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Hahnenberg Buchcover

Der Modellbauer, das unbekannte Wesen – Hybridautorin Ursula Hahnenberg im Rampenlicht

Hahnenberg Buchcover

Bild: Ursula Hahnenberg mit ihrem neuen Buch „Hilfe, mein Mann ist Modellbauer“, das frisch aus der Druckerpresse gekommen ist.

Ursula Hahnenberg, Jahrgang 1974, lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihr kreatives Potential hat sie bereits in diversen Branchen ausgelebt, bevor sie über Umwege zum Schreiben kam. So studierte sie zunächst Forstwissenschaften, arbeitete bei einer Baumaschinenfirma, einem Autohersteller und einer Unternehmensberatung, führte einen Laden für Modelleisenbahnen und einen für Kinderbekleidung. 

Heute ist sie als freie Autorin tätig und schreibt neben Büchern auch Artikel und Kolumnen. Außerdem korrigiert und lektoriert sie Texte. Ihre Bücher sind bislang bei traditionellen Verlagshäusern erschienen. Für ihr neues humoristisches Werk hat sich die Autorin aber für Self-Publishing entschieden und wird zur Hybridautorin, also einer Autorin, die über den herkömmlichen Weg des Verlages veröffentlicht und gleichzeitig auch selbst mittels Self-Publishing Bücher herausbringt. Zurzeit arbeitet Hahnenberg an ihrem dritten Krimi. Sie ist Mitglied beim Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (www.lektoren.de), bei den 42er Autoren und bei den Mörderischen Schwestern. 

Die tredition-Redaktion hat die Hybridautorin Ursula Hahnenberg zum Interview geladen und sie dazu befragt, wie ihr Weg zur freien Autorin sich vollzogen hat und was für sie die ausschlaggebenden Pflichten einer Autorin sind.

 

Erfahren Sie im Interview alles über:

  • Ursula Hahnenbergs Weg vom Buchstabenjunkie zur Autorin
  • Warum es manchmal gut ist, alles ein wenig zu überspitzen
  • Wie ihre Texte von der Zeitschrift zum Buch kamen
  • Wie Hahnenberg vom Verlag zum Self-Publishing gekommen ist
  • Wie läuft das eigentlich mit dem Marketing?
  • Die Pflichten einer Autorin

Das Interview

Vom Buchstabenjunkie zur Autorin und Lektorin

Humor ist immens wichtig, er erleichtert praktisch alle Schwierigkeiten, die im Zusammenleben mit anderen Menschen auftauchen können.

Hahnenberg_Ursula

Bild: Ursula Hahnenberg kam über Umwege zum Schriftstellerberuf.

tredition: Sie haben Forstwissenschaften studiert und sehr vielfältige Arbeitsbereiche ausgefüllt, etwa in einer Baumaschinenfirma oder mit einem Laden für Modelleisenbahnen. Wie kam es zur Arbeit als freie Autorin und Schriftstellerin?

Ursula Hahnenberg: Es fing mit den Sachbüchern an. Ich bin ein Buchstaben-Junkie und sammele immer viel Literatur zu Themen, die mich beschäftigen. Eins unserer Kinder ist ein extremes Frühchen gewesen und hatte deswegen eine schweren Start ins Leben. Da hat mich interessiert, wie ich ihn zu Hause spielerisch unterstützen kann, um zum Beispiel seine Motorik zu trainieren. Irgendwann war ich aber an dem Punkt, dass ich mich über die vorhandene Literatur zu dem Thema aufgeregt habe und dachte: »Das kann ich besser!« Aus der einen Idee sind dann insgesamt fünf Bücher geworden, die in einem Fachverlag für Ergotherapeuten und Erzieher erschienen sind. Als Nächstes habe ich dann den ersten Krimi geschrieben und die Ausbildung zur Lektorin gemacht. Nun bin ich da, wo ich beruflich immer sein wollte: Bei Buchstaben, Wörtern und Geschichten.

tredition: Sie arbeiten an ihrem dritten Kriminalfall, wie kam es zur Entscheidung für ein humoristisches Buch über den Modellbau?

