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Eine Lesung organisieren: Autorin Regina Schlager erklärt, wie’s geht

Bild: Regina Schlager plädiert mit ihrem Buch „Mutig mit dem Herzen führen“ für ein neues Verständnis von Führung aus der Sichtweise von Frauen.

Das eigene Buch erstmals und live der Öffentlichkeit präsentieren – eine aufregende Vorstellung! Womöglich haben Sie noch gar nicht mit dem Gedanken gespielt oder aber sie würden gern eine Lesung veranstalten und haben Respekt vor der Aufgabe.

Wie dem auch sei: Ratschläge von Gleichgesinnten – also anderen Autorinnen und Autoren – zu  bekommen, ist für alle Vermarktungsmaßnahmen unverzichtbar. Diese Chance sollten Sie unbedingt nutzen. Wir sprachen mit der tredition-Autorin Regina Schlager darüber, wie sie ihre erste Lesung organisierte.

Die Autorin ist zwar aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit das Reden vor Publikum gewohnt, dennoch war es natürlich auch für sie eine Herausforderung, eine Lesung zu konzipieren. Gute Planung ist dabei das A und O. Lesen Sie im folgenden Interview selbst, wie Regina Schrader dabei vorging und was sie ihren Autorenkolleginnen und -kollegen im Einzelnen empfiehlt.

Viel Freude bei der Lektüre!

 

So organisieren Sie Ihre Lesung – Tipps von Regina Schlager

Von der Idee zum Buch

tredition: Wie kam es zur Idee für Ihr Buch?

Lesung-Regina-Schlager-Auftakt-Oktober-2017

Bild: Im Oktober 2017 fand Regina Schlagers erste Dialoglesung zu ihrem Buch »Mutig mit dem Herzen führen. Gespräche mit Frauen, die ihre Berufung gestalten« statt.

Regina Schlager: 2015 habe ich eine Online-Konferenz veranstaltet. Ich führte eine Woche lang Gespräche mit Coaches, Beraterinnen und Therapeutinnen zum Thema Berufung. Sie erzählten aus ihrem Leben und gaben Hinweise, was bei der Gestaltung des eigenen Weges aus ihrer Sicht hilfreich ist. Ich bekam von vielen Zuhörerinnen das Feedback, dass die Interviews ermutigend und bestärkend waren. Das inspirierte mich dazu, die Beiträge auch in Buchform anzubieten. Im Buch wollte ich mich auch selbst mehr mit meiner eigenen Stimme einbringen als bei der Konferenz. So verfasste ich einleitende Kapitel, die einen Rahmen und roten Faden bieten.

tredition: Wann haben Sie angefangen, die ersten Lesungen zu organisieren?

Regina Schlager: Ich überlegte mir vor der Veröffentlichung, ob ich eine Buchpremiere veranstalten will. Doch es kam so viel zusammen: die Fertigstellung des Buches neben meiner Coachingtätigkeit war schon ziemlich anspruchsvoll. Ich setzte andere Marketingschwerpunkte und entschied vorerst für mich, keine Lesungen zu veranstalten. Was bald nach der Veröffentlichung stattfand, war ein Podiumsgespräch mit einer der Gesprächspartnerinnen aus dem Buch zu einem thematischen Aspekt. Da wurde ich eingeladen. Ich habe das Thema Lesung aber nicht aus den Augen verloren.

Vor ein paar Monaten war mir plötzlich klar, dass es jetzt soweit ist. Ich machte mich daran, meine erste Lesung zu organisieren. Und plötzlich war auch der Geistesblitz da: »Das wird eine Veranstaltungsreihe!«, in Form einer Mischung aus Lesung und Dialog, zu den verschiedenen Aspekten, die im Buch aufgezeigt werden. So ist das Thema beim Auftakt am 5. Oktober „Achtsamkeit mit Fokus Frausein in der Wirtschaft“. Die nächste Lesung habe ich bereits für 31. Januar fixiert, zum Thema „Charismatisches Auftreten“.

Planung und Organisation einer Lesung

tredition: Wie sollte ein Autor bei der Planung und Organisation einer Lesung vorgehen?

Lesung-Regina-Schlager-Oktober-2017

Bild: Das Aletheja – Center of Creativity in der Trittligasse in Zürich bot einen geschmackvollen und angenehmen Rahmen für die Lesung von tredition-Autorin Regina Schlager.

