Self-Publishing in den USA: Selfpublisher sorgen für Wachstum im Buchmarkt

Verkäufe gedruckter Bücher sind in 2020 in den USA um 5,2% gegenüber dem Vorjahr gewachsen (Quelle: Nielsen Book Scan). E-Books hingegen wachsen nicht weiter. Wir haben uns die Frage gestellt, wie Self-Publishing zu diesem Wachstum beigetragen hat. Bei unserer Analyse sind wir der Frage nachgegangen, ob uns die Amerikaner in Punkto Marketing einen Schritt voraus sind. Der Vergleich mit dem deutschsprachigen Self-Publishing Markt ist bemerkenswert. Erfahre, warum Selfpublisher in den USA erfolgreicheres Marketing für ihre Bücher machen und wie du diese Tools auch hier sofort anwenden kannst.

133 Mio. zusätzlich verkaufte gedruckte Bücher in den USA

Die aktuellen Verkaufszahlen gedruckter Bücher in den USA setzen einen Trend fort, den es bereits seit 2013 zu beobachten gibt. Seit 2012 ist die Summe jährlich verkaufter Print-Ausgaben um 23% gestiegen. Rechnet man diese Zahlen auf das Gesamtjahr 2020 hoch, so sind im laufenden Jahr insgesamt 133 Millionen mehr verkaufte Bücher zu erwarten als noch 2012. Im deutschsprachigen Buchmarkt sehen die Zahlen ganz anders aus. Von 2012 bis 2020 sank die Zahl verkaufter Print-Exemplare um 12%.

Grafik Entwicklung verkaufte gedruckte Bücher
Grafik Entwicklung ISBN für Self-Publishing USA

Starkes Titelwachstum beim Self-Publishing

Nicht minder beeindruckend lesen sich die Zahlen aus dem amerikanischen Self-Publishing Markt. Zwischen 2013 und 2018 stieg die Zahl der ISBN, die für Self-Publishing-Titel vergeben wurden, um 263% (Quelle: Bowker). Von 2017 bis 2018 betrug das Wachstum alleine 40%. In diesem Zeitraum wurden fast 1,7 Millionen ISBN für Self-Publishing-Titel vergeben. Leider liegen neuere Zahlen noch nicht vor. Aufgrund der allgemeinen Entwicklung auf dem Buchmarkt ist jedoch davon auszugehen, dass sich der Trend der vergangenen Jahre auch weiter fortsetzt. Lies dir dazu auch unseren umfassenden Beitrag zum Self-Publishing in Deutschland durch.

Analyse der Marketingaktivitäten auf dem amerikanischen Self-Publishing Markt

Wie lässt sich die Entwicklung des US-amerikanischen Buch- und insbesondere des Self-Publishing Marktes erklären? Werfen wir einen Blick auf die Marketingstrategien unserer amerikanischen Kollegen. Eine Erhebung unter fast 8.000 Self-Publishing-Autoren dient als Basis (Quelle: Bookbaby). Welche Werbemaßnahmen nehmen sie in Anspruch oder initiieren diese selbst, um ihre Bücher zu vermarkten?
Erfolgreiche Self-Publishing-Autoren nutzen ein Bündel an Marketing-Maßnahmen. Die Werbepalette reicht von Vorverkaufsaktionen über Buchpartys bis hin zu Lesungen in Buchhandlungen. Ein durchschnittlicher US-amerikanischer Autor nutzt 3,5 Marketingmaßnahmen, um die Verkäufe seines Buches anzukurbeln. Die erfolgreichsten Autoren, also diejenigen, die mehr als 5.000 Dollar mit ihrem letzten Buchprojekt verdienen konnten, nutzten sogar 5,3 Maßnahmen. Autoren mit Einnahmen von weniger als 100 Dollar kamen nur auf 2,2 Maßnahmen. Je mehr sie in die Vermarktung ihres Buches investieren, desto größer ist also der Verkaufserfolg.

