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Vera Lynn Fox

Berliner Lokalkolorit, eine Prise Mord und viel Autoren-Knowhow – Vera Lynn Fox zeigt den Entstehungsprozess eines Krimidebüts

Vera Lynn Fox

Bild: Die Berliner Autorin Vera Lynn Fox hat ihr Krimidebüt bei tredition vorgelegt.

Die Berliner Autorin Vera Lynn Fox war schon in Los Angeles, Puerto Rico und Marburg zu Hause und lebt und arbeitet jetzt wieder in ihrer Heimat Berlin. Ihren Weg zur Schriftstellerin hat sie sich durch eine Autorenausbildung im Haus des Schreibens und beim Masterstudiengang „Kreatives und Biographisches Schreiben“ an der Alice-Salomon-Hochschule, Berlin, geebnet. Während ihrer Autorinnenlaufbahn hat die Jungautorin bereits diverse Bücher veröffentlicht. „Rosa ge-eXt“ ist ihr Krimi-Debüt, das sie als Self-Publishing-Autorin herausgebracht hat. In dem unterhaltsamen Kunst-Krimi ist die Berliner Kunstszene wegen eines bizarren Gemäldes in heller Aufruhr und weist einige Missstände auf, die sich hinter der Kulisse abspielen und im Verborgenen bleiben sollen.

Nach zahlreichen positiven Rückmeldungen ihrer Leser und Leserinnen sitzt Vera Lynn Fox bereits am Folgeband, sogar ein Hörbuch zum Titel ist geplant. Doch wie kommt so eine Autorenlaufbahn eigentlich ins Rollen und wie läuft der Weg zum ersten Kriminalband eigentlich ab? Die tredition-Redaktion hat die Berliner Autorin Vera Lynn Fox zum Anlass ihres Krimidebüts zum Interview geladen und sie u.a. dazu befragt, wie ihr Weg zur freien Autorin sich vollzogen hat, was ihre Meinung zum Self-Publishing ist und welche Ratschläge sie im Bereich Marketing anderen Autoren geben kann. 

 

Erfahren Sie im Interview alles über:

  • Vom Creative Writing zur Berliner Kunstszene
  • Wie Vera Lynn Fox zur Krimiautorin wurde
  • Das Besondere an Fox‘ Regionalkrimi aus Berlin
  • Vorlieben und Abneigungen beim Schreibprozess
  • „Me too“
  • Die Vorteile beim Self-Publishing
  • Ratschläge für Autoren
  • Wie läuft das eigentlich mit dem Marketing?

 

Das Interview

Vom Creative Writing zur Berliner Kunstszene

Wie lange kann man den Spannungsbogen halten? Wann muss ich immer mal wieder mal so ein kleines i-Tüpfelchen draufgeben, um das zu steigern? Das ist einfach als Schriftsteller sehr interessant, damit zu spielen …

tredition: Liebe Frau Fox, Sie schreiben unter Pseudonym, haben Sie Angst vor Racheaktionen aus der Berliner Kunstszene?

Vera Lynn Fox: Nein, nicht im Geringsten! Im Gegenteil ich habe das Pseudonym Vera Lynn Fox ganz bewusst gewählt. Es ermöglicht mir eine künstlerische Freiheit, die ich von meinem Alltag vollkommen abspalten kann. Damit löse ich mich aus einem moralisch-ethischen Kontext, den ich im Privatleben vertrete. So ist es möglich, Dinge anzusprechen, die ich als Privatperson nicht unbedingt aussprechen würde

tredition: Ihr Roman stellt das Bild „Rosa ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“ in den Mittelpunkt. Was hat es mit diesem Bild auf sich?

Vera Lynn Fox: Das Bild stellt den Titel für den Roman und ist insofern für die Geschichte von elementarer Bedeutung. Es versinnbildlicht den Frust und die Enttäuschung des Künstlers, Gernot Klemm, über sein Unvermögen, die von ihm so sehr begehrte Kunststudentin Rosa anzusprechen. Rosa, als freie ungebundene Frau, löst in Gernot Klemm derartige Ängste aus, dass dieser vor Wut und Schamgefühl darüber in das andere Extrem verfällt und sozusagen Rosas Auslöschung, das aus-X-en fantasiert, bzw. diesen imaginierten Akt der groben Gewalt, also seine Aggression auf das Bild überträgt. Gleichzeitig steht das Bild für die Unterlegenheits- und Neidgefühle, die Gernot gegenüber dem Mann hegt, der sich das traut, was er nicht wagt. Weshalb ihn Gernot auch „klein machen“ muss und abschätzig als „Kastenbrille“ tituliert. Diese Kurzbeschreibung kommt natürlich nicht an die beschrieben Szenerie heran, die mein Krimi in sich birgt.

Es geht ja generell in dem Buch um Beziehungen, Beziehungsvermögen oder besser Unvermögen der Menschen, die hier dargestellt werden. Mich interessiert dabei, wie gehen die mit sich selbst, mit ihrer Sexualität und ihrem Begehren um? Das alles ist dann verwoben mit ihrem geschäftlichen Gebaren, innerhalb der Kunstszene aber auch der Politik. Die beiden Felder kommen sich dabei gefährlich nah.

Rosa ge-eXt

Bild: Cover „Rosa ge-eXt“ von Vera Lynn Fox

tredition: Sind Sie selbst in der Berliner Kunstszene bewandert oder ist das Szenario rein fiktiv?

