Das Urheberrecht:
Das sollten Sie als Autor vor der Veröffentlichung Ihres Buches wissen

Wer als Autor eigenen Ideen in einem Text erfasst, ist Urheber dieses Werkes.

Sie haben Ihr erstes Buch vollendet oder stehen kurz davor? Spätestens jetzt sollten Sie sich über einige rechtliche Fragen in diesem Zusammenhang informieren, dazu gehört unter anderem das Urheberrecht. Aber keine Sorge, wir helfen Ihnen, den Überblick zu behalten, damit Ihrer Erstveröffentlichung nichts mehr im Wege steht. Bevor wir Ihnen aber eine Checkliste an die Hand geben, mit deren Hilfe Sie Ihr Werk auf mögliche Fallstricke in Bezug auf das Urheberrecht überprüfen können, müssen wir den Begriff zunächst genauer definieren. Zudem klären wir Sie über mögliche Folgen einer Urheberrechtsverletzung auf. Lesen Sie auch unsere weiteren rechtlichen Aspekte rund um die Buchveröffentlichung.

Inhalt dieses Artikels

Definition: Was ist das Urheberrecht?

Bevor wir näher ins Thema einsteigen, müssen wir uns zunächst klar machen, was Urheberrecht eigentlich bedeutet. Es bezeichnet den Schutz geistigen oder materiellen Eigentums eines Urhebers, wobei für einen Urheberschutz vier Voraussetzungen erfüllt sein müssen:

  1. Das Werk muss durch einen Schaffensprozess des Urhebers entstehen.
  2. Es muss wahrnehmbar sein, wobei keine dauerhafte Form gegeben sein muss.
  3. Es muss sich um eine kreative Eigenleistung des Urhebers handeln.
  4. Der Urheber und seine Persönlichkeit müssen das Werk prägen.

Das Urheberrecht betrifft daher Werke aus den Bereichen Kunst, Wissenschaft und der Literatur. Es gilt daher nicht nur für Autoren, sondern auch für Komponisten, Choreografen, Fotografen, Designer, Maler, Bildhauer und weitere Berufe, die kreativ oder produktiv etwas erschaffen.

Historie des Urheberrechts

Weiterhin regelt das Urheberrecht die Rechte zwischen dem Urheber und seinen Rechtsnachfolgern. Dieser Zusammenhang war bereits in der Antike bekannt. Zu jener Zeit gab es zwar noch keinen rechtlich geregelten Schutz geistigen Eigentums, jedoch entstand damals das erste Plagiat. Der Dichter Marcus Valerius Martialis bezichtigte seinen Kollegen Fidentinus, seine Gedichte kopiert zu haben und bezeichnete ihn als Menschenräuber, was auf Lateinisch plagiarius bedeutet.

Allerdings wurde der Autor als Urheber geistiger Inhalte erst ab dem ausgehenden Mittelalter geschützt, als durch die Einführung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern Bücher schneller vervielfältigt und damit auch verbreitet werden konnten. Ab dem 18. Jahrhundert gab es in England erstmals ein Vervielfältigungsrecht, welches der Autor für einen gewissen Zeitraum an einen Verlag abtreten konnte.

Das Urheberrecht in der heutigen Form gibt es erst seit den 60er Jahren in Form des Urheberrechtsgesetz (UrhG), wobei es in den Folgejahren immer wieder Anpassungen gab, die vor allem der Globalisierung und Internationalisierung geschuldet sind. Kritiker des Urheberrechts führen allerdings immer wieder an, dass das Recht in seiner heutigen Form den (digitalen) Veränderungen in der Medienwelt nicht gerecht wird und einer Reform bedarf.

Die Auswirkungen des Internets auf das Urheberrecht

Im neuen Jahrtausend steht das Urheberrecht vor ganz neuen Herausforderungen und kann dem technischen Fortschritt kaum noch mithalten. Google oder Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram und Youtube haben einen großen Anteil daran, dass sich, insbesondere unter der jüngeren Generation, eine ganz neue Kultur entwickelt hat, die der Ansicht ist, man könne sich nach Belieben im Internet an Inhalten bedienen und diese schnell und anonym kopieren und verbreiten.

