Michael Paul: Prominent platziert in Schweden

Eine 15-tägige Recherchereise nach Schweden, zahlreiche Bekanntschaften mit den gastfreundlichen Einwohnern und jede Menge Anregungen für den eigenen Roman: Michael Paul kam mit einem Koffer voller Inspiration zurück von seinem Trip nach Skandinavien. Im Gespräch mit tredition erzählt er von seinen Erlebnissen auf der Recherche an Originalschauplätzen seine Romans im Jahr 2012 – und wie es dazu kam, dass sein Buch nun auch im schwedischen Buchhandel ausliegt!

tredition: Lieber Herr Paul, Ihr bei tredition erschienener Roman Wimmerholz liegt in der schwedischen Stadt Eksjö im Buchhandel aus! Wie kam es dazu?

Autor Michael Paul

Michael Paul: Diese kleine süße Stadt in Småland ist einer der Hauptspielorte meines Romans, neben Gotland. Ich war 2012 dort und habe gesehen, dass dort auch Bücher in Deutsch angeboten werden. Viele Schweden sprechen deutsch. So habe ich die Buchhandlung angemailt, ob sie nicht Bücher von mir anbieten wollen. Und schon nach wenigen Tagen kam die Antwort mit der Bestellung der ersten 5 Bücher. Toll, oder?

tredition: Was war für Sie der Anstoß, einen Roman mit historischem Bezug zum „Blutigen Freitag“ bzw. allen damit verbundenen Ereignissen in Schweden zu verfassen?

Michael Paul:Meine Geschichte fängt ja in Königsberg an, also Ostpreußen. Dort war mein Großvater Soldat und geriet in Gefangenschaft. Auf die dramatischen Ereignisse in Schweden stieß ich dann während meiner ersten Recherchen und konnte diese Motive so perfekt miteinander verbinden. Den Hinweis gab mir übrigens zufällig Walter Sittler, der Schauspieler in der Serie „Der Kommissar und das Meer“. Die Serie spielt auf Gotland und der Sportplatz, den 1945 die deutschen Soldaten dort bauten, war der Tatort in einer der Krimifolgen. Auf der Buchmesse habe ich lange mit ihm darüber gesprochen, er kennt die Ereignisse dort sehr genau und hat mein Buch dann sogar gelesen.

tredition: Wie lange  waren Sie auf Recherchereise? Wie haben Sie diese im Vorhinein geplant? Auf welchem Wege haben Sie mit Museen usw. Kontakt aufgenommen?

Michael Paul:Ich war 15 Tage in Schweden mit dem Wohnmobil unterwegs, auf Gotland, in Südschweden und auch in Stockholm. Die Leute in Schweden sind einfach klasse! Ich habe damals einfach per E-Mail viele mir interessant erscheinende Personen, Institutionen, Museen etc. angemailt. Da die Ereignisse 1945 in Schweden sehr bekannt sind, fand ich gleich offene Ohren, bekam helfende Hinweise und weitere Kontakte. Am Ende hatte ich 12 Termine mit Historikern, Buchautoren, in Museen, dem Reichsarchiv in Stockholm und sogar Zeitzeugen bzw. deren Nachkommen. Und alle Termine haben geklappt, das war großartig. Sicher klappt das aber nicht in allen Ländern so perfekt, ich hatte auch Glück dabei. Seitdem liebe ich nicht nur die Toskana, sondern auch Schweden, das Land und die Leute dort.

Emotionales Highlight: Treffen mit einem 95-jährigen Zeitzeugen

tredition: Was war das schönste Erlebnis für Sie auf der Reise?