Vera Lynn Fox: Naja, sowohl als auch. Das Szenario ist natürlich fiktiv, wie es auch eingangs im Buch betont wird. Dennoch bin ich seit Jahren in der Kunstszene auch persönlich unterwegs zu Vernissagen, Auktionen und Kunstmessen. So hatte ich die Gelegenheit und genügend Zeit, die Szene etwas näher zu untersuchen und kennenzulernen. Außerdem habe ich mit George Opportunity-Curator einen starken Berater an der Seite, der mich auf Special Events über Facebook auf dem Laufenden hält und mit dem ich eine enge Beziehung pflege. Ich denke, trotzdem wird sich in der Kunstszene niemand persönlich angesprochen fühlen können, was auch zu keiner Zeit meine Intention war. Es geht mir vielmehr um Grundstrukturen, die in uns allen angelegt sind. Die eine oder andere Charaktereigenschaft meiner Protagonisten, findet vermutlich ein jeder von uns in sich. Auch wenn, aus Gründen der Dramaturgie, eine Romanfigur natürlich eine übersteigerte Darstellung der Realität erfordert. Hier habe ich mich streng an die Tipps von James N. Frey gehalten.

Wie Vera Lynn Fox zur Krimiautorin wurde

tredition: „Rosa ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“ ist Ihr Krimi-Debüt, was gab es bisher von Ihnen zu lesen und wie wurden Sie zur Krimiautorin?

Vera Lynn Fox: Es gab von mir zunächst innerhalb der Anthologie Nachtschatten die Kurzgeschichte „Happy Birthday Engelchen“, die im Buchhandel erhältlich ist. Ich hab also, wie die meisten zunächst mit Kurzgeschichten begonnen und hab´ schnell festgestellt, dass mich der Aufbau von Spannung, des Entladens und des Herauszögerns dieses Momentes besonders interessieren. Wie lange kann man den Spannungsbogen halten? Wann muss ich immer mal wieder mal so ein kleines i-Tüpfelchen draufgeben, um das zu steigern? Das ist einfach als Schriftsteller sehr interessant, damit zu spielen und dafür eignet sich der Krimi hervorragend. Das ist natürlich klar. Außerdem habe ich damit für mich ein tolles Genre entdeckt, das es mir ermöglicht, einerseits dem Leser eine bekannte Struktur, nämlich die Krimi-Struktur zu bieten, aber auf der anderen Seite die Inhalte, die mir wichtig sind, über die Akteure zu implementieren, ihnen Raum zu geben. Eben innerhalb des Krimis über die Protagonisten, das geschehen zu lassen oder darzustellen, was ich in der Recherche über sie erfahren habe.

Es geht auch um die Umbrüche in unserer Zeit. Unsere Vorstellungen, wie etwas zu funktionieren hat, unterliegen ja einer extrem schnellen Entwicklung. Einer schafft es und zieht mit, andere steigen aus oder bleiben ganz auf der Strecke.

Das Besondere an Fox‘ Regionalkrimi aus Berlin

Vera Lynn Fox Autoreninterview

Bild: In Vera Lynn Fox‘ Kriminalfall wird scharf geschossen: Es beginnt alles, als in der Villa des Galeristen und Messeveranstalters Henry Androschek in Berlin-Wannsee die Leiche der sehr jungen Kunststudentin Rosa Wangenröter gefunden wird.

tredition: Was unterscheidet Ihren Krimi von anderen Mordfällen?

Vera Lynn Fox: (lacht) Das haben Sie doch sicherlich herausgelesen, oder? Die Nr. 1  ist das Lokalkolorit. Und zwar nicht nur Berlin betreffend, sondern auch Schwaben. Berlin-Mitte wird ja nicht umsonst scherzhaft die „Schwäbische Hüpfburg“ genannt. (lacht) Wir haben in dem Buch quasi den Melting Pot Berlin vor uns. Da gibt es Urberliner Typen, wie den Paschulke, aber auch Amerikaner, wie Ted oder Sammy Kheir, den Kommissar mit arabischen Wurzeln. Wen haben wir denn noch? Gülcan, die deutsch-türkische Studentin. Eine Französin, obwohl, das spielt dann schon im letzten Teil des Buches in Abu Dhabi. Wir sind also in Berlin in keinster Weise isoliert. Kann man nicht behaupten. (Lacht) Insofern: Es mischt sich alles. Das ist ein interessanter Mix der sich da beschreiben lässt. Diese ganzen Menschen müssen eben oder wollen miteinander in dieser Stadt zusammenleben und in – diesem Fall – zusammen ermitteln, ähm und da ergeben sich natürlich auch ganz andere Kommunikationsstrukturen zwischen den Protagonisten.

Es geht aber auch um die Differenz zwischen der alten und der neuen Welt, bezüglich der Kommunikationsgewohnheiten der beteiligten Generationen. So wie sie aktuell in der Startup-Szene benannt wird. Wie bei Paschulke zum Beispiel, der die neuen Kommunikationsstrukturen nicht ohne fremde Hilfe beherrscht und damit Emails oder Messenger-Messages – eben wichtige Informationen – und damit in der Konsequenz den Anschluss verpasst.

Aber es geht auch um unterschiedliche Ansichten zu Marketingstrategien. Eine junge Frau, wie Rosa, die ohne Scheu mit ihrer Kunst schon frühzeitig die Bühne betritt und sie in den neuen Medien vermarktet. Demgegenüber die Künstler älterer Generation, wie Terese Santa Fee und Klemm, die Rosas Geschäftsgebaren als verpönt ansehen und selber lieber starr – wie die Kaninchen vor der Schlange – jahrelang und oft vergeblich darauf hoffen von einem Galeristen entdeckt zu werden. Da gibt es also durchaus unterschiedliche Ansichtsweisen, die dann auch angesprochen werden in diesem Roman.

Es geht also um die Umbrüche in unserer Zeit. Unsere Vorstellungen, wie etwas zu funktionieren hat, unterliegen ja einer extrem schnellen Entwicklung. Einer schafft es und zieht mit, andere steigen aus oder bleiben ganz auf der Strecke. Wie reagiert also der Einzelne auf diese angstauslösenden Gesellschaftsveränderungen? Mit Mobbing? Rückzug? Exzessiver Gewalt? Flucht in Obsession oder in das, ich nenne es erst mal völlig wertfrei, sexuelle Experiment? Das sind spannende Themen, die mich motivieren, sie wirkungsvoll in Geschichten zu verweben.