Ursula Hahnenberg: In dem Buch sind die Kolumnen versammelt, die ich über drei Jahre lang für die Zeitschrift »Rotor« verfasst habe. Ich habe sehr viel positives Feedback bekommen und bin sogar zum Ehrenmitglied in einem österreichischen Modellbauverein ernannt worden.  Letztes Jahr hatten wir dann die Idee, diese Texte als Buch herauszugeben.

Hilfe, mein Mann ist Modellbauer

Bild: Cover „Hilfe, mein Mann ist Modellbauer“ von Ursula Hahnenberg.

tredition: Können Sie den Inhalt Ihres Buches in wenigen Sätzen zusammenfassen?

Ursula Hahnenberg:  Im Buch werden mit humoristischem Blick kleine Episoden geschildert, die eigentlich in jeder Familie so oder ähnlich passieren könnten. Es geht um Beziehungen, um Kinder und um ganz alltägliche Probleme, mit Fantasie und einer Portion Witz betrachtet.

Alles ein wenig überspitzen

tredition: Sie greifen auf Erfahrungen aus Ihrem eigenen Leben zurück, ist es wirklich so schlimm? 😉

Ursula Hahnenberg Illustration

Bild: „Es liegt natürlich im Wesen der Satire, alles ein wenig überspitzt dazustellen.“

Ursula Hahnenberg: Schlimmer! Nein, natürlich nicht. Aber es liegt natürlich im Wesen der Satire, alles ein wenig überspitzt dazustellen.

tredition: Was raten Sie anderen Betroffenen?

Ursula Hahnenberg: Humor. Humor ist immens wichtig, er erleichtert praktisch alle Schwierigkeiten, die im Zusammenleben mit anderen Menschen auftauchen können. Gerade, wenn es um Mücken geht, die sich im Laufe der Jahre zu scheinbaren Elefanten entwickeln. Ich lache aber lieber, als mich aufzuregen.

tredition: Was unterscheidet Ihr Buch von anderen humoristischen Werken dieses Genres?

Ursula Hahnenberg: Das Schöne an Modellhubschraubern und -drohnen ist nicht nur, dass sie im Moment in aller Munde sind. Sie stellen den Hobbyisten vor ganz besondere Probleme, die sich aus der Existenz der Schwerkraft ergeben: Spring-Rasen, Hüpf-Hecken und viele andere kleine Gemeinheiten, die die Naturgesetze auf Lager haben.

Ein Cover ist ja, zusammen mit dem Titel, ein Versprechen an den Leser bezüglich des Inhaltes des Buchs. Und ich finde, wir haben da gute Arbeit geleistet.

tredition: Sie haben ein ausgesprochen schönes Cover, das von Frau Corina Witte-Pflanz stammt, wie lief die Ideenfindung und -umsetzung?

Ursula Hahnenberg: Die wunderbaren Karikaturen im Buch stammen von Klaus Heilmann. Ich habe ihn gebeten, eine zusätzliche Zeichnung für den Titel anzufertigen, und Corina hat dann eine kleine Auswahl möglicher Cover gemacht. Die Auswahl fiel schwer, sie waren alle toll. Ein Cover ist ja, zusammen mit dem Titel, ein Versprechen an den Leser bezüglich des Inhaltes des Buchs. Und ich finde, wir haben da gute Arbeit geleistet. 😉

Von der Zeitschrift zum Buch

Hahnenberg Rotor

Bild: Von Kolumnen in der Zeitschrift zum Buch, so lief der Werdegang von „Hilfe, mein Mann ist Modellbauer“.

tredition: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von Lesern auf Ihr Buch erhalten?