Michael Paul:Also das mystische Gotland alleine ist eine Reise wert! Highlight war aber sicher mein überraschendes, nicht geplantes Treffen mit dem 95-jährigen Fotografen Jan Rosenlöf in Eksjö. Er war damals der einzige zugelassene Fotograf. Das Foto, das ich für das Cover verwendet habe und mir vorher schon ausgesucht hatte, hat er im November 1945 geschossen. Unfassbar, oder? Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an das Gespräch denke. Er erzählte von der dramatischen Lagerräumung und dann liefen ihm die Tränen herunter. Wow, so einen emotionalen Moment vergisst man nicht. Inspiriert davon gibt es in meinem Roman übrigens nicht ganz zufällig einen Fotografen mit ähnlichem Namen…

tredition: Haben Sie während der Reise bereits weiter am Roman geschrieben oder erst hinterher?

Michael Paul:Nein, geschrieben habe ich erst hinterher. Während der Reise habe ich viele phantastische Orte entdeckt, die genauso im Roman vorkommen und beschrieben sind. Den Plot hatte ich skizziert und im Kopf, aber richtig entstanden ist die Geschichte erst während und nach der Reise. Ohne die Reise wäre mein Roman nicht möglich gewesen. Auf gleichem Grund fliege ich für meinen neuen Roman im Juli für fünf Tage nach Kaliningrad. Das gehört bei mir unbedingt dazu, geht gar nicht ohne, ist eine Zeitreise.

tredition: Inwiefern hat die Reise Ihr Schreiben beeinflusst oder verändert?

Michael Paul:Genau an den Orten zu stehen, an denen die tatsächlichen Ereignisse vor 70 Jahren stattgefunden haben, ist für mich magisch. Dann läuft die Geschichte wie in einem Film vor mir ab. Man spürt diese Energie, als wäre sie noch da. Auch meine in die Geschichte eingefügten Protagonisten sind dann real und ganz nah bei mir, ich sehe ihnen zu. Das brauche ich, damit reale Begebenheiten und Fiktion perfekt ineinanderfließen können.

Marketing: Lesungen und Feilen an der Autoren-Webseite

tredition: Welchen Zeitraum umfasste die Erstellung Ihres Romans von der ersten Planung bis zum fertigen Buch?

Michael Paul:Fünfzehn Monate dauerte die reine Recherche damals, inkl. der Reise. Wenn man in der Zeit nach dem Krieg schreibt, muss man sich mit jedem kleinen Detail beschäftigen, das kostet enorm Zeit, gerade beim ersten Roman. Beim nächsten, an dem ich gerade arbeite, fällt das dann schon leichter und man profitiert davon. Da ich – noch nicht – hauptberuflich schreibe, verteilte sich das Schreiben dann auf rund neun Monate. Nach einem weiteren Vierteljahr hatte ich dann das erste Buch von tredition in der Hand.

tredition: Was würden Sie im Rückblick evtl. anders machen?

Michael Paul:Puh, gute Frage. Ich schreibe beim neuen Roman in größeren zeitlichen Blöcken. Gerade war ich für drei Wochen in der Toskana, ganz alleine mit unseren beiden Hunden. Dort habe ich über 200 Seiten des neuen Manuskripts geschrieben. Das ist deutlich effektiver als immer nur abends oder am Wochenende quasi zwischen Job, Familie und anderen Dingen zu schreiben. Zumal ich ein Frühaufsteher bin, abends oder gar nachts kann ich nicht gut arbeiten.

tredition: Welche Marketingaktivitäten stehen dieses Jahr auf dem Plan?

Michael Paul:Gerade habe ich meine Website komplett überarbeitet. Die kommt toll an. Nun stehen einige Lesungen im Kalender und weitere Termine möchte ich noch für dieses Jahr festmachen. Außerdem habe ich mir eine größere Tingeltour zu diversen Buchhändlern vorgenommen. Meine Erfahrung ist, dass die Buchhändler nach einem persönlichen Besuch des Autors und mit einem ordentlichen Lieferschein in der Hand gerne auch ein paar Hardcover von einem Selfpublisher ins Regal oder sogar den Angebotstisch legen. Die Bücher verkaufen sich dann auch wirklich gut. Auch wenn das zeitlich noch nicht effektiv ist, beim nächsten Buch wird es dann umso einfacher. Das muss man längerfristig betrachten.

 

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