Regina Schlager: Ich empfehle, eine To-Do-Liste zu führen, beispielweise tue ich dies in meinem Textverarbeitungsprogramm. Zunächst halte ich in einem Dokument Ideen und Fragen fest und ergänze das auch laufend. Zusätzlich führe ich eine Presseverteiler-Liste in Excel. Und ich habe mit Trello ein Online-Tool, das sich gut fürs Projektmanagement eignet. Wichtige Termine und Fristen halte ich in meinem Online-Kalender fest, sodass ich nichts aus den Augen verliere.

Wichtig finde ich, bei den Marketingaktivitäten Prioritäten zu setzen: Was will ich tun, was ist auch realistisch angesichts der Zeit, die mir zur Verfügung steht? Was hat die größere Wirkung? Was macht mir Freude?

tredition: Welche Aspekte muss ein Autor bei der Organisation einer Lesung beachten?

Regina Schlager: Da gibt es im Einzelnen folgende Punkte zu beachten:

Die Zielgruppe: Wen will ich mit der Lesung erreichen? Das kann dann auch schon ein Faktor für den Veranstaltungsort sein.

Der Organisator: Will ich die Lesung selbst organisieren – oder gibt es vielleicht eine Institution, für die das interessant sein könnte und die mich zu einer Lesung einlädt?

Welche Kontakte habe ich bereits, durch die sich wertvolle Synergien ergeben?

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Bild: Vorab gilt es festzulegen, wie man die Lesung gestalten und durchführen will, also welche Textstellen gelesen werden, ob die Zuschauer mit eingebunden werden sollen etc.

Welche Atmosphäre will ich? Ich habe mich zum Beispiel für meine ersten beiden Lesungen für einen eher kleinen Rahmen entschieden. Der Platz ist auf 20 Teilnehmer beschränkt. Ich habe über einen Kollegen einen sehr schönen Raum mitten in der Altstadt von Zürich mieten können, den ich selbst schon von Veranstaltungen kenne. Die Zusammenarbeit mit dem Kollegen rund um die Lesung läuft sehr kollegial und unkompliziert ab, das erleichtert mir den Einstieg in die Lesungen. Ich spreche momentan vor allem Leute an, die mich bereits kennen: aus meinem Netzwerk, Kunden, Kollegen, Freunde und Bekannte, von denen ich weiß, dass sie das Thema interessiert.

Dann gilt es natürlich zu beachten, wie man die Lesung gestalten will: Welche Passagen, wie viel soll gelesen werden? Werden die Zuhörer in irgendeiner Form eingebunden? Gibt es vielleicht auch ein Rahmenprogramm, z.B. Musikeinlagen? Biete ich Getränke oder sogar kleine Snacks an?

Wie möchte ich das Buch nach der Lesung präsentieren? Wie viele Exemplare liegen aus (die muss ich vorher bestellen)? Biete ich nach der Lesung an, Bücher zu signieren?

Wieviel Budget steht zur Verfügung? Das ist natürlich ein entscheidender Faktor. Verlange ich einen Eintrittspreis?

Möchte ich, dass sich die Leute anmelden? Wenn ja, wie? Ich selbst benutze mit Eventbrite ein Tool, wo man sich online anmelden kann. So habe ich einen Überblick, wann die 20 Teilnehmer erreicht sind. Und ich kann ihnen auch Erinnerungsmails schicken.

Fehler vermeiden – aber wie?

tredition: Welche Fehler sollte ein Autor unbedingt dabei vermeiden?

Regina Schlager: Gar nicht einfach zu sagen. Ich bin ja auch erst am Ausprobieren und komme sicherlich noch auf Dinge, die sich nicht bewährt haben. Auf keinen Fall sollte man bei der ersten Lesung zu hohe Erwartungen haben. Nur weil ich eine Lesung ankündige, drängen sich nicht unbedingt hunderte Menschen in einen Riesensaal, den ich teuer angemietet habe. Nicht ausgeschlossen, dass das passieren kann, sehr häufig aber wird der Andrang anfangs nicht so groß sein. Zudem ist es ein Irrglaube, dass beispielsweise eine einmalige Ankündigung der Lesung auf Facebook als Marketing ausreicht. Die Werbetrommel muss vielseitiger und lauter auf möglichst vielen Kanälen gerührt werden, damit viele Menschen auf die Veranstaltung aufmerksam werden.

Lesung-Regina-Schlager-Aletheja-Klangschale-Oktober-2017

Bild: Es ist wichtig, dass Sie bei der Organisation Ihrer Lesung die Werbetrommel auf möglichst vielen Kanälen rühren.

