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Druckfrisch: Die neue Autorenbroschüre von tredition

Autorenbroschuere_Cover_kleinDruckfrisch und pünktlich zur Frankfurter Buchmesse: tredition freut sich, neuen Autorinnen und Autoren auf der weltgrößten Bücherschau eine schmucke Broschüre zu präsentieren, in der unsere Leistungen für die Buchveröffentlichung im Detail erläutert werden.

Welche einzelnen Schritte umfasst die Publikation eines Buches bei tredition? Was müssen Autoren bei der Vorbereitung Ihrer Dateien beachten? Wie lange dauert es, bis ein Buch im Handel ist und wo sind die Titel von tredition verfügbar? Wie wird die inhaltliche Qualität der Werke sichergestellt? Wie kommt der Buchvertrag zustande? Diese und viele weitere Fragen werden in unserer neuen Broschüre auf 24 Seiten anschaulich beantwortet.

Ganz neu und besonders interessant für alle technikscheuen Autoren: In Kürze wird es möglich sein, mit dem eigens von tredition entwickelten Online-Konverter Manuskripte aus verschiedenen Ausgangsformaten in ein korrekt gesetztes, druckfähiges Buch umzuwandeln. Auch dies wird in unserer Broschüre (und hier auf tredition.de) erläutert.

Angehende Autoren können sich zudem von den Erfolgsgeschichten einiger tredition-Autoren inspirieren lassen – ob Philipp Winterberg, der mit „Jakobsweg im Smoking“ einen außergewöhnlichen Travel Guide verfasst hat, Yvonne Holthaus, deren fesselndes Familienschicksal Leser und Publikumspresse fasziniert oder Götz Hintze, der mit dem „Rocklexikon der DDR“ eine wahre Schatztruhe für Musikfans vorgelegt hat.

Besuchen Sie uns auf der Frankfurter Buchmesse vom 8. bis 12. Oktober – dort werden wir unsere Broschüre erstmals vorstellen und verteilen!

Erfolgskonzept Autorenwettbewerb: Im Gespräch mit Marcello Vena von der RCS Mediagroup, Italien

Der Maestro in puncto AutorenwettbewerbMarcello Vena leitet das Digitalgeschäft der italienischen Verlagsgruppe RCS Libri, zu der u.a. die Verlage Rizzoli, Bompiani und Fabbri Editori gehören. Er blickt auf 17 Jahre Erfahrung im Digitalgeschäft in unterschiedlichen Branchen und Ländern Europas, der USA und Asien zurück.

indition: Dieses Jahr veranstaltet der zur RCS Mediagroup gehörende Rizzoli-Verlag einen Literaturwettbewerb in Kooperation mit Kindle Direct Publishing und dem auf Social Reading spezialisierten Startup 20lines. Welches Ziel verfolgen Sie mit der Aktion?

Marcello Vena: Mit BigJump wollen wir Self-Publishing-Titel „casten“, die das Potenzial für eine Veröffentlichung in unserem Verlagsprogramm haben. Dabei beziehen wir die Lesermeinungen vom Portals 20lines mit ein und wählen den Gewinner aus den zehn beliebtesten Titeln in drei Kategorien (Thriller, Liebesroman, Historienroman). Der Wettbewerb ist ein innovativer Mix aus Crowdsourcing und dem klassischen verlegerischen Auswahlprozess. Schon in den vier ersten Wochen nach Start des Wettbewerbs sind über 250 Bücher eingereicht worden.

indition: 2013 haben Sie bereits einen Autorenwettbewerb unter dem Titel „You Crime“ durchgeführt. Was war das Konzept des Wettbewerbs?

Vena: Wir haben die Kurzgeschichten von zwölf jungen, unbekannten Autoren zusammen mit vier Geschichten von populären italienischen Autoren als e-Books veröffentlicht. Die teilnehmenden Nachwuchsautoren wurden aufgefordert, über Social Media für die e-Books zu werben. Der Gewinner wurde anhand eines Online-Votings der Leser ermittelt. Alle vier e-Books gehörten zu den bestverkauften aus unserem Verlag.

indition: Worauf führen Sie den Erfolg von „You Crime“ zurück?