Selbst unter den Gleichaltrigen im Roman ergeben sich Diskrepanzen. Ich denke da an das Gespräch zwischen Gülcan und Eva, die bei der Anbahnung von Paarbeziehungen über Dating-Portale z.B. eklatante Unterschiede in der Einstellung demgegenüber bei sich feststellen können. Wobei Eva in diesem Fall eine eher konservative Einstellung vertritt. So etwas finde ich einfach interessant darzustellen. Allerdings darf natürlich bei diesen ganzen Subthemen der Spaß am Krimi nicht untergehen. Dass die Story nicht total intellektuell abdriftet, darauf haben ich, und vor allem auch mein Lektor, schon geachtet. Aber als Basis sind die Themen schon drin.

tredition: Wie sind Sie auf die Charaktere des Ermittler-Teams um den erfahrenen Kommissar Paschulke gekommen?

Vera Lynn Fox2

Bild: Vera Lynn Fox veranstaltet regelmäßig Lesungen aus ihrem Buch.

Vera Lynn Fox: Ja, da kann ich eigentlich nur sagen einerseits ist es tatsächlich so, als Autorin fühle ich mich durch irgendwas angetriggert und der Roman kommt ins Laufen und manche Figuren, wie z.B. Terese Santa Fee, stellen sich mir einfach von selbst vor und bringen auch gleich ihren Namen mit, ohne dass ich lange nachdenken muss… Andererseits tragen die Namen immer auch ein bisschen etwas mit sich, was deren Charaktere ausmacht. Der Alt-Kommissar Paschulke ist dagegen einfach im Rahmen einer Schreibübung entstanden. Tatsächlich hatte der Dozent eine tickende Uhr aufgestellt und eine Birne lag wohl auch irgendwo auf dem Tisch vor mir rum. Und schon saß da ein Kommissar vor meinem geistigen Auge, der in seine Birne beißt, sich über die Unpünktlichkeit der Kollegen echauffiert und selbst die Story gleich von Anfang an fast zu verpennen droht. Der Name Paschulke geht aber nicht auf mein Konto. In diesem Fall war mein Sohn der Namensgeber.

Sicher gibt es auch Menschen, denen ich im realen Leben begegnet bin, die Schlüsselelemente mitbringen, welche sich dann innerhalb der Geschichte zu eigenständigen Figuren verdichten. Die so entstanden Charakteren entfernen sich damit aber soweit von ihrer ursprünglichen Quelle, dass hoffentlich niemand auf die Idee kommt, sich in einer meiner Protagonisten wiedererkennen zu wollen.

Die meisten der Protagonisten von „Rosa ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“ haben sich aber von allein in die Geschichte eingebracht, so als wäre ich morgens in die U-Bahn gestiegen und hätte neue Leute kennengelernt, an deren Geschichte ich auf wundersame Weise teilnehmen durfte. So in etwa hat es sich angefühlt. Erst im Schaffensprozess lernte ich die Figuren dann näher kennen und vervollständigte ihr Profil durch die Charakterarbeit.

Vorlieben und Abneigungen beim Schreibprozess

tredition: Was lieben/was hassen Sie beim Schreiben?

Vera Lynn Fox: Tja, lieben kann man den Flow, wenn das Schreiben wie von selbst geht. Die Spannung, die dabei entsteht. Ich zumindest schreibe, ohne das genaue Ende zu kennen. Insofern habe ich zwar einen groben Plot im Hinterkopf, muss die Geschichte aber zu Ende bringen, bevor ich weiß, wie das Ganze nun eigentlich wirklich endet. Damit bleibe ich am Ball und bin auch in jedem Moment von der Story angetrieben / angestachelt. In gewisser Weise laufe ich dem Ganzen immer einen Schritt hinterher und lasse mich selbst überraschen.

(überlegt/wiederholt die Frage) Was hassen Sie? Vielleicht in gewisser Weise die Überarbeitung. Wobei ich auch diese Arbeit inzwischen schätzen gelernt habe. Ich hatte eine sehr gute und produktive Zusammenarbeit mit meinem Lektor, Hagen Schied, der es wirklich versteht, konstruktive Kritik zu üben. Das Überarbeiten bedeutet ja auch eine Distanz zu dem Text zu gewinnen, ihn in gewisser Weise also so stark reifen zu lassen, dass ich ihn auch loslassen und in die Veröffentlichung verabschieden kann. Ich bin davon überzeugt, dass dies ein wesentlicher Prozess ist, der Anstrengung fordert, wie jede Ablösung, jede Trennung, der mich aber dann auch die Kraft zurückgewinnen lässt, etwas Neues zu schreiben und mich nicht zu verlieren – in diesem Werk.

tredition: Sie haben  „Kreatives und Biographisches Schreiben“ studiert, ein Erfolgsmodell für Autoren?

Vera Lynn Fox: Ja. Wir haben zum Beispiel mit dem Romanautor Volker Kaminski sehr erfolgreich eine Romanwerkstatt durchgeführt. Ich habe ja auch schon vorher eine Ausbildung im „Haus des Schreibens“ absolviert. Dort habe ich mich intensiv mit Fragen der Dramaturgie, der Heldenreise, dem strukturellen Aufbau von Romanen, Novellen etc. befasst. Das Studium an der ASH vermittelt zusätzlich ganz andere Aspekte des Schreibens, so dass es für mich als Autorin eher eine Ergänzung darstellt. Grundsätzlich finde ich diese Erfahrung empfehlenswert.

Also, ehrlich gesagt, ich habe das Buch mit so einem Schwung geschrieben und auch mein Lektor hat echt Tempo gemacht, so dass die Vorstellungen, das Manuskript im Anschluss in unbekannte Hände zu geben bzw. irgendwo in der Republik auf gut Glück zu verteilen, mich abgeschreckt hat.

tredition: Welche Rückmeldungen haben Sie bisher von Lesern auf Ihr Buch erhalten?