Ursula Hahnenberg: Von vielen Lesern der »Rotor« habe ich gehört, dass sie die Zeitung plötzlich von hinten nach vorne lasen, weil die Kolumne auf den letzten Seiten platziert war, und dass auch ihre Partnerinnen nun regelmäßig einen Blick in die Zeitschrift warfen. Von Testlesern, die überhaupt nichts mit Modellhubschraubern zu tun haben, habe ich gehört, dass sie beim Lesen viel gelacht haben, was mich besonders freut.

Ich glaube, es gibt für jedes Buch die passende Plattform, die richtige Form der Veröffentlichung.

Vom Verlag zum Self-Publishing

tredition: Sie haben auch schon im herkömmlichen Verlag (Goldmann) publiziert, wie kam es zur Entscheidung für das Self-Publishing für dieses Buchprojekt?

Hahnenberg Goldmann

Bild: Laut Ursula Hahnenberg gibt es für jedes Buch die passende Veröffentlichungsplattform.

Ursula Hahnenberg:  Ich glaube, es gibt für jedes Buch die passende Plattform, die richtige Form der Veröffentlichung. Ist es nicht wunderbar, dass es heute so viele Möglichkeiten gibt? Bei meinen Kriminalromanen bin ich sehr froh über die Zusammenarbeit mit meiner Agentin, die mir den Zugang zu einem großen Publikumsverlag ermöglicht hat. Die Sachbücher sind im Fachverlag richtig aufgehoben und finden dort ihre Zielgruppe. Und bei »Hilfe, mein Mann ist Modellbauer« kann ich als Self-Publisherin am besten meine Leserschaft erreichen. Abgesehen davon hat es mich gereizt, den Prozess der Veröffentlichung im Selbstverlag zu durchlaufen, weil ich als Lektorin oft mit SelfpublisherInnen arbeite.

tredition: …  warum sind Sie gerade bei tredition gelandet?

Ursula Hahnenberg: Durch die Empfehlung einer Freundin, die sich intensiv mit dem Thema Selbstverlag auseinandergesetzt hat und sehr erfahren ist. Außerdem haben mich die Leistungen überzeugt und dass die Veröffentlichung relativ einfach war. Und nicht zuletzt das nette Team, mit dem man zusammenarbeitet. Jede Anfrage wird prompt und freundlich beantwortet.

Ursula Hahnenberg Foto

Bild: Auch Autoren haben ihren Lesern gegenüber Verantwortung und Pflichten.

tredition: Wie schätzen Sie, entwickelt sich der Buchmarkt in den nächsten Jahren?

Ursula Hahnenberg: Das ist natürlich so eine Glaskugelfrage. Wahrscheinlich wird der klassische Buchmarkt noch ein wenig schrumpfen – wobei das nicht an mir liegen wird! 😉 Ich beobachte, dass ja grundsätzlich nicht weniger gelesen wird und das Interesse an Geschichten ungebrochen ist. Das Erzählen ist, seitdem wir als Frühmenschen um das Lagerfeuer saßen, ein Grundbedürfnis wie Essen, Trinken und Schlafen. Ich glaube aber, dass sich mit all den neuen Möglichkeiten die Form des Erzählens ein wenig ändern wird.

Sorgfalt und Professionalität ist Pflicht als Autor

Versteht euch als Dienstleister für den Leser!

tredition: Haben Sie im Bereich Veröffentlichung besondere Tipps an andere Autoren?

Ursula Hahnenberg:  Versteht euch als Dienstleister für den Leser! Eins meiner Lieblingszitate stammt von Wolf Schneider und lautet: ‚Einer muss sich quälen, der Autor oder der Leser.‘ Auch wenn es heutzutage scheint, als könne Hinz und Kunz mit Leichtigkeit Bücher auf den Markt werfen: Tut es (so) nicht. Leser haben verdient, dass ein Autor, eine Autorin, Sorgfalt, Herzblut, Mühe und unerschütterliche Überzeugung in ein Buch steckt. Investiert in Lektorat, Korrektorat und Cover. Nur dann wird es auch gelesen und geliebt.