Vena: Es gibt mehrere wichtige Erfolgsfaktoren. Lassen Sie mich nur einige davon nennen: Das richtige Team, die dahinterstehende Organisation durch unser Unternehmen, hochwertige Inhalte, vier bekannte Autoren als Mentoren, zwölf digital versierte Teilnehmer, die sich mit Onlinemarketing auskennen, unsere Medienpartnerschaft mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“, unsere Marketingmaßnahmen und das Wettbewerbsformat als solches.

indition: Unter welchen Voraussetzungen ist Innovation dieser Art in Verlagen möglich?

Vena: Radikale Innovation ist immer ein schwieriger Prozess und zwar in jeder Branche und in jedem Land. Das kann ich aus persönlicher Erfahrung nach fast 15 Jahren in verschiedenen Wirtschaftszweigen sagen. 2011 kam ich zu RCS Libri, um das Digitalgeschäft neu aufzubauen – ohne jegliche Erfahrung im Verlagswesen. Innovation hängt nicht nur von kreativen Strategien und deren perfekter Umsetzung ab. Es geht in erster Linie um qualifiziertes Personal und eine entsprechende Unternehmenskultur. Deshalb fällt es traditionellen Unternehmen schwer, innovativ zu sein: Sie brauchen die richtigen Talente, Kompetenzen, Partnerschaften und Ressourcen zum richtigen Zeitpunkt.

indition: Wie lassen sich traditionelles Verlagswesen und Self-Publishing kombinieren?

Vena: Wir haben bei uns den Begriff „Co-Publishing“ als Bezeichnung für einen Mittelweg zwischen beiden Publikationsformen eingeführt. „YouCrime“ ist ein Beispiel dafür. Die Kernidee ist, dass sowohl Autoren als auch Verlage in die Vermarktung der Bücher investieren. Sinnvoll ist das natürlich vor allem für neue Autoren. Co-Publishing ermöglicht es Verlagen, das Investment in neue Autoren zu reduzieren und zugleich mehr neue Autoren pro Jahr mit den gleichen Ressourcen zu etablieren. Jenseits solcher inhaltebasierten Formen des Co-Publishing gibt es noch weitere Möglichkeiten – beispielsweise ein Imprint, mit dem traditionelle Verlage und Start-ups gemeinsam Buchprojekte fördern. Der Spielraum an Ideen ist groß. Ich sage immer: „Die Zukunft ist nicht vorhersehbar aber sie kann erfunden werden.“ Es kommt darauf an, Visionen zu haben und daraus die richtige Strategie abzuleiten.

indition: Vor welchen Herausforderungen steht das italienische Verlagswesen in den kommenden Jahren?

Vena: Verlage müssen sich zu digital hochprofessionell agierenden Unternehmen entwickeln. Das gilt für alle Arbeitsbereiche vom Vertrieb über Marketing und Herstellung bis zum Rechnungswesen und dem Rechts- und Lizenzbereich. Das Digitalgeschäft beschränkt sich ja nicht auf das Ausgabeformat e-Book. Vielmehr bedeutet es, rund um die Uhr Autoren und Leser über jeden Weg, jede Dienstleistung und jede mögliche Technologie zu erreichen – online und offline. Das ist leichter gesagt als getan und wir durchlaufen einen kontinuierlichen Lernprozess. Letztlich muss das Digitale so selbstverständlich werden, dass es nur noch für die IT-Experten im Verlag ein Gesprächsthema ist. Ich erhoffe mir einen Buchmarkt, in dem das digitale Publizieren die Grundlage des Verlagswesens an sich wird und aus unserem Vokabular verschwindet; so dass wir einfach nur über das Verlegen an sich sprechen: Inhalte, Autoren und Leser.

In medias res: Wie lernt sich’s in der Autorenschule?

Man lade Hobbyschreiber und Self-Publisher in die Autorenschule ein und feile an ihren schriftstellerischen Fähigkeiten – et voilà, so lassen sich vielversprechende Talente für das eigene Programm gewinnen. Ein Einblick in die Schreibwerkstätten von Bastei Lübbe und Rowohlt.

