Serie: Das eigene Buch erfolgreich vermarkten – Teil VI: Die Kurzbeschreibung

Wie gehen Sie vor, wenn ein Buch auf dem Präsentationstisch im Handel Ihr Interesse weckt? Richtig! Sie ergreifen es, um den Text auf der Umschlagrückseite zu lesen. Ebenso verhält es sich im Onlinehandel: Hier wird vom Leser zunächst einmal die Kurz- bzw. Langbeschreibung zu Rate gezogen. Was verbirgt sich hinter dem Buchtitel? Welche Story ist zu erwarten? Schon die ersten Zeilen der Beschreibung eines Buches können darüber entscheiden, ob der potenzielle Leser sich für oder gegen den Kauf entscheidet. Ein Stück weit spielen dabei freilich auch der individuelle Geschmack und die Themenvorlieben des Käufers eine Rolle. Doch sollten Kurztexte bzw. Beschreibungen auf dem Buchrücken gewissen Standards genügen, die den Lesergewohnheiten entsprechen und die Voraussetzung dafür bilden, den Inhalt des Buches schnell zu erfassen.

  • Achten Sie penibel darauf, dass der Text keinerlei Rechtschreibungs- und Zeichensetzungsfehler enthält. Nichts wirkt abschreckender auf die Leser, die gerade erst im Begriff sind, sich für Ihr Buch zu interessieren.
  • Beantworten Sie im Text die wichtigsten Fragen rund um Ihr Buch:
    • Roman:
      • Übergeordnetes Thema
      • Protagonisten
      • Zeit, Zeitraum und Schauplätze
      • Andeutung der Handlungsentwicklung, um Interesse zu wecken und Spannung zu erzeugen
    • Sach- und Fachbuch:
      • Übergeordnetes Thema
      • Zentrale Themenaspekte
      • Zielgruppe
      • Zu erwartender Erkenntnisgewinn für den Leser

Bei der Art und Weise, wie die einzelnen Stichpunkte zu einem Text zusammengefügt werden, können unterschiedliche stilistische Mittel zum Einsatz kommen. So können bestimmte Sachverhalte oder Themenaspekte in Form von Fragen formuliert werden, die Interesse am Buch erzeugen oder unmittelbar in die Handlung hineinziehen. Die folgenden Umschlagtexte bzw. Auszüge daraus verdeutlichen unterschiedliche Facetten der Formulierung und des Textaufbaus.

Die Philosophen kommen von Marion Fugléwicz-BrenBeispiel 1: Die Philosophen kommen von Marion Fugléwicz-Bren:

„Philosophie ist gefragt. Festivals, Nächte der Philosophie in ganz Europa beweisen es. Wie denken zeitgenössische Philosophen? Welchen Praxisbezug, welche Möglichkeiten hat Philosophie heute, im Zeitalter digitaler Medien? Sind Werte Luxus? (…) Die immer aktuellen Sinnfragen sind es, ebenso wie die neuen Aspekte und Zugänge, die sich beharrlich und konsekutiv auftun (…) oder eben in diesem Buch, wo sie sukzessive eine gegenwärtliche Erörterung erfahren.“

Die ersten beiden Sätze implizieren: Philosophie ist ein Thema mit hohem Aktualitätswert. Die darauf folgenden Fragen lassen den Leser unmittelbar darüber nachdenken, was er zu diesen Aspekten weiß – schon ist das Interesse geweckt. Denn wer sich gänzlich nicht für Philosophie interessiert, hätte das Buch bereits aufgrund des Titels nicht näher betrachtet.

Jakobsweg im Smoking von Philipp WinterbergBeispiel 2: Jakobsweg im Smoking von Philipp Winterberg:
„Jakobsweg im Smoking? Tatsächlich: Ein dänischer Pilger hat seinen feinsten Anzug dabei, weil er glaubt, spanische Restaurants würden ihn sonst nicht hereinlassen. Andere Pilger bringen ihre Hängematte mit, (…) In kurzweiligen Episoden berichtet der Autor von den Wirrungen der Ausrüstungsbeschaffung und pilgert schließloch mit nur 3 kg im Rucksack nach Santiago de Compostela. Der Ausrüstungsratgeber ist ein Muss für jeden Pilger!“

Die Kurzbeschreibung greift direkt den Buchtitel auf, um den Leser unmittelbar „in medias res“ zu holen. Nach wenigen Sätzen ist der thematische Ansatz klar, wertvoll für den Leser ist zudem die Formulierung „kurzweilige Episoden“. Soll heißen: Dieses Buch ist zwar ein detaillierter Ausrüstungsratgeber, eine trockene Faktensammlung erwartet den Leser aber keineswegs. Der Abschluss „ein Muss für jeden Pilger!“ ist eine charmante Art der Kaufaufforderung.