Ursula Hahnenberg Website

Bild: Auf ihrer eigenen Website stellt Hahnenberg ihre unterschiedlichen Buchprojekte vor.

tredition: Was sind Ihre Erfahrungen im Bereich Marketing? Sie veranstalten bereits eine Reihe von Lesungen. Wie sollte man als Autor an das Marketing für das eigene Buch herangehen?

Ursula Hahnenberg: Eigentlich beginnt das Marketing schon vor dem Schreiben. Wenn man ein Buch plant, sollte man sich vorstellen, wie der ideale Leser, wie die Zielgruppe aussieht. Spätestens beim Lektorat wird diese Frage gestellt werden. Alle Marketingmaßnahmen müssen daran angepasst werden, wo diese Zielgruppe zu finden ist. Nur so stellt man sicher, dass die aufgewendete Energie und das Geld nicht im Nirwana verpuffen. Ein Marketingplan ist daher eine gute Idee. Gute Kontakte zum lokalen Buchhändler, zu Lokalzeitungen, zu Menschen, die Lesungen veranstalten. Meine Erfahrung ist übrigens, dass bei Lesungen höchstens ein paar Bücher verkauft werden. Aber eine Lesung kann ein Anlass für eine Lokalredaktion sein, über einen Autor oder eine Autorin zu berichten.

Wie läuft das eigentlich mit dem Marketing?

tredition: Welche weiteren Marketingmaßnahmen haben Sie für Ihr Buch bereits vorgenommen? Hatten Sie von Anfang an einen Marketingplan?

Ursula Hahnenberg: Ich habe mit der Zeitschrift »Rotor« vereinbart, dass das Buch auch über deren Shop vertrieben wird. Außerdem machen wir ein Gewinnspiel in der Zeitschrift und natürlich auch mindestens einen Artikel dazu. Ich werde meine vorhandenen Kontakte über die Neuerscheinung informieren und meine Social-Media-Kanäle nutzen. Und es werden einige Rezensionsexemplare an Testleser verschickt.

tredition: Wie geht es weiter mit Ihnen, was sind Ihre nächsten Buchprojekte?

Ursula Hahnenberg

Bild: Ursula Hahnenberg im Portrait. Copyright Foto: Csilla Kancsart

Ursula Hahnenberg:  Im Moment arbeite ich erst einmal an einem ganz anderen Projekt. Danach ist dann der Krimi wieder dran. Zwischendrin die eine oder andere Kurzgeschichte. Ich liebe die Abwechslung und neue Herausforderungen.

tredition: Und wie geht Ihre Familie mit Ihrer Autorschaft um?

Ursula Hahnenberg: Mittlerweile sind sie es gewohnt, dass ich, wenn ich nicht gerade schreibe, oft mit abwesendem Gesichtsausdruck durch die Gegend laufe, weil ich irgendwelche Projekte oder Geschichten wälze. Sie nehmen es mit Humor.

tredition: Liebe Frau Hahnenberg, wir danken für das spannende Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg! 

Über die Autorin

Ursula Hahnenberg, ist als freie Autorin tätig und schreibt neben Büchern auch Artikel und Kolumnen. Außerdem arbeitet sie als freie Lektorin – auch für andere Self-Publisher.

Mehr über die Autorin

Astrid Ruppert Autorenbild

Vom Verlag zum Self-Publishing: Wie wird man eigentlich Self-Publisherin?

Astrid Ruppert

Bild: tredition-Autorin Astrid Ruppert hat bislang im traditionellen Verlag veröffentlicht und bringt ihr neustes Werk als Hybridautorin bei tredition heraus.

Der tredition Verlag bietet nicht nur Indie-Autoren die Möglichkeit, den Traum vom eigenen Buch zu realisieren und das eigene Werk in den Buchhandel zu bringen. Immer öfter gibt es AutorInnen, die sich über langfristige Verträge, über mangelndes Mitspracherecht und wenig Freiheit bei der Gestaltung des eigenen Buches beim herkömmlichen Verlag beschweren – oder über die mangelnde Risikobereitschaft von Verlagen, auch Nischentitel im Buchmarkt zu  platzieren.