Die Schulbank drücken in der AutorenschuleHast Du etwa nicht den zweiten Teil von „Faust“ gelesen? Wie antwortet man auf diese Frage, ohne vor einem Schöngeist so richtig blöd da zustehen? Vielleicht zitiert man am besten Harry aus dem Film „Harry und Sally“: „Wenn ich mir ein neues Buch kaufe, lese ich die letzte Seite zuerst. Falls ich sterbe, bevor ich fertig bin, kenn’ ich wenigstens das Ende.“ Derlei Tipps für Bildungsmuffel und Halbwisser sind zahlreich im Ratgeber „Doof it yourself“ zu finden, den das Autorenduo Anne Weiss und Stefan Bonner 2010 herausgab. Hinter den Pseudonymen verbergen sich die einstigen Bastei Lübbe-Lektoren Ann-Kathrin Schwarz und Jan F. Wielpütz. Beide leiten seit 2013 gemeinsam die Bastei Lübbe Academy, eine neue TAutorenschule der Kölner Verlagsgruppe. Gewitzte Ratschläge, fehlendes Wissen elegant zu überspielen, sind freilich in Schreibseminaren für Autoren nicht angebracht. Humor aber in jedem Fall. „Jeder Kursteilnehmer soll auf seinen Text ein persönliches Feedback von uns bekommen. Das geht nur in einer vertrauensvollen Atmosphäre“, sagt Ann-Kathrin Schwarz.

Autoren wollen sich professionalisieren

Seit die Bastei Lübbe Academy als erste verlagseigene Autorenschule Anfang des Jahres ihre Pforten öffnete, haben etwa 200 lernwillige Schreiberlinge an den Seminaren teilgenommen – darunter Schnupperkurse für blutige Anfänger ebenso wie genrespezifische Seminare, in denen prominente Autoren wie Michael Peinkofer, Richard Dübell oder Andreas Eschbach ihre Expertise zu Fantasy, Spannung und Historienroman einbringen. Einmal abgesehen von den Einnahmen, die Bastei Lübbe dabei erzielt (je nach Seminartyp 99 bis 499 Euro pro Teilnehmer) ist es das langfristige Ziel des Verlages, über die Autorenschule talentierte Schreiber für das eigene Programm zu gewinnen. In zweierlei Hinsicht ist dies eine Reaktion auf den Trend zum Self-Publishing. „Verlage haben ein begrenztes Programm, insofern ist es nachvollziehbar, dass sich bereits viele Dienstleister für Self-Publishing im Markt etabliert haben“, sagt Ann-Kathrin Schwarz. „In einem sich wandelnden Markt steigt auf Autorenseite das Bedürfnis, sich weiter zu professionalisieren“, stellt sie fest. So nehmen in den Kursen viele Autoren teil, die Bücher selbst verlegt haben oder dies vorhaben, aber zugleich die Chance auf das Feedback erfahrener Lektoren und Autoren nutzen wollen.

Lust statt Frust

Als Ann-Kathrin Schwarz vor zehn Jahren in die Buchbranche einstieg, wurden in den Verlagen meist noch Absageschreiben an Autoren versandt, wenn ihre Manuskripte nicht auf Interesse stießen. Heute gibt es in solchen Fällen aus Kapazitätsgründen meist gar keine Reaktion der Verlage mehr. „Nichts ist frustrierender für einen Autor als keinerlei Feedback auf den eigenen Text zu erhalten“, befindet die Academy-Leiterin. Teilnehmer der gattungsspezifischen Seminare reichen vor dem Kursbeginn Exposés mit ihrer jeweiligen Romanidee ein, die dann im Seminar en détail besprochen werden. Hinzu kommen praktische Übungen, etwa das Verfassen von Klappentexten oder der Umgang mit Handlungsstrukturen und Figurenkonstellationen. „Im ersten Seminarprogramm konnten wir feststellen, dass viele Autoren dramaturgische Regeln als Einschränkung empfinden und weniger als Möglichkeit, die eigene Leistung und Kreativität noch zu steigern. Am Ende eines Seminars gibt es dann meist einen Aha-Effekt und die Teilnehmer erkennen, was mit dem eigenen Text alles möglich ist“, so Schwarz. „In Zeiten von Autorenforen und sozialen Netzwerken, in denen sich Ideen und Erfolgsbeispiele viral verbreiten, steigt diese Awareness für das Professionalisieren der eigenen Leistung und damit auch die Bereitschaft, in sie zu investieren“, ist die ehemalige Lektorin überzeugt.