Der Tag der Lesung 

tredition: Was ist am Tag der Lesung besonders wichtig?

Regina Schlager: Es ist wichtig, am Tag der Lesung nicht noch zu vieles organisieren zu müssen. Am besten rechtzeitig und möglichst entspannt zur Lesung gehen. Aufregung ist sicherlich für jeden dabei. Ein wenig Bewegung, Atem- oder Stimmübungen, vielleicht auch Momente der Stille und Sammlung helfen hier.

Wenn man großes Lampenfieber hat oder eine sehr unsichere Stimme, dann kann auf Dauer z.B. Stimm- oder Auftrittstraining unterstützen. Es könnte auch sein, dass die Stimme beim Lesen sehr schnell ermüdet, man das Gefühl hat, zu leise zu sprechen oder zu undeutlich. Die wenigsten sind hier die geborenen Profis, hier ist Entwicklung erlaubt. Man muss sich nicht verstellen: Man kann authentisch sein und sich gleichzeitig weiterentwickeln, das schließt sich nicht aus.

Nicht vergessen, wichtige Materialien mitzunehmen: Buchexemplare, falls vorhanden Flyer oder Visitenkarten.

Nach der Lesung: Nicht zu kritisch sich selbst gegenüber sein. Sich feiern, dass man die Lesung abgehalten hat. Vielleicht mit anderen gemeinsam feiern. Aus der Erfahrung lernen.

Über die Autorin

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Bild: Regina Schlager im Gespräch mit einer Zuhörerin bei einer Lesung.

Regina Schlager, geboren 1970 in Wien, studierte Germanistik und Philosophie. Sie hat langjährige Erfahrung im Wissensmanagement, Learning und Development, sowohl in einem mittelständischen als auch einem internationalen Beratungsunternehmen. Eine gesundheitliche Krise im Jahr 2006 öffnete für sie eine intensive Phase der Neuorientierung. Sie zog nach Zürich und machte sich hier 2012 mit ihrem eigenen Unternehmen selbständig.

Heute unterstützt sie als zertifizierter Businesscoach, Berufungscoach und Embodied Life Guide Menschen dabei, in Kontakt mit sich selbst und ihrer Berufung zu kommen. Ein besonderes Anliegen ist es ihr, den Wandel zu sinnvoller Arbeit, Zusammenarbeit und Führung mitzugestalten. Mutig und mit Herz.

2015 gründete und organisierte sie die erste Online-Berufungskonferenz, schreibt regelmäßig in ihrem Blog und gibt den Podcast »Berufung gestalten. Selbst, Sinn, Leadership« heraus.

Deborah Klein PR

Branchenexperten im Interview: Deborah Klein gibt Tipps zur Buch-PR

Deborah Klein PR

Bild: PR-Beaterin Deborah Klein greift Autoren in Sachen PR unter die Arme. Foto Copyright: Deborah Klein

Deborah Klein ist freie PR-Beraterin mit Sitz in Hamburg. Nach Stationen in PR-Agenturen war sie einige Jahre als Pressesprecherin im Verlags- und Selfpublishing-Bereich tätig. Die gebürtige Berlinerin berät vor allem Autoren, Verlage und mittelständische Unternehmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Ihr besonderer Schwerpunkt gilt der Buch-, Autoren- und Verlags-PR. Dabei leitet sie stets ihre Leidenschaft für Sprache und Kommunikation.

Wir haben mit der PR-Expertin über Buch-PR, die Entwicklung des Self-Publishing- und Buchmarkts gesprochen – und darüber, was Autoren noch in Bezug auf die Pressearbeit lernen können.

 

 

„PR sollte immer ganzheitlich betrachtet werden, um keine öffentlichkeitswirksamen Gebiete zu vernachlässigen. Der professionelle Gesamtauftritt ist essentiell, wenn es um eine erfolgreiche Außenpositionierung geht.“

 

tredition: Liebe Frau Klein, wie sind Sie zur PR-Arbeit gekommen und was macht für Sie den Reiz Ihrer Arbeit aus?