Kairo von Matthias FabianBeispiel 3: Kairo – Alltag und Ausnahmezustand von Matthias Fabian

„Kairo 2013. Die ägyptische Revolution feiert ihren zweiten Jahrestag mit Tränengas und Straßenschlachten, eine Rebellion fegt den Präsidenten aus dem Amt und die Militärs übernehmen erneut die Macht im Land am Nil. Der Autor schildert ein Jahr Alltag und Ausnahmezustand, nimmt Sie mit auf die Straßen und Plätze von Kairo. (…) Ein Buch über das wahre Leben: mal hochbrisant politisch, mal typisch ägyptisch alltäglich.“

Je komplexer die Thematik, desto besser, die Eckdaten („Kairo 2013“) gleich am Anfang zu erwähnen. Die wertende Einordnung des Schreibstils am Ende der Beschreibung mutet wie ein Kommentar aus einer Rezension an und wirkt dadurch verkaufsfördernd.

Gefahr ohne Schatten von Anika LimbachBeispiel 4: Gefahr ohne Schatten von Anika Limbach

„Natürlich wusste Jan um die Brisanz der Informationen, nach denen er forschte, aber dass sie derart brisant waren, überraschte ihn. War er wirklich kurz davor, jemandem auf die Füße zu treten, und zwar so sehr, dass man das Risiko eines Mordes einging? (…) ‚Gefahr ohne Schatten‘ ist ein Roman über die Macht der Stromkonzerne, die Gefahren der Atomkraft, das gezielte Ausbremsen der Energiewende – und den Mut, sich zu wehren. Stoff, der aktueller ist denn je. Auch wenn das spannende Debüt der Autorin Anika Limbach fiktional ist, so beruht das Buch auf gut recherchierten Fakten und ist näher an der Realität, als es dem Leser lieb sein dürfte.

Ein Beispiel dafür, wie sich Zitate aus dem Buch mit einer knackigen Beschreibung des Themas verbinden lassen. Beides erzeugt Spannung und bringt auf den Punkt, was den Leser erwartet.

Aufschieberitis von Daniel HochBeispiel 5: Aufschieberitis von Daniel Hoch

„In diesem Buch erfahren Sie alles über Ursachen, Symptome sowie schwerwiegende Nebenwirkungen der Volkskrankheit „Aufschieberitis“. Lesen Sie, wie Sie mit der scheinbar harmlosen, aber auf weite Sicht lebensbedrohlichen Diagnose „Aufschieberitis“ umgehen. Nutzen Sie die zahlreichen Erfolgsrezepte, um die Krankheit zu besiegen und schützen Sie sich vor erneuter Ansteckung!“

Eine gelungener Appell an den inneren Schweinehund. Zudem wird hier das Spiel mit medizinischen Begrifflichkeiten vom Titel bis zum Rückentext konsequent durchgezogen – und das Beispiel zeigt die Wirkkraft persönlicher Anrede.

 

Abnehmen ohne Achterbahn von Beatrice SchmidtBeispiel 6: Abnehmen ohne Achterbahn von Beatrice Schmidt

„Dieses Werk ist ein Ratgeber zur Veränderung von Ess-und Lebensgewohnheiten und somit eine echte Unterstützung für eine nachhaltige Gewichtsreduktion voller Genuss. Das erste Kapitel umfasst eine sinnvolle und schrittweise Ernährungsumstellung, das zweite Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema der Gewichtsreduktion und im dritten Abschnitt des Buches wird erläutert, wie denn das erreichte Körpergewicht gehalten werden kann.“

Klare Fakten kurz zusammengefasst: Bei Ratgebern und Fachbüchern kommt es darauf an, bereits in der Kurzbeschreibung möglichst viele Informationen zu vermitteln, ohne den Leser zu überfrachten.

 

 

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