Plotting

Bild: Ein Auszug aus der Autorenarbeit. Das Plotschmieden ist Vera Lynn Fox beim Schreiben besonders wichtig.

Vera Lynn Fox: Einige sehr erfrischende Rezensionen! Es dürfen aber gerne noch mehr werden. Es gab allerseits eine große Anteilnahme am Schicksal Paschulkes. Sogar bis zu dem Punkt, dass ich gebeten wurde, das Buch an dieser Stelle umzuschreiben. Leider ist eine Änderung natürlich nicht möglich ;). Geschichten werden eben unumstößlich erzählt. Aber so viel kann ich verraten, es gibt Wege und Hoffnung, Paschulke doch im nächsten Roman noch einmal wiederzutreffen. Die gute Nachricht für meine Follower ist: Es war nicht beabsichtigt, aber es wird einen Folgeroman geben! Ich bin bereits am Schreiben. Auch das auf Wunsch meiner Leser, soweit zur Rückmeldung.

Andere Fans von „Rosa ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“  sind auch schon die Stationen, an denen die Geschichte spielt, abgefahren. Dort beispielsweise, wo die verschiedenen Leichen aufgetaucht sind. Jetzt im Sommer eignet sich dafür übrigens eine Rad- oder Kanutour am Wannsee und auf der Havel hervorragend.

Was gab es noch für Reaktionen? Ich habe ja sehr viele Protagonisten und für mich war spannend, dass die Leser auf die verschiedensten Charakteren reflektieren. Es  gibt Menschen, die mir sagen, das Schicksal von Terese Santa Fee oder auch Falk Kernig habe sie sehr überrascht / hätten sie so nicht erwartet. Andere sehen sich mehr bei Eva. Publikumsliebling ist und bleibt natürlich Kommissar Paschulke. Aber auch Ted wird als verrücktes Huhn wahrgenommen und gemocht. Es gab sogar Leser, die sich – zu meinem Erstaunen – auf die Seite von Gernot Klemm geschlagen haben. Obwohl eigentlich gar nicht so sehr zu meinem Erstaunen, es hat mich im Grunde gefreut weil ich ihn auch immer als ambivalente Person und als in sein Schicksal innerhalb dieser Geschichte hineingedrängt hatte darstellen wollen. Damit war Gernot in der Entwicklung auch der schwerste Charakter den es in seiner vielschichtigen Ausprägung zu beschreiben galt. An seiner personalen Ambivalenz und dem Abdriften, also dem Übergang zum Bösewicht, habe ich intensivst und lange gefeilt. Deshalb habe ich mich gefreut, wenn von meinen Lesern selbst für ihn noch Verständnis aufgebracht wurde. Das war nämlich durchaus von mir so gewollt. Klemm ist ja nicht von Natur aus böse. Er rutscht so in die Sache rein. Vergleichen könnte man das vielleicht mit dem Gefühl, wenn hinter einem die Polizei im Auto fährt und der Fahrer plötzlich nervös wird, obwohl er sich gar keines Vergehens bewusst ist. Aber plötzlich schleicht sich da ein Schuldgefühl ein und der Fahrer verhält sich falsch bzw. vollkommen irrational. Das ist ja im Kern das, worauf auch Gernot Klemm anspringt. Wenn die Figur also verstanden wurde, hab ich mich natürlich wie eine Schneekönigin gefreut.

Eine weitere, unerwartete Bitte von meiner Leserschaft war das Buch als Hörbuch einzusprechen. Hierzu gab es auch schon erste Probeaufnahmen. Insofern könnte ich mir vorstellen, dass es „Rosa ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“ zukünftig auch in Form von Podcasts als Audiofile gibt. Schauen wir einfach mal, wie es in dieser Angelegenheit  weitergehen kann – was das Schicksal mit mir vor hat.

„Me too“

tredition: Wie stehen Sie/ Ihre Charaktere zu „Me too“?

Vera Lynn Fox: Ja, das ist eine spannende Frage. Ich habe das Buch, insbesondere die Szenen, die vermeintlich sexistisch rüberkommen, im Sommer 2016 bis Sommer 2017 geschrieben. Also, kurz bevor die #metoo-Welle so richtig ins Rollen kam. Als ich dann von der Debatte erfuhr, war es als hätte das Thema wie eine Schwingung schon überall in der Luft gelegen. Es muss klar sein, dass die Zeiten der Besetzer-Couch und der sexuellen Übergriffigkeit auch gerade in Künstlerkreisen endgültig der Vergangenheit zugeordnet werden sollten. Allerdings muss ich fairerweise sagen, dass mir in der Berliner Kunstszene keinerlei derartiger Vorfälle persönlich bekannt wären. Soweit auch nochmal zu Ihrer Eingangsfrage, hier handelt es sich definitiv um Fiktion.

Aber auch Catherine Deneuves Anmerkung, die Männer nicht ganz abzuschrecken, kann ich zwar nachvollziehen, wobei zu ergänzen ist, dass #metoo nicht nur einer Frage zwischen Männern und Frauen ist. Da hat Deneuve schon mal nur die Hälfte der Debatte erfasst. Natürlich sollte man immer den Einzelfall betrachten. Grundsätzlich finde ich übergriffiges Verhalten gegenüber anderen Menschen verabscheuungswürdig. Ich will hier aber nicht zu tief in die Materie eintauchen, weil Missbrauch definitiv nicht Thema des Krimis ist. (Es geht eher um sexualisierte Übergriffe im weitesten Sinne und den Umgang der Menschen damit. Also um Schuldzuweisungen etc.)

Die Vorstellung, dass mein Schaffensprozess durch Kräfte, deren Vorstellungen und Vorgaben mir nicht bekannt sind, ausgebremst wird und mit denen ich auch nicht in einen Dialog treten kann, weil das einfach auch nicht so üblich ist in der Branche, haben mich gleich von Vornherein für das Self-Publishing entscheiden lassen.