Grafik Marketingmassnahmen Self-Publishing Autoren USA

Buch Rezensionen als effektives Werbeinstrument

Ganz oben auf der Liste der verkaufsfördernden Werbemaßnahmen stehen Rezensionen. Die klassische Sternebewertung spielt vor allem beim Verkauf über Online-Shops eine wichtige Rolle. Doch auch Leser, die ihre Bücher im klassischen stationären Buchhandel kaufen, werfen im Vorfeld gerne einen Blick auf die Bewertungen im Internet. In der Umfrage unter Self-Publishing-Autoren geben 51% an, aktiv um Rezensenten geworben zu haben. 53% sind der Meinung, dass Bewertungen einen (starken) Einfluss auf die Verkäufe haben. Doch wie generiert man Rezensionen? In jedem Fall sollte man davon Abstand nehmen, für (positive) Rezensionen zu bezahlen. Dennoch kannst du aktiv dafür sorgen, um die Zahl deiner Rezensionen zu erhöhen. Biete (elektronische) Vorabexemplare deines Buches Bloggern an oder versuche, im privaten Rahmen oder über Social Media Aktivitäten sogenannte Beta-Leser zu gewinnen. Bitte die von dir ausgewählten Testleser um ein ehrliches Feedback.

Von den befragten Self-Publishing Autoren gaben nur 32% der Autoren, die weniger als 100 Dollar verdienten, an, Kontakt zu Buch-Bloggern aufgenommen zu haben, aber zwei Drittel (66%) baten Freunde und Familie um eine Rezension. Schaut man sich diese Zahlen nur bei den gut verdienenden Autoren an, sieht die Verteilung ganz anders aus. Denn 61% nahmen Kontakt zu Bloggern auf, während 41% ihre Rezensionen aus dem privaten Umfeld bekamen. Die Studie zeigt also auch, dass sich insbesondere die finanziell weniger erfolgreichen Autoren eher im privaten Umfeld Rezensenten suchen.

Wer Erfolg haben möchte, muss sich aus seiner Komfortzone wagen

Versuche, Kontakt zu in der Branche ernst genommenen Bloggern aufzunehmen, deren Rezension oder Buchbesprechung einen höheren gefühlten Wert hat, als eine Rezension aus dem (anonymen) privaten Umfeld.
Insbesondere, wenn du fremde Personen um Feedback bittest, kannst du natürlich auch eine negative Rezension erhalten. 63% der Autoren verneinen trotzdem die Frage, ob sie lieber keine Bewertung an Stelle einer negativen Bewertung hätten.

Frag dich einmal selber, wie du Kaufentscheidungen im Internet triffst. Ich schaue mir bei unbekannten Artikeln fast immer die Bewertungen an und treffe meine Kaufentscheidung danach. Wenn schon viele Bewertungen abgegeben wurden, erhöhe ich meine Aufmerksamkeit automatisch.

Kein Weg führt an Social Media vorbei

81% der im Rahmen der Studie befragten Autoren sind der Meinung, dass die Nutzung einer Social Media Plattform für einen erfolgreichen Autor sehr wichtig ist. Auch hier steigt der Glaube in diese Art der Marketing-Maßnahmen mit steigenden Verkäufen. Denn 68% der Autoren, die in den vergangenen 12 Monaten mit ihren Büchern mehr als 5.000 Dollar verkauften, glauben an die Effektivität einer Autoren-/Buchseite auf Facebook. Bei den Autoren, die weniger als 100 Dollar verdienten sind es immerhin noch 56%. Viele Autoren beginnen mit Social-Media Werbung bereits vor der Buchveröffentlichung.

Welche dieser Maßnahmen nutzen deutsche Self-Publisher?

