Das Mauermuseum in Berlin: Ostdeutsche Literatur gegen das Vergessen

  • Thieswald Schechter im Mauermuseum
  • Thieswald im Mauermuseum am Checkpoint Charlie
  • Beate Thieswald im Shop im Mauermuseum

 

 Beate Thieswald-Schechter thematisiert in ihren dramatischen Erzählungen „Ostdeutsche Geschichten“ und dem Kinderbuch „Raupi“ Unangepasstheit und Widerstand zu DDR-Zeiten. Beide Bücher stellen ein wichtiges Stück Wendeliteratur dar, die Entscheidungen, Mut und Lebenserinnerung versinnbildlichen. Aktuell präsentiert das bekannte Mauermuseum am Checkpoint Charly die Bücher von Autorin Beate Thieswald-Schechter, denn sie erzählt „Geschichte unseres Landes und die wollen die Menschen kennen und niemals vergessen“. Im Gespräch mit der Geschäftsführenden Vorsitzende und Direktorin des Museum berichtet Alexandra Hildebrandt aus dem Museumsalltag und äußert sich über aufstrebende Autoren. Beate Thieswald-Schechter kommentiert, wie es zu der Ausstellung gekommen ist.

 

 Interview Alexandra Hildebrandt vom Mauermuseum am Checkpoint Charly

Alexandra Hildebrandt - Mauermuseumtredition: Liebe Frau Hildebrandt, mittlerweile gibt es das Mauermuseum am Checkpoint Charly seit 1962 als Knotenpunkt der Information über die Mauer und den internationalen gewaltfreien Kampf, die DDR-Opposition bis hin zum Mauerfall. Wie schätzen Sie die Aufklärung über diese Zeit ein, ist die Mauer aus den Köpfen verschwunden?

Alexandra Hildebrandt: Vor 25 Jahren verschwand die DDR von der Weltkarte. Es kam ersehene Einheit in Freiheit. Die mörderische Grenze der kommunistisch-sozialistischen Diktatur der DDR mit Mauer und Stacheldraht ist nicht mehr da und die Heranwachsende erfahren aus den Bücher, Filmen und in Museen darüber. Die Jugend kennt den Begriff „die Mauer in den Koepfen“ nicht und die älteren haben den längst vergessen.

tredition: Mit welchen Worten würden Sie einem Neugierigen einen Besuch bei Ihnen schmackhaft machen?

Alexandra Hildebrandt: Unser Museum wurde gleich nach dem Bau der Mauer 1962 direkt am Grenzübergang Checkpoint Charlie gegründet und eröffnet. Selbst die Wände in unserem Haus erzählen aus der Zeit, zu der sich am Checkpoint Charlie die sowjetische und amerikanische Panzer gegenüberstanden und die Fluchtversuche und Demonstrationen stattfanden. Die originalen Objekte der gelungenen Fluchten, Flugzeuge, Autos, Mini-U-Boot, auch ein selbstgebautee Heißluftballon sind in unserem Museum zu sehen.Beate Thieswald im Shop im Mauermuseum

tredition: Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf am meisten?

Alexandra Hildebrandt: Das ist kein Beruf, sondern das ist mein Leben. Ansonsten die Arbeit, die wir leisten ist nichts besonderes, wir versuchen unser Pflicht so gut wir können und im Sinne des Gruenders unseres Museums Dr. Rainer Hildebrandt zu erfüllen.

tredition: Sie haben im Mauermuseum eine angeschlossene Buchhandlung. Welche Bücher liegen dort aus? Wie wählen Sie diese aus?

Alexandra Hildebrandt: Unser Museum hat einen Museumsschop. Dort können unsere Besuche neben den Themen DDR, Flcuht etc. auch Bücher zu Themen unserer Ausstellungen erwerben. Nach diesem Kriterien wählen wir die Bücher auch aus.

tredition: Weshalb haben Sie die Bücher von Beate Thieswald-Schechter als Bereicherung für Ihr Sortiment überzeugt?

Alexandra Hildebrandt: Die Buecher von Beate Thieswald-Schechter entsprechen unseren Ausstellungsthemen und ergänzen die Auswahl der Bücher in unserem Schop.

tredition: Was ist Ihre Einschätzung, wie werden Bücher zu dem Thema DDR und  Flucht angenommen?