Deborah Klein: Meinen Einstieg in den PR-Bereich habe ich nach einer Ausbildung beim Radio begonnen. Ich kam also aus dem journalistischen Bereich, der tagtäglich mit PR-Themen versorgt wird. Nach einigen Jahren beim Radio wollte ich mich weiterentwickeln und entschied mich, in den PR-Bereich zu wechseln. Interessant fand ich dabei, dass PR weiterhin eine Schnittstelle zum Journalismus bot und mir dennoch neue Aufgabenbereiche eröffnete. Nach Stationen im PR-Agenturbereich bin ich in den Unternehmensbereich gewechselt, um näher an den Prozessen und der Unternehmenskultur zu sein. Ich baute den PR-Bereich von zwei Startups des Holtzbrinck Verlages auf. Im Jahr 2012 zog ich nach Hamburg und etablierte mich als Pressesprecherin bei der libri-Tochter Books on Demand. Während meiner Zeit als Pressesprecherin bemerkte ich den großen Bedarf an qualifizierter PR-Arbeit für Self-Publisher, der nicht ausreichend versorgt wurde. Dies war einer meiner Beweggründe, mich als freie PR-Beraterin selbstständig zu machen, mit dem Knowhow und Schwerpunkt auf Autoren, Verlagen und Agenturen.

tredition: Welche Unterstützung können Sie Autoren geben, welche Services bieten Sie für Autoren/innen an?

Deborah Klein: Ich stehe als Ansprechpartnerin in allen Belangen der Öffentlichkeitsarbeit für Autoren zur Verfügung. Dabei garantiere ich meinen Kunden immer einen Gesamtblick, weniger einen Tunnelblick auf einzelne Bereiche. PR sollte immer ganzheitlich betrachtet werden, um keine öffentlichkeitswirksamen Gebiete zu vernachlässigen. Der professionelle Gesamtauftritt ist essentiell, wenn es um eine erfolgreiche Außenpositionierung geht. Dennoch liegt der Fokus der Autoren ganz klar auf der klassischen Pressearbeit, sowohl für den Autor als Person als auch für das Buch als Thematik. Gemeinsam mit dem Autor entwickele ich einen Fahrplan, um mit einem interessanten, journalistischen Aufhänger die Medien zu überzeugen und die Zielgruppe zu erreichen. Dabei gibt es keinen Masterplan, der auf Abruf bereit steht. Jeder Autor bringt eigene Bedürfnisse mit, jedes Buch bringt individuelle Chancen und Risiken mit sich. Jeder Kunde wird demnach individuell betrachtet und betreut.

tredition: Ist Ihre Arbeit auf verschiedenen Genres beschränkt?

Deborah Klein PR Beratung Autoren

Bild: PR-Beraterin Deborah Klein unterstützt Autoren bei der Buch-PR Foto Copyright: Deborah Klein

Deborah Klein: Nein, meine Leistung und Erfahrung ist absolut auf kein Genre begrenzt. Ob ein klassischer Roman, ein informatives Sachbuch oder ein Thriller mit Science-Fiction-Elementen, ich begegne jedem Buchwerk offen und neutral. Das ist wichtig, um auch auf dem aktuellen Stand zu bleiben und nicht in die Routine zu verfallen. Im PR-Bereich wäre dies fatal. Wichtig und entscheidend sind für mich die Qualität und die Motivation des Buches, die für mich verständlich und greifbar sein müssen. Nur dann kann ich eine authentische Repräsentanz des Buches und Autors sicherstellen.

tredition: Was sind aus Ihrer Erfahrung her Möglichkeiten, Chancen und Risiken von (Buch)-PR?

Deborah Klein: Buch-PR ist in meinen Augen ein Grundstein, um das Buch bekannt zu machen. Der Markt und das Angebot sind zu groß, um sich darauf zu verlassen, dass das Buch ein Glückstreffer der Eigendynamik wird. Dies ist zu selten der Fall, da mache ich meinen Kunden keine Illusionen. Wer sein Buch wirklich bekannt machen möchte, muss sich im Markt mutig und klar positionieren, seine Zielgruppe erkennen, ansprechen und überzeugen. Von wenig kommt wenig, daher sollte ein realistisches PR-Budget zum Termin einer Buchveröffentlichung sichergestellt werden bzw. sich das Knowhow angeeignet werden, wie erste PR-Schritte aussehen müssen. Allerdings empfehle ich hier immer die Beratung und Begleitung eines PR-Experten, entweder auf freier Basis oder durch Unterstützung der Presseabteilung des Verlages bzw. Self-Publishing-Dienstleisters.

„Ich empfehle jedem Autor, sich bereits vor der Buchveröffentlichung mit dem Thema PR auseinander zu setzen und entsprechende Kontakte aufzubauen.“

tredition: Gibt es Ihrer Meinung nach einen richtigen Zeitpunkt für die PR-Arbeit am Buch?