Leider gibt es keine Studie, die 1:1 die Punkte der in den USA erhobenen Daten abfragt, so dass wir an dieser Stelle keine direkte Gegenüberstellung der Zahlen vornehmen können. Dennoch gibt es auch im deutschsprachigen Raum regelmäßig Umfragen zu den von Selfpublishern eingesetzten Marketing-Maßnahmen. Aus der Europäischen Self-Publishing Umfrage 2019 geht hervor, dass die Wichtigkeit von einer Zusammenarbeit mit Buch-Bloggern von deutschen Self-Publishern ebenfalls erkannt wurde. Denn 81% erachten die Zusammenarbeit mit Bloggern als wichtig, jedoch kooperieren erst 32% der Autoren mit Bloggern. Ähnlich wie in den USA zeigt sich aber auch hier, dass insbesondere diejenigen unter den Autoren mit Bloggern zusammenarbeiten, die höhere Einnahmen mit den Buchverkäufen erzielen.

Rezensionen spielen auf dem deutschen Markt noch keine große Rolle

Schauen wir uns die Marketingmaßnahmen deutschsprachiger Autoren an. Insbesondere soll der Fokus auf die bereits erwähnten Maßnahmen aus den USA liegen.

Deutschsprachige Autoren sind bei der Nutzung der Marketingmaßnahmen noch eher zurückhaltend. Einzig die Nutzung von Lesungen hat den gleichen Stellenwert in den USA. Zwar geben diese Zahlen keinen Aufschluss über Rezensionen, die im privaten Umfeld generiert werden, allerdings nutzt nur etwa ein Drittel der deutschen Autoren den professionellen Versand von Rezensionsexemplaren. Auch Pressearbeit und Buchtrailer werden von nur wenigen Autoren genutzt. Hier findest du die wichtigste Instrumente zum Buch-Marketing.

Marketingmaßnahmen deutschsprachiger Autoren

Die häufigsten Fragen


Welches Marketing machen erfolgreiche Selfpublisher?

Erfolgreiche Self-Publishing-Autoren in den USA verwenden im Schnitt 5,3 unterschiedliche Marketingmaßnahmen, um ihre Bücher zu vermarkten. Die am häufigsten genutzte Marketingmaßnahme ist das Einwerben von Rezensionen durch z.B. Blogger oder andere Literaturkritiker.

Wie viele Self-Publishing Bücher werden pro Jahr veröffentlicht?

In den USA werden pro Jahr mehr als 1,7 Mio. Self-Publishing Bücher veröffentlicht. Im deutschsprachigen Buchmarkt sind es nur knapp 100.000. Auf je 100.000-Einwohner bezogen werden in den USA 513 Bücher im Self-Publishing veröffentlicht. In Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen nur 98.

Wie viele gedruckte Bücher werden pro Jahr gekauft?

In 2020 werden in den USA ca. 720 Mio. gedruckte Bücher verkauft. Im deutschsprachigen Buchmarkt sind es ungefähr 350 Mio. Auf die Bevölkerung bezogen kauft jeder Mensch 2,2 Bücher pro Jahr. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind es 3,44 Bücher pro Jahr pro Einwohner.

Wie entwickelt sich der Buchmarkt?

Der deutschsprachige und US-Buchmarkt entwickeln sich konträr. In den USA ist der Buchmarkt von 2012 bis 2020 um 25% gewachsen. Der deutschsprachige Buchmarkt hingegen schrumpfte im gleichen Zeitraum um 12%.

1 Antwort
  1. Andreas sagte:

    Bestseller-Autor Hugh Howey lässt seit einiger Zeit regelmäßig ermitteln, wie sich Umsatz- und Verdienstanteile von Verlagen und Indies in den USA entwickeln. Gerade erschien wieder ein neuer Authorearnings-Report. Ein paar Zahlen daraus:

    Nach Verkaufszahlen stieg der Self-Publishing-Anteil bei Amazon von Februar bis April von 27 auf 30 Prozent.
    Nach Umsätzen stieg der Anteil der Großverlage im selben Zeitraum von 53 auf 54 Prozent, der der Indies von 15 auf 16 Prozent.
    Ursache dafür ist ein leichter Preisanstieg: im Mittel kosten Verlags-eBooks 3 Prozent mehr, Indie-Titel 1 Prozent mehr.
    An den Gesamtumsätzen haben Indie-Autoren nun 37 Prozent Anteil, Verlagsautoren 39 Prozent.

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