Dabei ist den meisten Menschen gar nicht bewusst, dass sie hiermit gegen das Urheberrecht verstoßen. Dieses Problem besteht vorwiegend bei Fotos, die sich leicht und ohne großen Qualitätsverlust kopieren lassen. Aber auch fremde Texte werden, häufig ohne Angabe der Quelle, auf der eigenen Webseite genutzt und somit ganz automatisch als eigenes geistiges Eigentum ausgegeben. Aus diesem Grund gab es in der jüngeren Vergangenheit Anpassungen beim Urheberrecht, so dass zum Beispiel das Umgehen des Kopierschutzes bei digitalen Werken als Straftat ausgelegt und verfolgt wird.

Wir möchten das Internet an dieser Stelle aber nicht verteufeln, schließlich bietet es auch für Sie als Autor ganz neue Vertriebskanäle, zum Beispiel eben durch den Verkauf von E-Books oder den Vertrieb über Plattformen wie Amazon.

Ab wann ist man ein Urheber?

Wenn Sie als Autor Ihre eigenen Ideen in einem Text erfassen, dann sind Sie der Urheber des Werkes und verfügen damit über das alleinige Recht, dieses zu verwerten. Dieses Recht tritt ganz automatisch in Kraft und bedarf keiner weiteren Anmeldung, wie es zum Beispiel bei einem Patent nötig ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass der Text in schriftlicher Form erfasst wird, alleine die Idee eines Romans unterliegt keinem Schutz.

Verjährung des Urheberrechts

Das Urheberrecht kann nicht an Dritte übertragen werden, verbleibt also über den Tod hinaus beim Autor. Seine Erben können das Recht bis zu 70 Jahre danach noch in Anspruch nehmen, dann allerdings hat jeder die Möglichkeit, das Werk zu veröffentlichen oder zu bearbeiten. Aus diesem Grund haben wir im Rahmen unserer TREDITION CLASSICS in den vergangenen Jahren mehr als 30.000 Titel der Weltliteratur, die zuvor teilweise gar nicht mehr in gedruckter Form erhältlich waren, wieder aufgelegt.

Unterschied Verwertungsrecht zum Urheberrecht

Neben dem reinen Urheberrecht, was wir inzwischen hinreichend definiert haben, gibt es das Verwertungsrecht, worunter das Vervielfältigungs-, das Verbreitungs- sowie das Ausstellungsrecht sowie das Veröffentlichungs- und Nutzungsrecht fallen, wobei alle in einem engen Zusammenhang stehen.

Das Veröffentlichungsrecht zählt zum Urheberpersönlichkeitsrecht und gibt dem Urheber das Recht zu bestimmen, ob, wie und wann das Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Dies ist nötig, um den Inhalt zu verwerten. Der Autor kann dieses Recht ebenso wie das Verwertungsrecht selbst in Anspruch nehmen oder er tritt diesen Besitz als Nutzungsrecht an einen Verlag ab. Dieser übernimmt dann die Vervielfältigung und Verbreitung des Textes, so dass der Autor das Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht abtritt, wobei die Rahmenbedingungen natürlich in einem Vertrag festgehalten werden. In diesem Zusammenhang werden auch das Honorar, eine zeitliche Begrenzung sowie weitere Aspekte festgeschrieben.

Häufig werben Verlage damit, dass “alle Rechte beim Autor bleiben”, wobei dieser Passus mit Vorsicht zu genießen ist. Denn das Urheberrecht bleibt zwar definitiv beim Autor, jedoch kann man davon häufig nicht Gebrauch machen, denn die meisten Verlage beanspruchen das Verwertungsrechte exklusiv für sich. Bei tredition wird vertraglich ein nicht-exklusives Verwertungsrecht vereinbart, dass heißt Sie können Ihr Werk jederzeit anderweitig veröffentlichen und vervielfältigen. Details dazu finden Sie in unserem Buchvertrag.

Lesen sie hierzu auch unsere Zusammenfassung aller wichtigen rechtlichen Hinweise für Autoren.

Urheberrechtsverletzungen und ihre Folgen

Eine Verletzung des Urheberrechts liegt dann vor, wenn die Urheber- oder Verwertungsrechte missachtet werden. Dies ist zum Beispiel bei einer unerlaubten Vervielfältigung oder Veröffentlichung eines Werkes der Fall, was straf- und zivilrechtlich verfolgt werden kann. Bevor Sie aber nun Ansprüche geltend machen, sollten Sie mit Hilfe eines Anwalts genau prüfen, ob tatsächlich eine Verletzung des Urheberrechts vorliegt, wobei es natürlich insbesondere bei einer unerlaubten Veröffentlichung im Internet häufig schwierig ist, den Verursacher ausfindig zu machen.