Master gesucht

Das Konzept der Autorenschule ist für Bastei Lübbe bereits aufgegangen. Mehrere Kursteilnehmer wurden bereits als Autoren Schreiberlinge auf dem Weg zur Autorenschulefür digitale Serien des Verlags gewonnen – womit sich der Kreis wieder schließt. Denn die Idee für die Schreibwerkstatt entstammt der erst 2011 gegründeten Abteilung Bastei Entertainment, für die Jan F. Wielpütz als Cheflektor arbeitete. Prinzip dieser Content-Schmiede ist es, inhouse literarische Stoffe für den vornehmlich digitalen Vertriebsweg zu entwickeln. Und dafür braucht es Autoren. „Bei der Academy können wir vielversprechende Talente entdecken und unseren Lektoraten weiterempfehlen“, betont Schwarz. Um einen Autorenpool für den Verlag aufzubauen, wird auf das reguläre Seminarprogramm jetzt noch eine Masterclass aufgesetzt, für die acht Teilnehmer des ersten Ausbildungsjahrganges gescoutet wurden.

Innerhalb von zwölf Monaten schreiben die acht Autoren der Masterclass jeweils eine Folge für die digitalen Serien von Bastei Entertainment oder die Sparte der Romanhefte. Zudem entwickeln sie mit Unterstützung der Academy-Leitung sowie dem Dramaturgen Oliver Schütte und dem Bestsellerautoren Mario Gioardano ein Romanprojekt bis zur Marktreife. Schlussendlich werden die einzelnen Projekte den Lektoren von Bastei Lübbe vorgestellt, die darüber entscheiden, ob sie eine der Stories in das Verlagsprogramm aufnehmen – falls nicht haben die Teilnehmer ein fertiges Projekt in der Tasche, mit dem sie sich bei anderen Verlagen bewerben können. „Die Masterclass ist ein Pilotprojekt und für die Teilnehmer derzeit gratis. Wenn weiterhin große Nachfrage besteht, werden wir sie regelmäßig durchführen und mit einem Auswahlverfahren für talentierte Autoren öffnen“, kündigt die Academy-Leiterin an.

Wer schreibt den besten Krimi?

Eine Initiative vergleichbarer Art unternahm im November 2013 auch der Reinbeker Rowohlt Verlag. Im Rahmen einer dreitägigen Krimischule erhielten zehn Autorinnen und Autoren Tipps zum Verfassen eines spannenden Romanes. „Die Idee wurde im März geboren. Wir waren der Meinung, dass es sicher eine Menge talentierter Leute gibt, die nur ein bisschen Unterstützung brauchen, um ein interessantes Manuskript zustande zu bringen“, berichtet Bernd Jost, der gemeinsam mit Lektorin Nina Grabe die Krimischule durchführte. Die Qualität der insgesamt 400 Einsendungen sei erstaunlich hoch gewesen, zentrale Maßstäbe waren für Jost und Grabe dabei die Originalität der Story und die stilistische Qualität. „Während des dreitägigen Seminars haben wir alle für einen Roman wichtigen Elemente behandelt wie Exposé, Plot-Konstruktion, Figurencharakterisierung, Dialog, Romananfang, Titel wie auch die Kriterien der Lektoren und die Situation auf dem Buchmarkt besprochen.