Aufgrund dieser Nachteile und der neu gewonnenen Freiheit beim Self-Publishing entscheiden sich immer mehr Verlagsautoren dafür, als Hybridautor neben Verlagstitel auch im Self-Publishing zu publizieren – oder ganz ins Self-Publishing zu wechseln. Das Beispiel der freien Schriftstellerin Astrid Ruppert zeigt die Geschichte einer Verlagsautorin im großen Verlagshaus und ihren Weg zum Self-Publishing.

 

Ruppert Veröffentlichungen

Bild: Astrid Ruppert kann auf ein vielfältiges Titelspektrum im traditionellen Verlag und im Self-Publishing zurückblicken.

Die Autorin

Astrid Ruppert Lesung Tee mit Ayman

Bild: Astrid Ruppert bei der ersten Lesung aus ihrem Buch „Tee mit Ayman“ in Homberg Ohm im Juli 2017.

Astrid Ruppert (1964 im Saarland) ist eine deutsche Filmproduzentin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. Nach ihrem Literaturstudium hat sie lange Zeit als Dramaturgin und Produzentin für das Fernsehen gearbeitet. Als sie für längere Zeit das Bett hüten musste, fing sie an zu schreiben. Erst durch diese unfreiwillige Auszeit aus einem durchgetakteten Leben erinnerte sie sich wieder daran, dass sie doch eigentlich schon als Kind davon geträumt hat, Schriftstellerin zu werden. Ihr erster Roman, die Weihnachtsgeschichte „Obendrüber da schneit es“, erschien ungefähr drei Jahre später bei Ullstein. Seitdem weiß sie, dass es nie zu spät ist, sich langgehegte, fast vergessene Träume zu erfüllen. Inzwischen hat sie ihre Stadtwohnung und Arbeitsstelle gekündigt, und lebt als freischaffende Schriftstellerin und Drehbuchautorin auf dem Land, wo sie sich einen weiteren Traum verwirklicht hat: ein eigener Garten, in dem sie gerne schreibt, wenn das Wetter es erlaubt.

Seit 2015 engagiert sie sich ehrenamtlich für Geflüchtete, weil sie davon überzeugt ist, dass die Erde allen Menschen gleichermaßen gehört und man sich gemeinsam auf ihr arrangieren kann.  Diese Thematik führte sie dann auch zu ihrem Debütwerk als Self-Publisherin …

 

Der Weg zum Buch

Astrid Ruppert Autorenbild

Bild: Die Drehbuchschreiberin und freischaffende Autorin fand ihren Weg zum Self-Publishing über ein kontroverses Thema.

Als die Autorin Astrid Ruppert im Flüchtlingssommer 2015 beginnt, sich um die neueingetroffenen Flüchtlinge in der Nachbargemeinde zu kümmern, ist sie sehr bewegt von allem, was sie dabei erlebt, und beginnt damit, alles aufzuschreiben. Diese Texte erscheinen ein Jahr lang als wöchentliche Kolumnen in der Alsfelder Allgemeinen Zeitung. Denn zwischen den Teegläsern und dem verschütteten Zucker und vielen durcheinanderwirbelnden Emotionen beim Teetrinken in der Küche des Flüchtlingsheims, warteten die Geschichten nur darauf, erzählt zu werden: Aus diesen Erlebnissen entstand Astrid Rupperts aktuelles Werk  „Tee mit Ayman“.