Vorteile von Self-Publishing?

tredition: Wie sind Sie zum Self-Publishing gekommen?

Vera Lynn Fox: Also, ehrlich gesagt, ich habe das Buch mit so einem Schwung geschrieben und auch mein Lektor hat echt Tempo gemacht, so dass die Vorstellungen, das Manuskript im Anschluss in unbekannte Hände zu geben bzw. irgendwo in der Republik auf gut Glück zu verteilen, mich abgeschreckt hat. Auch die Befürchtung, nicht beurteilen zu können, mit welcher Qualifikation und welcher Aufmerksamkeit das Werk beurteilt werden könnte, spielten in die Entscheidung mit hinein. Rein organisatorisch ist es vermutlich kaum möglich, sich innerhalb eines Verlags mit der Vielzahl der unverlangt eingesandten Manuskripte intensiv auseinanderzusetzen. Insofern habe ich diesen Weg zu gehen, für mich von Beginn an ausgeschlossen. Die Vorstellung, dass mein Schaffensprozess durch Kräfte, deren Vorstellungen und Vorgaben mir nicht bekannt sind, ausgebremst wird und mit denen ich auch nicht in einen Dialog treten kann, weil das einfach auch nicht so üblich ist in der Branche, haben mich gleich von Vornherein für das Self-Publishing entscheiden lassen. Wie gesagt, ich habe auf eigene Kosten einen Lektor hinzugezogen. Es geht mir also nicht darum, mich einer Korrektur oder einem professionellen Blick zu entziehen. Im Gegenteil, Menschen, die mit Texten umgehen können, sind mir für den kritischen Austausch sehr willkommen und ich bin zur Zusammenarbeit aufgelegt. Aber das Self-Publishing erschien mir direkter. Ich durfte mein Cover selbst entwerfen, hatte keine inhaltlichen Vorgaben. Das alles ist mir sehr entgegengekommen. Es ist für mich selbstverständlich, mich an die konventionellen Absprachen, wie den Ausschluss von pornographischen Inhalten oder Gewaltverherrlichung zu halten. Aber das war ohnehin klar für mich. Das sind nicht meine Themen.

Und da bin ich auf tredition gestoßen, die ja sogar eine eigene PR-Abteilung haben.

tredition: Und wie sind Sie gerade bei tredition gelandet?

Vera Lynn Fox

BIld: Vera Lynn Fox hat sich gleich von Anfang an für das Self-Publishing entschlossen.

Vera Lynn Fox: Das war tatsächlich ein längerer Prozess. Ich habe mich sehr intensiv vorher mit Self-Publisher-Diensten, Self-Publisher-Verlagen auseinander gesetzt – und auch mit den Erfahrungen einer Freundin, die bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat. Da gibt es ja die unterschiedlichsten Variationen und besonders gefallen hat bzw. besonders wichtig war mir eben das Angebot der direkten Ansprache. Wie gesagt, die Anthologie war ja schon vorher bei einem anderen Self-Publisher-Dienst erschienen, bei dem ich ursprünglich auch bleiben wollte. Aber wenn ich dort z.B. ein Problem hatte, bekam ich ein Ticket mit dem Vermerk, dass sich jemand melden würde, was aber nie in angemessener Zeit geschah. Im Endeffekt bin ich dort in keinen Dialog gekommen. Es entstand die gleiche Situation, wie oben beschrieben: Ich fühlte mich in meinem Schaffensprozess nicht unterstützt bzw. sogar ausgebremst. Im Gegensatz dazu habe ich da mit tredition eben inzwischen ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich habe oft innerhalb von Stunden oder zumindest immer innerhalb desselben Tages eine Lösung für mein Problem erhalten. Noch dazu durch persönliche Ansprache am Telefon. Das hat mich einfach begeistert.

Außerdem, was mir besonders wichtig war und für meine Entscheidung ausschlaggebend, ist die Vermarktungsstrategie und die Unterstützung, die man für die Promotion nach der Veröffentlichung von tredition erhält. Ich bin sehr daran interessiert mein Buch auch zu promoten. Das ist aber nur möglich, wenn man am deutschsprachigen Buchmarkt überhaupt vertreten ist. Mit einer amerikanischen ISBN war da einfach nicht viel zu reißen, was bei mir zu Frust geführt hat. Aus diesem Grund habe ich mich dann nach Möglichkeiten umgesehen. Und da bin ich auf tredition gestoßen, die ja sogar eine eigene PR-Abteilung haben, wie sie selber wissen ;). Die vor allem auch sehr gut funktioniert und die ich als sehr aufmerksam und engagiert erlebe. Das hat mich in der Konsequenz bewogen, tredition zu wählen. Ich bin mit dieser Entscheidung sehr zufrieden und werde daran sicher erst einmal nichts ändern.

tredition: Haben es Autoren heutzutage schwerer, weil immer weniger Menschen zum Buch greifen? Wie schätzen Sie, wird sich der Buchmarkt in den nächsten Jahren entwickeln?

Vera Lynn Fox: Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, Menschen die lesen, werden das immer tun. Menschen, die nie gelesen haben, werden auch weiterhin nicht lesen. In vielen Familien wird traditionell gelesen und diese Leidenschaft von Generation zu Generation weitergetragen.

Wichtig zu erwähnen finde ich in diesem Zusammenhang auch ein gewisses haptisch/sinnliches Erlebnis, das man mit einem Buch hat. Was verstehen wir schließlich unter Gemütlichkeit? Da ist ein Buch häufig mit dabei. Der Traum abends vor dem Kamin zu lesen, im Winter im Bett oder im Sommer am Strand. Unsere Fantasien um Entspannung drehen sich häufig auch ums Lesen und eine gute Geschichte, die uns eine innere Reise schenkt.