Die Arbeit mit den Autoren war sehr angenehm, weil alle sehr viel Engagement gezeigt haben und ihren Texten kritisch gegenüberstanden, so dass wir jetzt auf die fertigen Manuskripte sehr gespannt sind“, so Jost. Einer der Romane wird im Programm von Rowohlt veröffentlicht werden. Die im November veranstaltete Krimischule war nicht das erste Seminar von Bernd Jost. Schon in früheren Jahren führte er diverse Seminare dieser Art für die Bertelsmann-Stiftung durch und entdeckte dabei unter anderem die heutige Historienroman-Autorin Petra Oelker. „Sie hatte sofort großen Erfolg, der bis heute angehalten hat“, stellt Bernd Jost fest.

Die Autorenschule inspiriert auch die Lehrenden

Während Bastei Lübbe mit großen Erwartungen die erste Masterclass durchführt, so ist auch Rowohlt gewillt, eine weitere Krimischule durchzuführen. Folgen weitere Verlage diesen Beispielen, könnte das die Kultur des Creative Writing – die in Deutschland weit weniger ausgeprägt ist als im englischsprachigen Raum – vitalisieren. Nicht umsonst werden Ann-Kathrin Schwarz und Jan F. Wielpütz, an der Bastei Lübbe Academy künftig auch ein Seminar unter dem Titel „Romanwerkstatt“ anbieten, dessen Lehrinhalte bewusst nicht an ein spezifisches Genre gebunden sind.

Die kreative Arbeit mit den Kursteilnehmern wirkte nicht zuletzt auch auf die Academy-Leiter inspirierend. Nicht, dass ein Kursteilnehmer zu einer -teilnehmerin in heißer Liebe entbrannt wäre und daraus nun ein Liebesroman entstünde. Vielmehr regten die auf Belletristik ausgerichteten Seminare das Autorenduo dazu an, ihr nächstes gemeinsames Sachbuch erzählerischer zu gestalten. Im September 2014 wird es erscheinen. Wie sagte schon Seneca: „Beim Lehren lernt man.“

Editorial: Wenn talentierte Autoren anklopfen

Berichten über Strategien, talentierte Autoren zu entdecken: Sönke Schulz und Sandra Latußeck

Seit 2006 Spezialisten für Self-Publishing: Die tredition-Geschäftsführer Sönke Schulz und Sandra Latußeck

Wie viele unverlangt eingesandte Manuskripte landen jährlich im Briefkasten nur eines deutschen Verlages? Bis zu 5.000 zählt der Suhrkamp Verlag, nicht weniger als 10.000 sind es allein bei den S. Fischer Verlagen. Diese Buchprojekte ausführlich zu sichten, ist völlig undenkbar und selbst das Querlesen der eingereichten Texte samt Rückantwort an die (potenziell) talentierten Autoren rauben Verlagen wertvolle Kapazitäten.

Dem Trend folgen

Während die große Mehrheit der Manuskripte auf dem Ablagestapel der Lektorate landet oder sofort abgelehnt wird, bleibt den talentierten Autoren die Möglichkeit, über Self-Publishing ihr Buch auf den Markt zu bringen – und dieser Weg wird zunehmend oft eingeschlagen. Bereits jetzt beträgt der Anteil des Self-Publishing gemessen an den Neuerscheinungen rund 19 Prozent am gesamten Buchmarkt in Deutschland. Getreu eines Zitates des Werbeberaters Karl-Heinz Karius – „Talent ist nur der Fahrplan für die Reise. Das Ticket muss man selber lösen“ – versuchen talentierte Autoren ihr Glück ohne einen renommierten Verlag. Weshalb aber sollte nicht der Verlag selbst dem Autor „das Ticket“ zur Verfügung stellen, um unmittelbar am wachsenden Segment des Self-Publishing teilzuhaben?

Talentierte Autoren stehen für Qualität

Wie Verlage den Kostenfaktor der Manuskriptbearbeitung in ein gewinnbringendes Geschäft umwandeln können, erläutern wir in dieser Ausgabe von indition. Dabei stellen wir ein Geschäftsmodell vor, das Self-Publishing und traditionelles Verlagswesen miteinander verknüpft. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Der berechtigte Anspruch der Verlage, das eigene Programm stets um talentierte Autoren und qualitativ hochwertige ebenso wie potenziell umsatzstarke Titel zu bereichern, ist Kern des auf den folgenden Seiten erläuterten Konzeptes.