 

Das Buch

Tee mit Ayman

Bild: Cover „Tee mit Ayman“ von Astrid Ruppert

Ayman, 27, ist einer der vielen Syrer, die im Sommer 2015 nach Deutschland kommen. Sein Leben hier beginnt in einer 750 Seelen zählenden Gemeinde im hessischen Vogelsberg. Dort begegnet ihm die Autorin Astrid Ruppert im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten. Aus den ersten Skizzen über ihre Begegnungen mit Ayman und den anderen Bewohnern der kleinen Gemeinschaftsunterkunft auf dem Land entstehen wöchentliche Kolumnen, die in der Alsfelder Allgemeinen Zeitung erscheinen und sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Diese stellt Astrid Ruppert dann in dem Band „Tee mit Ayman“ neu zusammen. Die Texte in diesem Buch kommen in einem sehr persönlichen Ton daher, der mitten ins Geschehen führt. Tee mit Ayman präsentiert sich süß und bitter zugleich. Erzählt wird von Kämpfen gegen die Windmühlen der Bürokratie, von berührenden zwischenmenschlichen Momenten und vom Culture Clash zwischen Orient und Okzident, der manchmal zum Lachen und Weinen gleichzeitig ist. Viele, die ehrenamtlich mit Geflüchteten arbeiten, werden sich hier wiederkennen. Andere, die noch nie Kontakt zu Geflüchteten hatten, erhalten Antworten auf vielleicht ungestellte Fragen.

Der Weg zum Self-Publishing

Ungeduld, gepaart mit der Überzeugung, dass auch jenseits des Mainstreams interessante Gedanken sprudeln können, hat mich zur Selfpublisherin gemacht.

Astrid Ruppert Lesung

Bild: Astrid Ruppert bei der Buchlesung aus ihrem Roman „Ziemlich beste Freundinnen“ in der Garamond Buchhandlung in Grünstadt 2016.

Nachdem Astrid Rupperts Agent die Meinung vertritt, die großen Publikumsverlage interessieren sich nicht für das Thema, überlässt er es ihr, sich selbst um die Veröffentlichung zu kümmern. Widerstände fordern Astrid Ruppert heraus! Erstmals nach vielzähligen Veröffentlichungen bei einem bekannten Publikumsverlag, nimmt sie die Dinge selbst in die Hand, schreibt überzegt von dem Projekt Verlage an … und wartet … und wartet. Sie bekommt Absagen, Zusagen zu indiskutablen Bedingungen. Alles, was so dynamisch begonnen hatte, lief schleppend und zäh. Bis Astrid Ruppert plötzlich eines Morgens mit dem deutlichen Gefühl aufwachte: „Ich will nicht mehr warten!“

Astrid Ruppert Veranstaltung

Bild: Bei einer Autorenveranstaltung kann man sich direkt mit seinem Lesepublikum austauschen, eine ganz besondere Erfahrung hat auch Astrid Ruppert festgestellt.

In ihrer Studentenzeit wollte sie einmal eine „Bibliothek der unveröffentlichten Bücher“ gründen, wo all die besonderen und einzigartigen Bücher, die keinen Verlag finden, ein Zuhause bekommen und gelesen werden können. Mittlerweile gibt es Selfpublishing – und tredition. Ihr „Tee mit Ayman“ muss also nicht in der Bibliothek der unveröffentlichten Bücher stehen, die sie auch nie gegründet hat, sondern ist im Sommer 2017 bei tredition erschienen!

Nach Veröffentlichung ist wieder Geduld gefragt, die Astrid Ruppert eigentlich gar nicht hat: ein Lernprozess für die Autorin!  Man muss sich um vieles selbst kümmern, wenn das Buch erschienen ist: Self-Publishing bedeutet auch: das Marketing angehen! Und Astrid Ruppert gehört nicht zu den Autoren und Autorinnen, denen das besonders gut liegt. Wer gerne mit sich alleine am Schreibtisch sitzt, ist nicht unbedingt auch jemand, der gerne auf sich aufmerksam macht.

Aber die Autorin lernt jeden Tag etwas Neues, wird immer mutiger in der Vermarktung. „Und wenn ich mein Buch in Händen halte, fühle mich dem kleinen lilafarbenen Werk verbundener als meinen anderen Büchern, weil ich dafür eben auch selbst so viel tun kann.“

Wir gratulieren einer Ausnahmeautorin!