Dabei ist es eigentlich egal, in welcher Form Ihnen ein Buch präsentiert wird, ob modern als E-book, Paperback oder als veredelte Form im Hardcover. (Bei tredition gibt es ja zum Glück alle drei Varianten. Auch ein Grund für mich, tredition zu wählen.) Insofern, schätze ich, wird der Buchmarkt mindestens stabil bleiben. Ich könnte mir aber vorstellen, dass das Self-Publishing-Segment weiter wächst und sich insofern im Verlagswesen eine Menge ändern könnte. Allerdings bin ich weit von einer Expertise entfernt, die mich befähigte, an dieser Stelle eine verlässliche Prognose abzugeben.

Meine Ratschläge für Autoren

tredition: Haben Sie im Bereich Veröffentlichung besondere Tipps an andere Autoren?

Vera Lynn Fox: Einfach durchziehen. TUN. Und das habe ich ja vorhin schon gesagt, ich kann tredition wirklich empfehlen, ohne mich jetzt anbiedern zu wollen. Aber es gibt auch viele andere Wege zur Veröffentlichung, die Autoren gehen können. Da muss jede Schreibpersönlichkeit ihre eigene Lösung finden. Ich bin inzwischen sparsamer mit Tipps. Jeder Mensch ist anders, jeder Autor hat andere Bedürfnisse und sucht seine individuelle Lösung. Und natürlich ist auch das Genre entscheidend. Vielleicht passt nicht jedes Thema zu einem Self-Publishing-Dienst. Auch die Vermarktungskanäle unterliegen individuellen Vorlieben. Der eine Autor setzt auf Dumpingpreise, Wertschätzung von Qualität, der andere auf Lesungen. Ein jeder Weg für sich kann funktionieren. Der Tipp lautet im Grunde: Recherchiere aufmerksam und höre auf deine innere Stimme. Wo fühlst du dich wohl? Geh dann diesen Weg.

Wie läuft das eigentlich mit dem Marketing?

tredition: Was sind Ihre Erfahrungen im Bereich Marketing? Wie sollte man als Autor an das Marketing für das eigene Buch herangehen?

Vera Lynn Fox: Ich glaube das habe ich eben gerade schon beantwortet. Meine Erfahrungen sind eben so, dass ich mich mit 99 Cent-Aktionen überhaupt nicht anfreunden konnte. Billig ist in meinen Augen abwertend. Nicht nur für mich, sondern auch für alle anderen, die mit ihrer Arbeit an solch einer Veröffentlichung beteiligt sind. Ich schreibe nicht für Schäppchenjäger … sondern für Menschen, die Spaß an spannenden Geschichten haben.

Insofern suche ich bei der Vermarktung eher den klassischen Weg über Lesungen. Auch weil ich Kontakt zu meinen Lesern aufnehmen und in den Dialog mit meinen Fans gehen möchte. Ich will präsent sein und Fragen standhalten können. Ich glaube eben nicht, dass ich über Flatrates oder Aktionen im Netz eine stabile Leserschaft erreiche. Das sind statistische Werte, die man da kreiert, die künstlich hochgepuscht werden. Aber vielleicht irre ich mich damit auch. Who knows? Ich kann nur sagen: Im Grunde ist mir jeder Leser/ jede Leserin willkommen, egal wie er oder sie zu mir findet.

tredition: Sie haben viel Erfahrung in Bezug auf Lesungen, welche Tipps können Sie anderen Autoren dabei geben?

Vera Lynn Fox: Stimmt, inzwischen konnte ich einige Erfahrungen sammeln. Schön, war für mich zu erfahren, wie stark ich rüber kommen kann, wenn der Text zu mir gehört, also aus mir selbst kommt. Ich freue mich natürlich über das Feedback. Menschen, die meinen Text begeistert aufnehmen, mehr wissen wollen und das Buch kaufen. Auch die Gespräche, die wir nach so einer Lesung führen, machen mir einen Riesenspaß!

Tipps? Wie gesagt, damit bin ich inzwischen eher sparsam. Das muss Jeder für sich selber austüfteln. Ich für meinen Teil bereite meine Texte extra für die Lesung auf. Ich lese also nicht aus dem Buch selbst – die Buchstaben wären mir in der Aufregung meist viel zu klein – sondern ich habe eine Leseversion als Papierskript, das ich auch vor jeder Lesung neu überarbeite, um mich auf die Location und Leute einzustellen. Zum Beispiel streiche ich Beschreibungen oder Regieanweisungen. Die Atmosphäre und Gefühlslagen der Charaktere müssen also über meine Stimme kolportiert werden.

Auch Nebeninformationen oder Personeneinführungen werden gestrichen. Alles was überfrachtet wirken könnte, fliegt raus. Und dann achte ich darauf, mit einem Cliffhanger zu enden, um meine Leser anzufixen;)

tredition: Sind Sie noch aufgeregt vor einer Lesung?

Vera Lynn Fox: Ja, eine gewissen Grundspannung ist energetisch wichtig für mich.

tredition: Welche weiteren Marketingmaßnahmen haben Sie für Ihr Buch bereits vorgenommen?

Vera Lynn Fox: Ich stehe in regelmäßigem Austausch zur Marketingabteilung von tredition und bin über jede Anregung von dieser Seite dankbar.

Ansonsten versuche ich jede Lesung mitzunehmen, die sich mir bietet. Da probiere ich mich weiter aus und lerne immer wieder Neues dazu. Aktuell ist ein Krimi-Dinner-Abend für den Winter geplant. Ich bin mal gespannt, wie sich das entwickelt. Das wird nochmals eine Herausforderung, den Text von „Rosa-ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“ als Begleitung für ein 4-Gänge-Menu ganz gezielt aufzubereiten. Also, das wird sicherlich ein interessantes Projekt.