Deborah Klein: Meine Erfahrung hat gezeigt, je früher, desto besser. Regelmäßig kontaktieren mich Autoren mit dem Wunsch nach PR-Unterstützung nach Veröffentlichung ihres Buches. Dies ist grundsätzlich möglich, nur verliert man unnötige Zeit, vor allem in puncto Aktualität. Die Mühlen der Medien, allen voran der Printmedien, arbeiten nicht immer schnell, das heißt, Veröffentlichungen können ihre Zeit dauern, bis sie erscheinen. Daher empfehle ich jedem Autor, sich bereits vor der Buchveröffentlichung mit dem Thema PR auseinander zu setzen und entsprechende Kontakte aufzubauen. Ideal ist es, mit mehreren PR-Experten zu sprechen, um unterschiedliche Arbeitsweisen, Budgets und letztlich Persönlichkeiten kennenzulernen. Ganz nach dem Motto: Passt der Berater zu mir und meinem Buch? Fühle ich mich authentisch und passend vertreten? Das sind elementare Fragen, die oftmals eine Bauchentscheidung erfordern.

„Self-Publishing hat den Autoren eine große Autonomie verschafft und die freie Wahl, sein Buch in jeglicher Form und Gestaltung auf den Markt zu bringen.“

tredition: Was fasziniert Sie besonders an Self-Publishing?

Deborah Klein: Self-Publishing hat den Autoren eine große Autonomie verschafft und die freie Wahl, sein Buch in jeglicher Form und Gestaltung auf den Markt zu bringen. Der Selfpublishing-Markt hat den gesamten Buchmarkt dynamisiert, er ist noch schneller und aktueller geworden. Mussten früher Bücher mit tagesaktuellen Debatten mitunter lange auf ihre Veröffentlichung warten, da der Verlag keine andere Möglichkeit hatte, kann der Autor jetzt selbst agieren und das Buch quasi von heute auf morgen zum Leser bringen. Ich bewerte daher Self-Publishing als große Chance, als Bereicherung für den Literaturmarkt. Aber natürlich eröffnet Freiheit auch viel Selbstverantwortung, wodurch es starke Qualitätsunterschiede gibt. Hier sollte man sich als Self-Publisher von der Eigendynamik nicht überrollen lassen, sondern dem eigenen Buch dennoch genug Zeit geben, um sich zu entfalten und alle Qualitätsmerkmale wie ein Lektorat, ein hochwertiges Cover und auch PR sicherzustellen.

tredition: Sie haben jahrelange Erfahrung in der Self-Publishing-Szene. Was ist Ihre Einschätzung zum aktuellen Stand des Self-Publishing, es hat sich ja in den vergangen Jahren einiges getan, was die Akzeptanz von Self-Publishing-Veröffentlichungen angeht … ?

Deborah Klein: Grundsätzlich kann gesagt werden, dass sich die Szene enorm gestärkt und vernetzt hat. Sie ist in ihrem eigenen Verständnis und der eigenen Bedeutung klarer und professioneller geworden. Man hat gemerkt, dass man wirklich etwas verändern kann und die Buchbranche auf ein neues Level bringt. Dies hat neue Köpfe zusammengebracht, Verlagsmenschen und Journalisten treffen auf Self-Publisher und regen sich gegenseitig an. Hier trifft letztlich Erfahrung auf Innovation, was dem Buchmarkt gut tut, er entwickelt sich weiter. Dies ist auch im Bereich der Publizierungen von Medien zu merken. Die Redaktionen öffnen sich, sie merken, dass es sich lohnt, auch selbstverlegte Bücher zu bewerten. Die Resonanz und Akzeptanz wächst stetig, ist in meinen Augen aber noch nicht an dem Punkt angelangt, wo man von völliger Chancengleichheit sprechen kann, im Vergleich zu klassisch verlegten Büchern.

tredition: Was ist Ihre Einschätzung, wie wird sich dieser Markt mittelfristig entwickeln?