Self-Publishing ist kein mediales und gesellschaftliches Einzelphänomen. Anhand von Beispielen wie Youtube, Casting-Shows im Fernsehen oder Onlinemarktplätzen für Handgemachtes zeigen wir auf, wie Verlage von Trends und Erfolgen in anderen Medienbereichen und Branchen lernen können. Darüber hinaus nimmt indition dieses Mal die Perspektive eines Autors ein, der sich nach der Herausgabe mehrerer Bücher bei traditionellen Verlagen dem Self-Publishing zugewendet hat.

Stets ist es indition auch ein Anliegen, die Strukturen und Prinzipien des Buchmarktes kritisch zu durchleuchten. Dieses Mal steht die Buchpreisbindung und deren Auswirkungen für die Marktteilnehmer im Blickpunkt des Interesses.

Auf Ihr Feedback und einen konstruktiven Austausch über schlagkräftige Strategien und Geschäftsmodelle im Buchmarkt freuen wir uns.

Die Redaktion

Copy & Paste: Weshalb Autorencasting dem Zeitgeist entspricht

Ob Youtube, Casting-Shows im Fernsehen oder Online-Marktplätze für Handgemachtes: Do-it-yourself ist ein Erfolgsphänomen des 21. Jahrhunderts – nur mit Autorencasting tun sich Verlage schwer. Dabei passt das Wachstum des Self-Publishing in der Buchbranche zum Trend der Talentschmieden und Plattformen für Hobbykünstler. Finden Verlage keine schlagkräftige Antwort darauf, gefährden sie ihre Zukunft in einem sich radikal verändernden Buchmarkt.

Autorencasting brächte Verlagen die Chance, Talente zu entdecken

Immer mehr Autoren entscheiden sich für Self-Publishing und setzen ihr Buch selbst werblich in Szene

„Jetzt muss nur noch die Arroganz gegenüber selbst publizierten Büchern überwunden werden. Und dann muss jemand anfangen, nach den Schätzen zu tauchen.“ Mit diesen Worten schließt ein Beitrag in der Wochenzeitung Die Zeit vom Januar 2013 mit dem Titel „Der Youtube-Literaturbetrieb“. Die wachsende Bedeutung des Self-Publishing im Buchmarkt, das sich parallel zu traditionell verlegten Titeln in den vergangenen Jahren einen beachtlichen Marktanteil gesichert hat, vergleicht Die Zeit mit dem Erfolg der Videoplattform Youtube. Kann dort jedermann jederzeit ein Video veröffentlichen, so gilt dies gleichermaßen für Hobbyautoren, die ihre Bücher an traditionellen Verlagen vorbei als e-Book oder gedrucktes Buch publizieren können.

Schon jetzt hat das Self-Publishing gemessen an der Anzahl jährlicher Neuerscheinungen (print) einen Anteil von 19 Prozent am deutschen Buchmarkt. Doch während der Umsatz mit Self-Publishing bisher fast gänzlich an den Verlagen vorbeigeht, ist Youtube eine Cash Cow für das Mutterhaus Google. Analysten zufolge steht das Videoportal bereits für zehn Prozent des Gesamtumsatzes des Suchmaschinenkonzerns – letzterer betrug im ersten Quartal 2013 14 Milliarden US-Dollar. Seine mobilen Werbeerlöse verdreifachte Google dank der Youtube-App im ersten Quartal 2013 auf 350 Mio. US-Dollar.