Außerdem plane ich die Übersetzung von „Rosa-ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“ ins Englische. Ganz wichtig! Weil das Buch ja so geschrieben ist, dass es Menschen aus aller Welt, die sich für Berlin interessieren, ansprechen soll. Gerade für das junge Berlin. Der Roman spielt ja in Berlin-Mitte und in Wannsee, wie auch Charlottenburg. Also, das sind ja Bezirke die Menschen, die von außerhalb auf die Stadt schauen, stark interessieren. Wie ist das Leben dort? Wie sieht es da aus? Was machen, was ist gerade en Vogue, wovon handelt der Gossip was denken die Leute die hier leben? Und das wird ja angesprochen in diesem Roman. Daher bietet sich eine Übersetzung ins Englische als weitere sprachliche Herausforderung und Verbreitungsstrategie an.

tredition: Hatten Sie von Anfang an einen Marketingplan?

Vera Lynn Fox: Leider nein. Was in den ersten Monaten nach der Veröffentlichung dementsprechend zu erheblichem Frust bei mir geführt hat, weil ich mit „Rosa-ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“ einfach nirgendwo auf dem Buchmarkt zu sehen war. Die Notwendigkeit des Marketings ist quasi über Nacht über mich hereingebrochen, mit, wie schon gesagt, anfänglich gewaltigen Frustattacken, bis ich mich dann an tredition gewandt habe. Und seitdem läuft es auch. Und darüber bin ich natürlich sehr froh.

tredition: Dürfen Ihre Leser sich auf weitere Bücher freuen?

Vera Lynn Fox

Bild: Vera Lynn Fox arbeitet bereits an einem Folgeband zu „Rosa ge-ext“!

Vera Lynn Fox: Auf jeden Fall! Es gibt, wie gesagt, einige Projekte, die ich in der Schublade habe. Eines von denen, die im Entstehen sind, ist die Fortsetzung. Allerdings anders als „Rosa ge-eXt, Blutiger Kunstdeal“. Aber es geht weiter mit dem Berliner Ermittlungsteam. Eva ermittelt in einem ungelösten Altfall von Paschulke. Eine Familiengeschichte um eine Mordserie, die Eva zunehmend in die Berliner Wendejahre bis 1992 zurück katapultiert. Konkret handelt die Story von verlassenen Orten und deren geheimnisvoller Historie sowie von ungesühnter Schuld. Eine Schuld die bis heute fortbesteht und in einer neuen Katastrophe zu eskalieren droht. Im Kern spüre ich der Frage nach, ob Schuld erst von dem Schuldigen bekannt werden muss, um sie überwinden und sich aus den Gefühlen die damit verbunden sind befreien zu können oder, ob hier unweigerlich der biblische Spruch der Vererbung von der Schuld bis ins vierte Glied gilt? Es wird abartig gruselig, soviel kann ich verraten und ich selbst bin gespannt, wie die Sache ausgehen wird.

tredition: Liebe Frau Fox, wir danken für das spannende Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg! 

Über die Autorin

Vera Lynn Fox, die 1966 in Berlin geborene Krimi-Autorin. Nach diversen Lebensstationen in Los Angeles, Puerto Rico und Marburg, lebt  sie mit Partner, Sohn und drei Katzen im Südwesten Berlins.

Mehr über die Autorin

Spezialist für Spannungsgeladenes: Autor Moritz Hirche im Interview

Moritz Hirche

Alles über den Autor Moritz Hirche und sein Krimidebüt auf www.schattengeburt.de – einfach auf das Foto klicken.

Eine große Leidenschaft für das Schreiben und eigene berufliche Expertise als Beamter der Staatsanwaltschaft – Moritz Hirche vereint beide Eigenschaften auf sich. Idealer könnten die Voraussetzungen für einen spannungsgeladenen Kriminalroman kaum sein. Jeden, der den Trailer zu Moritz Hirches Debüt „Schattengeburt“ anschaut, kribbelt es in den Fingern, sich sogleich in die Lektüre des Krimis um den Staatsanwalt Robert Hartmann zu vertiefen. Im Gespräch mit tredition berichtet der Autor, weshalb er kantige Persönlichkeiten in Krimis für wichtig erachtet, wie ihm bei der Produktion eines Hörbuchs der Zufall in die Hände spielte und auf welche weiteren Buchprojekte die Leser sich bereits freuen können.

tredition: Lieber Herr Hirche, soeben haben Sie Ihren ersten Kriminalroman veröffentlicht. Ein tolles Gefühl oder?
Moritz Hirche:
Das ist es wirklich. Da ich das e-Book zu „Schattengeburt“ schon im letzten Jahr veröffentlicht habe, ist mir das Gefühl nicht ganz unbekannt. Dennoch war ich wirklich begeistert, als ich das Probeexemplar aus dem Briefkasten genommen habe. Kompliment an die Druckerei. So geht das! In erster Linie schreibe ich aber nicht für mich selbst, daher sehe ich die wirkliche Freude als Autor erst in den Rückmeldungen und Rezensionen der Leser/innen.

tredition: Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben? Und wie sind Sie beim Aufbau des Romans vorgegangen gerade bei Krimis ist das ja eine große Herausforderung.
Moritz Hirche:
Die ersten Anfänge zu „Schattengeburt“ stammen aus dem Jahr 2009. Anfangs gab es lange Unterbrechungen, da ich mich zunächst immer wieder vom Schreiben abhalten ließ. Aber das wichtigste ist, dass der Funke entzündet war. 2011 habe ich so gut wie alles bisher Geschriebene gelöscht und neu begonnen – knapp zwei Jahre später war der Roman vollendet. Jeder muss zunächst seinen Rhythmus finden, in dem, was er tut.

Das Genre des Kriminalromans/Thrillers unterscheidet sich von anderer Belletristik aus meiner Sicht dadurch, dass der Leser zu Recht einen gelungenen Spannungsbogen erwartet, der fesselt und im besten Fall dazu zwingt, umzublättern. Daneben halte ich authentische, kantige Personen für unverzichtbar, mit denen sich der Leser wie in einem Film in unterschiedlichen Stimmungen identifizieren kann. Natürlich habe ich mir zunächst ein „Grundgerüst“ der Story und der handelnden Charaktere erdacht. Vieles ergibt sich aber auch erst während des Schreibens.