Deborah Klein PR Beratung Autoren

Bild: Laut Deborah Klein können wir uns auf eine lebendige und wachsende Buchszene freuen, die von Self-Publishing nur profitieren kann. Foto Copyright: Deborah Klein

Deborah Klein: Meine Prognose ist, dass der Markt sich weiter professionalisieren wird und die Autoren in ihrer Vermarktung immer besser werden. Sie verstehen schon jetzt die Kommunikation über soziale Medien sehr gut und stehen Verlagsautoren hier selten in etwas nach. Self-Publisher sind geborene Macher, daher werden aus diesem Bereich auch immer wieder neue Trends erwachsen. Das Angebot für Self-Publisher wird vergrößern, der Markt wird als Umsatzfeld verstanden und genutzt. Mit Vor- und Nachteilen, die vom Autor mehr Wachsamkeit erfordern werden.

„Verlage sind in ihren Strukturen starrer und unflexibler als der Self-Publishing-Bereich.“

tredition: Sie betreuen als PR-Beraterin eine Vielzahl von Verlagen aus der Buchbranche. Wo liegen Ihrer Erfahrung nach die wesentlichen Hürden und „Schwachpunkte“ für Verlage angesichts der aktuellen Marktherausforderungen?

Deborah Klein: Verlage sind in ihren Strukturen starrer und unflexibler als der Selfpublishing-Bereich. Wurde der Self-Publishing-Bereich vor einigen Jahren noch belächelt, muss sich nun jeder Verlagsmensch mit diesem Thema auseinandersetzen und Chancen wie Risiken wahrnehmen. Der beste Weg dabei ist, dass die Kommunikation zwischen Verlag und Self-Publishing-Dienstleistern und den Autoren wächst, man die Vorteile miteinander nutzt und starke Partnerschaften und Vernetzungen bildet. An einigen Fusionen und Projekten ist diese Zusammenarbeit bereits erfolgreich begonnen worden. Ich bin der festen Überzeugung, dass beide Seiten viel voneinander lernen können und die Angst vor Veränderung der Freude auf neue Potenziale weichen sollte, vor allem für die Verlage. Ich sehe Self-Publishing nicht als Bedrohung für die Verlagswelt, sondern als zeitgemäße Ergänzung.

tredition: Welche Stärken und Schwächen konnten Sie bei Self-Publishern beobachten?

Deborah Klein: Self-Publisher wissen von Beginn an, dass es an ihnen liegt, wie gut und bekannt ihr Buch werden wird. Daher sind Self-Publisher sehr selbstständige Persönlichkeiten, die sich der Herausforderung stellen. Anders als bei Verlagsautoren, denen im Vergleich dazu noch viel Arbeit abgenommen wird. Dennoch wächst auch hier der Eigenanteil stetig, da auch Verlage den PR-Bedarf aller Autoren nicht mehr abdecken können. Die Eigenvermarktung steht also für alle Autoren auf der To-do-Liste. Self-Publisher glauben sehr an ihr Buch und verlieren manchmal den Blick nach außen. Die Ermittlung der Zielgruppe fällt dann schwer oder die Positionierung nach außen. Um sich hier nicht zu verzetteln, sollte man sich professionelle Hilfe holen, um im Eifer des Gefechts nicht die wesentlichen Fragen aus den Augen zu verlieren.

tredition: Sie beraten Vertreter der Buchbranche im Bereich PR und Marketing. Welche Ratschläge würden Sie einem Self-Publisher für die Eigenvermarktung an die Hand geben?

Deborah Klein: Self-Publisher sollten ihr Buch erst veröffentlichen, wenn die Qualitätsfrage klar mit einem „Ja“ beantwortet werden kann. Es gibt unzählige Möglichkeiten, sein Buch korrigieren und lektorieren zu lassen. Auch die Wirkung des Covers sollte nicht unterschätzt werden. Hier gibt es unzählige Merkmale, die ein gutes Cover ausmachen und letztlich zum Kauf anregen, egal wie gut der Inhalt sein mag. Man spart bei Verzicht letztlich an der falschen Stelle und zollt dem Buch nicht den Respekt, den es verdient. Es sollten Experten hinzugezogen werden, die ihre Arbeit gewissenhaft machen. Vier Augen sehen immer mehr als zwei.

Deborah Klein: Was lesen Sie selbst gern?

Deborah Klein: Bücher sind beruflich wie auch privat meine Leidenschaft. Ich lese immer, egal wie wild die Arbeit und Aufgaben im Leben spielen mögen. Aktuell lese ich die vollständige Thriller-Reihe des amerikanischen Autors Robert Crais. Seine Bücher spiegeln eine Sprache wieder, die das Lesen zu einem Sinnerlebnis machen.

tredition: Liebe Frau Klein, wir danken Ihnen herzlich für das Gespräch.