Jeder kann ein Star werden

Dass Privatpersonen sich mit ihren (vermeintlichen) Begabungen in verschiedensten Disziplinen öffentlich präsentieren – sei es, just for fun, um für kurze Zeit das Gefühl zu haben, berühmt zu sein oder den eigenen „Marktwert“ auszutesten – ist ein Phänomen der Medienlandschaft insgesamt. Casting-Shows wie „Deutschland sucht den Superstar (DSDS)“, „Germany’s Next Top Model“ oder „The Voice of Germany“, bei denen Hobbykünstler – wenn auch kurzzeitig – zu Stars werden, erlebten in den vergangenen Jahren weltweit eine Erfolgswelle. Dabei mindert es das Zuschauerinteresse keineswegs, dass kaum ein Teilnehmer von Talentshows anschließend eine erfolgreiche Karriere startet. Im Gegenteil. Es gehe schlichtweg um die „Verheißung: Jeder kann ohne Fähigkeiten ein Star sein“, so zitierte die Tageszeitung Die Welt 2008 den Medienwissenschaftler Norbert Bolz. Dementsprechend groß ist auch das Interesse, an den Shows teilzunehmen. Für die bereits neunte Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ 2012 erschienen exakt 35.401 Menschen in 33 Städten zu den Castings – das waren so viele Bewerber wie nie zuvor.

Was spricht gegen Autorencasting?

Verlage sind bisher nicht überzeugt vom Autorencasting

Die Verlagsbranche ist innovationsträge und droht, den entscheidenden Trends hinterherzuhinken

Die erste Hochphase der Casting-Shows dürfte mittlerweile vorbei sein. Verfolgten das erste Finale von DSDS noch fast 13 Mio. Fernsehzuschauer, waren es zur zehnten Staffel in diesem Jahr nur noch 4,63 Mio. Fans. Ähnlich ergeht es auch weiteren Talentformaten im TV. Dennoch steckt in dem Prinzip „Casting“ noch viel Potenzial, das die Fernsehsender in der einen oder anderen Form erfolgreich umsetzen können, wenn das Konzept stimmt. Und der Hype der vergangenen Jahre beweist, dass prominente Stars kein Must have für die erfolgreiche Etablierung umsatzstarker Sendungsformate sind. Genau das kann der Buchbranche eine Lehre sein. Während die TV-Sender den Trend der Fernseh-Talentschmieden selbst etabliert haben und die Shows obendrein kostengünstiger produzieren können als andere Serienformate, ignorieren die meisten Verlage bisher die Tatsache, dass Self-Publishing ihnen zunehmend mehr Umsatzboden entzieht. Dabei hätten sie die Chance, selbst am Segment teilzuhaben. Das unterscheidet das Self-Publishing beispielsweise wesentlich von Onlinemarktplätzen wie Dawanda und Etsy, auf denen Jedermann selbstgemachte Produkte vom Kleidungsstück bis zum Schlüsselanhänger selbst anbieten und verkaufen kann – ein Umsatz der an Herstellern und stationärem Handel vorbeigeht. Das Start-up Dawanda schreibt seit seiner Gründung 2006 eine Erfolgsgeschichte; lag der Umsatz 2010 nach Unternehmensangaben noch bei drei Mio. Euro, betrug er 2012 bereits sieben Mio. Euro.

Dass eine „Do it yourself-Strategie“ auch im Buchmarkt von Erfolg gekrönt sein kann, haben insbesondere Autoren im englischsprachigen Raum unter Beweis gestellt. Die Neuseeländerin Julie Thomas etwa, die über einen Zeitraum von sieben Jahren an ihrem detailreichen Historienroman „The Keeper of Secrets“ schrieb. Nachdem sich das von ihr als e-Book veröffentlichte Werk über 40.000 Mal verkauft hatte, erhielt sie eine E-Mail vom Senior Vice President des US-Verlags HarperCollins, welcher „The Keeper of Secrets“ in sein Programm aufnahm.

Internationalen Erfolgsbeispielen zum Trotz liegt es den Feuilletons deutscher Tageszeitungen und vielen Literaturblogs oft fern, sich Self-Publishing-Titeln zu widmen. Doch mindert das Reichweite und Verkaufserfolg der Bücher mitnichten, wenn die Autoren selbst mit intensivem Marketing über Onlineforen und Social Media den Leserkreis ausbauen. „Die traditionellen Verlage verlieren nach und nach ihre Gatekeeper-Funktion, und die Feuilletons ihre Deutungshoheit an die Crowd“, heißt es im besagten Beitrag der Wochenzeitung Die Zeit zum Thema Self-Publishing. Weshalb also fangen Verlage nicht an, Schätze zu heben?