Janke: Grundsätzlich gibt es mindestens einmal pro Woche neue Inhalte. Bei weitem nicht alles, was ich veröffentliche, ist eine Rezension. Ich stelle vielversprechende Neuerscheinungen kurz vor oder schreibe ein längeres Stück zu einem Thema, das ich „philosophische Inspiration“ nenne und zu dem es natürlich auch einen Buchtipp gibt, der das Thema vertieft oder erweitert. Das kann ein eher nischiges, aber auch für das allgemeine Publikum interessantes Sujet sein wie eine barsche Kritik am Neuen Realismus von Markus Gabriel. Über den Nutzen von Psychopathie oder Sterblichkeit wurde schon etwas verfasst. Warum der Streit um die Willensfreiheit langweilig ist, habe ich versucht darzustellen. Die geistigen Welterfahrungen von Friedrich Nietzsche und Arthur Schopenhauer sind ebenfalls für unser Leben aufbereitet, aber auch Pete Dohertys öffentliche Existenz wurde philosophisch überraschend analysiert. Es darf also auch leicht irritieren.

Außerdem gibt es hin und wieder mittellange Rezensionen zu Büchern, die mir am Herzen liegen. Die User erfahren, was sie lesen sollen. Nicht-empfehlenswerte Bücher lasse ich gleich weg.

BuzzNews

Fragen aufwerfen oder den Leser direkt ansprechen: Die Überschriften auf BuzzNews sind „Appetizer“ für Bücherhungrige

tredition: In den Überschriften der Rezensionen sprechen Sie Leser oft unmittelbar an und deuten darauf hin, was die Kernaussage eines Buches ist. Wie kommt das bei Ihren Blog-Besuchern an?

Alex Janke: Die direkte Ansprache und die sofortige Bekanntgabe des Nutzens sind die rhetorische Umsetzung meines Anspruches, leserorientiert statt selbst- oder buchzentriert zu sein. Meine Mission ist es, Menschen über interessante Themen gute Bücher zu empfehlen. Aktuell übrigens schwenke ich vom Sie zum Du um – in meinem Booktube geht es konsequent informell zu, und auch der Blog verwandelt sich diesbezüglich.

Die Resonanz, die ich bisher bekommen habe, ist ermutigend und amüsant ambivalent. Vor allem auf meine ersten Videos bei Youtube. Einige meinten, ich solle weniger gestikulieren, andere fanden das Gestikulieren toll. Die Betonung wirkte auf manche angestrengt, andere empfanden sie als mitreißend und dynamisch. Manchen war es zu laut und zu schnell, zu anderen bin ich auf diese Weise gerade erst durchgedrungen. Insgesamt geht zumindest das Stimmungsbild, das mich erreicht, in Richtung „Gut gemacht“.

„Ein Buch muss berühren.“

tredition: Wie schnell merken Sie, ob ein neues Buch Sie fasziniert?

Alex Janke: Ein Buch kriegt ca. 50 Seiten, bis dahin muss mir irgendetwas daran gefallen haben, damit ich weiterlese. Oder ich weiß, dass eine anfängliche Durststrecke später belohnt wird, dann bleibe ich auch dran, blättere ggf. vor. Ob ein Buch mich fasziniert, erkenne ich daran, ob und wie es ein Thema berührt, das mich privat oder als Teilnehmer an der Gesellschaft betrifft, beziehungsweise inwiefern der Erzähler oder Protagonist eine Haltung verkörpert, von der man etwas lernen kann.

Wenn ich ein Buch gelesen habe, will ich zumindest ein etwas anderer sein als vorher. Bücher müssen zwangsläufig Bildungserlebnisse darstellen, egal wie klein. Literatur zur bloßen Spannung oder Unterhaltung ist für mich Zeitverschwendung.

tredition: Inwiefern können Bücher von Self-Publishing-Autoren eine Bereicherung für Sie darstellen?

Alex Janke: Grundsätzlich unterscheide ich nicht zwischen Self-Publishing oder sogenannten etablierten Verlagsprodukten. Qualität zählt – und Qualität meint durchaus auch Basis-Handwerk wie Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung. Da bin ich stockkonservativ, fast schon studiendirektoral. Natürlich bin auch ich nicht perfekt in diesen delikaten Angelegenheiten – aber ich stelle fest, dass es für mich eine notwendige Bedingung darstellt, um ein Buch überhaupt empfehlen zu können. Wer hier Schwierigkeiten hat, sollte sein Werk lektorieren lassen. Guter Inhalt hat das verdient. Ich fände es mal schick, zwischendurch auf gute Selbstveröffentlichungen zu stoßen, die nicht jeder einfach findet und bespricht. Literarische Trüffelschweinerei im Indie-Bereich.

Markegting-Tipp für Self-Publisher

tredition: Wie sollten Autoren vorgehen, wenn sie sich eine Rezension bei Ihnen wünschen?

Alex Janke: Sie sollten mir eine Nachricht schicken und mir in maximal 500 Zeichen konkret mitteilen, warum und inwiefern ihr Buch zu meinem Blog passt. Sie sollten mir zusätzlich direkt den Klappentext mitschicken und die ersten oder zentralen Seiten. Auf der Basis kann ich entscheiden, ob es grundsätzlich in Frage kommt. Man sieht schon: Blogger Relations ist in diesem Fall schlecht skalierbar, sondern eine individuelle Kommunikation zwischen zwei Menschen. Generell empfehle ich Autoren, wie ein Verkäufer bzw. Marketingverantwortlicher zu denken: Befriedige die Bedürfnisse Deines Gegenübers, mache ihm klar, dass sich sein Eigeninteresse mit Deinem deckt. Frage dich: Wie kann ich durch mein Buch wem helfen? Die Antwort muss dann das Hauptverkaufsargument sein.

tredition: Ließe sich Ihr Wirken als Blogger unter ein Motto fassen?

Alex Janke: Zur Selbstkalibrierung nutze ich seit Jahren einen Spruch, den eines meiner Vorbilder, Götz Werner, der Gründer und langjährige CEO von dm – drogeriemarkt, popularisiert hat:

„Beharrlich im Bemühen, bescheiden in der Erfolgserwartung.“

Was das Operative und Strategische des Bloggens betrifft:

„Probiere mal was aus, denn keinen Erfolg hast du schon, wenn Du nichts machst. Sei Dienstleister und gib. Dann kommt auch etwas zurück.“

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