Ist dies jedoch gelungen, wird zunächst eine Abmahnung wegen Unterlassung versendet, im Rahmen dessen eine außergerichtliche Einigung möglich ist. Als Urheber können Sie die Unterlassung und die Beseitigung der unrechtmäßigen Verbreitung sowie Schadensersatz verlangen.

Was Sie im Falle einer Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung tun können

Umgekehrt sollten Sie aber natürlich auch Ihr eigenes Werk auf mögliche Urheberrechtsverletzungen prüfen, unsere unten stehende Checkliste hilft Ihnen dabei. Wenn Ihnen aber trotz aller Vorsicht doch eine Abmahnung eines Anwalts ins Haus flattert, dann sollten Sie diese nicht auf die leichte Schulter nehmen. Prüfen Sie ganz genau, ob die abgemahnten Vorwürfe zutreffen und ziehen Sie im Zweifelsfall einen Anwalt hinzu. Dieser hilft Ihnen dann, herauszufinden, ob die Forderungen berechtigt und angemessen sind. Ist dies nicht der Fall, dann können Sie aktiv mit einer Gegenabmahnung oder einer negativen Feststellungsklage dagegen vorgehen. Allerdings tragen Sie hierfür mögliche Zusatzkosten, wenn sich die ursprüngliche Urheberrechtsverletzung am Ende doch als zulässig erweist.

Die Unterlassungserklärung als Bestandteil der Abmahnung

Ist die Abmahnung jedoch berechtigt, dann müssen Sie in der Regel eine Unterlassungserklärung abgeben. Hierbei handelt es sich um einen Vertrag, in dem Sie durch Ihre Unterzeichnung erklären, den abgemahnten Sachverhalt in Zukunft zu unterlassen. Gleichzeitig stellt eine Unterlassungserklärung ein Schuldeingeständnis dar und erhält auch eine mögliche Vertragsstrafe bei einer Zuwiderhandlung. Diesen Vertrag sollten Sie übrigens nicht auf die leichte Schulter nehmen, da er nicht verjährt und somit lebenslang gültig ist. Zudem kann in dem Vertrag die Beseitigung der Urheberrechtsverletzung enthalten sein, was im Falle von E-Books weniger schlimm ist, bei gedruckten Büchern jedoch eine Vernichtung zur Folge haben kann, was natürlich weitere Kosten nach sich zieht.

Die Zusammensetzung möglicher Forderungen

Zusätzlich müssen Sie den in der Abmahnung erhaltenen Forderungen nachkommen, wobei ein Anwalt die Höhe in den meisten Fällen noch reduzieren kann. Die Kosten setzen sich aus mehreren Posten zusammen, wobei der eigentliche Schadensersatz nur einen Teil darstellt. Dieser berechnet sich in der Regel aus der sogenannten Lizenzanalogie, dass heißt Sie zahlen den Wert, der sich aus einem fiktiven Lizenzvertrag ergibt. Haben Sie zum Beispiel unrechtmäßig zwei Bilder verwendet, für die ein Urheber im Normalfall 300 Euro erhält, dann beträgt der reine Schadensersatz für die beiden Bilder 600 Euro.

Hinzu kommen Abmahngebühren, die jedoch für Privatpersonen vor einiger Zeit auf 150 Euro beschränkt wurden, um Abmahnwellen zu vermeiden, auf die sich in der Vergangenheit Anwaltskanzleien spezialisiert haben. Außerdem fallen noch Anwaltskosten an, die sich aus dem Gegenstandswert ermitteln, sowie ggf. Kosten für einen Gutachter. Insgesamt können sich die Kosten auf 1.000-10.000 Euro belaufen bzw. es sind in besonderen Härtefällen sogar Freiheitsstrafen von drei bis fünf Jahren möglich, wenn die Urheberrechtsverletzung einen gewerblichen Hintergrund hat.