 „Fast alle Örtlichkeiten, die im Buch beschrieben sind, existieren auch in der Realität.“

Schattengeburt von Moritz Hirche

Im März als Paperback und Hardcover bei tredition erschienen

tredition: Sie sind von Berufswegen mit der Arbeit einer Staatsanwaltschaft gut vertraut. Wie viel Reales steckt in Ihrem Roman?
Moritz Hirche:
Gewisse Aspekte einer realistischen Ermittlung finden sich in „Schattengeburt“ wieder: Ob es Kleinigkeiten, wie beispielsweise ein spezielles Aktenzeichen für Kapitalverbrechen, die Tatort- und Beweissicherung, die Arbeit der Gerichtsmedizin oder die DNS-Analyse sind.

In der Realität hat jedoch ein nicht unerheblicher Teil der Ermittlungsarbeit etwa den Unterhaltungswert einer Büroklammer oder erschöpft sich in der Bürokratie und Hierarchien. Dies erspare ich den Lesern natürlich bewusst.

tredition: Zur Vollendung Ihres Buches haben Sie sogar die Originalschauplätze besucht. Wie sind Sie dort vorgegangen?
Moritz Hirche:
Ja, vielleicht von Afghanistan einmal abgesehen sind mir die Handlungsorte wirklich gut bekannt. Koblenz und die Moselregion kenne und schätze ich aus vielen Aufenthalten innerhalb der letzten Jahre. Während der Arbeit an „Schattengeburt“ bin ich mehrmals dorthin zurückgekehrt, um Stimmungen und Details aufzunehmen. Fast alle Örtlichkeiten, die im Buch beschrieben sind, existieren auch in der Realität.

tredition: Weshalb haben Sie sich für Self-Publishing und für tredition entschieden?
Moritz Hirche:
Unter den heutigen Marktbedingungen halte ich Self-Publishing bei einem seriösen Anbieter für einen guten Einstieg – oder auch mehr. Die Entscheidung für den tredition-Verlag fiel für mich aufgrund positiver Erfahrungsberichte. Ausschlaggebend für mich sind besonders die Marketingmaßnahmen, die der Verlag verfolgt. Denn ohne geht es nicht.

 „Den Trailer vorzubereiten, war ein kleines Abenteuer.“

tredition: Für das Buch haben Sie eine bemerkenswerte Webseite gelauncht. Wie haben Sie den spannenden Trailer und die Hörproben erstellt?
Moritz Hirche:
Vielen Dank. Das Material für den Trailer zusammenzustellen, war wirklich ein kleines Abenteuer. Manchmal bin ich am Abend oder in der Nacht mit der Kamera losgezogen, um ein paar gute Motive und Inspirationen aufzunehmen. Für viele Einstellungen brauchte ich natürlich Unterstützung.

Bei den Hörproben half mir der Zufall. Vor einiger Zeit lernte ich einen professionellen Sprecher kennen, dessen Stimme aus Radio, Fernsehen und der Werbung bekannt ist. Das war offenbar Schicksal. Daraus erwuchs nicht nur eine Freundschaft, sondern auch meine Bitte, der Hörprobe seine Stimme zu „leihen“. Vor einigen Monaten trat dann ein Hörbuchverlag an mich heran und so wird „Schattengeburt“ im Laufe des Jahres auch als Hörbuch erscheinen.

tredition: Welche Tipps können Sie anderen Autoren diesbezüglich geben?
Moritz Hirche:
Noch fühle ich mich nicht unbedingt dazu berufen, anderen Autoren Ratschläge zu erteilen. Ich stehe ja selbst ganz am Anfang. Allgemein halte ich solche Projekte wie Trailer und Hörproben in unserer Zeit allerdings für sehr wichtig, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Sofern man ein wenig Kreativität mitbringt und sich ein gewisses Maß an Eigenwilligkeit gönnt, macht die Umsetzung eine Menge Spaß. Und so platt diese Erkenntnis auch erscheint – gelegentlich hilft der Zufall.

 „Das zweite Buch möchte ich in diesem Jahr veröffentlichen.“

tredition: Mit welchen weiteren Marketingmaßnahmen bewerben Sie Ihren Roman?
Moritz Hirche:
Was das e-Book betrifft, führe ich gelegentlich Werbeaktionen durch, die ich vorher auf den maßgeblichen Seiten ankündige. Auf Facebook bin ich natürlich auch zu finden. Für die Zukunft könnte ich mir beispielsweise Lesungen vorstellen, die auch auf youtube veröffentlicht werde.

tredition: Wann wird Ihr zweites Buch erscheinen? Und können Sie schon Details verraten?
Moritz Hirche:
Das zweite Buch möchte ich in diesem Jahr veröffentlichen. Staatsanwalt Robert Hartmann wird für seinen zweiten Fall zurückkehren, der ihn unter anderem an die stürmische Nordseeküste führt – und darüber hinaus. Was als knallharte Überraschung für den Ermittler beginnt, führt zu einem lange vergessenen Geheimnis, das besser zwischen den Dünen verborgen geblieben wäre. Nicht nur ihn selbst bringen die Ermittlungen in tödliche Gefahr. Robert Hartmann muss dabei weiter gehen als jemals zuvor.

Zunächst werde ich aber voraussichtlich einen Roman beenden und veröffentlichen, der mir ebenfalls seit längerer Zeit sehr am Herzen liegt. Es ist ein historischer Thriller mit einer weiblichen Hauptrolle vor dem Hintergrund der dunkelsten Episode der deutschen Geschichte: Eine epische Story um Loyalität, Gewissen, Verrat – und eine unbeugsame Liebe in Zeiten des Krieges. Unerwartete Wendungen lassen die Heldin nicht nur die Grenzen des zerstörten Europa überschreiten, sondern auch ihre eigenen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen Leserinnen und Lesern!