Thieswald im Mauermuseum am Checkpoint CharlieAlexandra Hildebrandt: Die Bücher zum Themen DDR und Flucht werden sehr gut, sowohl von Schulen als auch von Erwachsenen angenommen. Das ist Geschichte unseres Landes und diese wollen die Menschen kennen und niemals vergessen.

tredition: Haben Sie persönliche Lieblingsbücher?

Alexandra Hildebrandt: Die Frage nach einem Lieblingsbuch kann man mit der Frage nach eine Lieblingsblume oder Lieblingswetter vergleichen. Diese Frage kann man nur so beantworten: Lieblingsbuch ist das, was ich gerade lese, Lieblingsblume ist die, die gerade vor mir ist und Lieblingswetter ist das, was gerade herrscht.

tredition: Welchen Stellenwert haben bei Ihnen  aufstrebende Autoren, die nicht unter bekannter Verlagsmarke veröffentlichen? Teilen Sie die Einschätzung, dass solche Autoren dem Buchhandel heute neue Umsatzchancen jenseits des Mainstreams bieten?

Alexandra Hildebrandt: Alle Bücher von allen Autoren haben ihre Existenzberechtigung und werden gelesen. Und gerade unbekannte Autoren bereiten uns oft große *berraschungen und werden sehr schnell sehr bekannt. Also ist der Bekanntschaftsgrad des Autoren alleinkein Kriterium beim Auswahl eines Buches. Im übrigen, alle bekannten Autoren waren mal auch unbekannt …

tredition: Derzeit wird wieder intensiv über den Onlinehändler Amazon diskutiert. Ist das bei Ihnen ein Thema?

Alexandra Hildebrandt: Amazon bietet uns zusätzliche Chancen, einige Bücher zu bekommen, die längst vergriffen sind.

tredition: Welche Erfolgsfaktoren gelten heute für Buchhandlungen/Museen, um im Wettbewerb mit anderen Vertriebswegen/ kulturellen Einrichtungen zu bestehen?

Alexandra Hildebrandt: Alle Museen mit ihren Buchhandlungen sind einzigartig. Wichtig ist, das eigenes Gesicht zu erhalten und sich nicht an was auch immer anzupassen, sondern den eigenen Weg zu gehen.

tredition: Was empfehlen Sie angehenden Autoren?

Alexandra Hildebrandt: Alle bekannte Autoren waren einmal unbekannt. Schreiben Sie das, was Sie denken, denken Sie das, was Sie leben und leben Sie das, was Sie schreiben.

tredition: Liebe Frau Hildebrandt, wir danken für das Gespräch und wünschen Ihnen für das Mauermuseum weiterhin Erfolg und viele Besucher!

Thieswald Schechter im Mauermuseum

Für den tredition-Blog fasst Beate Thieswald-Schechter noch einmal zusammen, wie Sie bei der Ansprache des Mauermuseums vorgegangen ist:

Beate Thieswald-Schechter: Der Tipp, die Bücher im Mauermuseum anzubieten, kam von tredition … Zuerst dachte ich, das wäre eine Nummer zu groß für meine Bücher als unbekannte Autorin. Denn welcher Berlin-Tourist war noch nie in diesem beeindruckenden Museum am Checkpoint Charlie? Alle kennen das.

Aber was riskiere ich mehr als eine Absage, dachte ich und bewarb mich genauso wie anderen Orts auch, sowohl für mein Kinderbuch „Raupi – Eine deutsch-deutsche Kindergeschichte“ als auch für meine „Ostdeutschen Geschichten“, mit Anschreiben, Pressemitteilung und Autorenvita für die Auslage im Museumsshop. Zwar hat es ziemlich lange gedauert, aber es kam schließlich die Bitte um Rezensionsexemplare. Dann dauerte es wieder lange, aber es kam zur Zusage und endlich auch zur Bestellung der Bücher. Und dann bekam ich eines Tages per Whatsapp eine Nachricht mit Bild von einer Bekannten, die mit ihrer Schwester ein Berlin-Wochenende verbrachte: „Guck mal, was ich in Berlin gesehen habe – im Checkpoint Charly Museum: Deine Bücher.“ Das war doch nett.

Auf jeden Fall sind es nicht unbedingt die bekannteren Zeitungen oder Museen, die schließlich absagen. Es ist ein wenig Glückssache, aber auch Belohnung dafür, immer wieder anzurufen und nicht so einfach aufzugeben.

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