Erste Hilfe bei Abmahnung:

  1. Bewahren Sie Ruhe
  2. Kontrollieren Sie die sachliche Richtigkeit der Vorwürfe, sind Sie bzw. Ihr Werk überhaupt betroffen?
  3. Ziehen Sie einen Anwalt hinzu
  4. Beachten Sie Fristen
  5. Liegt ein Verstoß gegen das Urheberrecht vor?
  6. Sind die Forderungen angemessen?
  7. Entfernung der urheberrechtsverletzenden Inhalte

Kostenzusammensetzung bei einer Urheberrechtsverletzung:

  1. Schadensersatz
  2. Anwaltskosten des Urhebers
  3. eigene Anwaltskosten
  4. Abmahngebühr
  5. Gutachterkosten
  6. Beseitigungskosten

Informieren Sie sich im Kontext „Rechtliches“ auch gern über die Gestaltung einer datenschutzkonformen Autorenhomepage.

Checkliste

Diese Aspekte müssen Sie vor (!) der Veröffentlichung prüfen

  • Zitate

    Natürlich dürfen Sie sich von anderen Werken inspirieren lassen, doch ganze Sätze oder gar Textpassagen anderer Autoren dürfen Sie nicht einfach übernehmen. Die Nutzung einzelner Textpassagen eines fremden Urhebers ist im Rahmen eines Zitats möglich, wenn dies zur Hervorhebung oder Erläuterung des eigenen Inhaltes dienlich ist und das Zitat in das eigene Werk integriert ist. In diesem Fall ist es besonders wichtig, das Zitat als solches durch die Angabe der Quelle kenntlich zu machen. Erfolgt dieser Schritt nicht, handelt es sich um ein Plagiat und stellt eine Verletzung des Urheberrechts dar. Lesen Sie auch gern unsere ausführlichen Informationen zum Zitatrecht.

  • Achtung von Persönlichkeitsrechten

    Dieser Aspekt gehört nicht direkt zum Urheberrecht, ist jedoch von großer Wichtigkeit. Wenn Sie real existierende Personen namentlich erwähnen oder diese aus der Beschreibung klar erkennbar sind, dann können diese rechtliche Schritte einleiten, wenn sie sich wiedererkennen und als verunglimpft oder verleumdet sehen. Lassen Sie diesen Aspekt im Zweifelsfall durch einen Anwalt klären.

  • Titel und Titelschutz

    Genauso wie die Inhalte eines Werkes unterliegen auch Titel dem Urheberrecht. Und da ein einprägsamer und unverwechselbarer Titel wichtig für den Erfolg eines Buches ist, sollten Sie nicht nur einen treffenden Titel finden, sondern auch prüfen, ob es diesen bereits gibt oder ein Wort oder Wortfolgen patentrechtlich geschützt sind. Doch auch in diesem Fall können Sie natürlich, in Verbindung mit einer angemessenen Gebühr, eine Genehmigung für die Verwendung einholen oder Varianten verwenden. Hilfe bei der Titelsuche bieten die Titelschutz-Rubrik des Börsenblatts sowie die Datenbanken des Deutschen Patent- und Markenamtes. Haben Sie einen guten und noch nicht geschützten Titel gefunden, so können Sie beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels Titelschutz beantragen. Dieser gilt so lange, wie der Titel verfügbar ist.

  • Überprüfen Sie verwendete Bilder!

    Das Internet lädt einen geradezu ein, Bilder zu kopieren, doch genau in diesem Bereich gibt es aktuell die meisten Rechtsfälle. Nutzen Sie daher ausschließlich Bilder aus den gängigen Bilddatenbanken wie fotolia oder iStockphoto. Die Verwendung dieser Bilder ist rechtssicher und meist relativ kostengünstig. Alternativ können Sie natürlich auch vom Urheber eines Bildes eine schriftliche Genehmigung für die Verwendung einholen und die Gebühr direkt an ihn zahlen. Zudem sollten Sie den Urheber im Impressum namentlich erwähnen.

    Dieser Artikel macht deutlich, dass das Urheberrecht sehr facettenreich ist. Haben Sie trotzdem keine Scheu, Fotos oder Zitate in Ihren Werken zu verwenden und kreativ einzubinden. Wenn Sie entsprechende Genehmigungen einholen, dann sind Sie rechtlich auf der sicheren Seite. Umgekehrt unterliegen Sie als Schöpfer eines geistigen Werkes einem kulturellen Schutz. Scheuen Sie sich daher nicht, rechtliche Maßnahmen zu ergreifen, wenn jemand ungefragt und ohne Kennzeichnung Ihre Inhalte verwendet.