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Weshalb Autoren nicht allein auf das e-Book setzen sollten

buch oder ebook?
Foto: Contratswerkstatt/Fotolia

Wenn ein großer deutscher Publikumsverlag ein „reines Digitalprogramm“ startet – wie es vergangene Woche im Branchenmagazin Börsenblatt zu lesen war – dann sollte das doch ein Anzeichen dafür sein, dass das e-Book für Verlage und Autoren ein gewinnbringendes, umsatzstarkes Format darstellt, für das es sich lohnt, auch einmal auf das gedruckte Pendant zu verzichten. Oder?

Auch von Self-Publishing-Autoren ist nicht selten zu hören, dass sie ihren Fokus auf das e-Book setzen, schließlich sind nicht wenige Autoren mit einem Kindle-Bestseller populär geworden. Und nicht zu vergessen: e-Book-Flatrates sind stark im Kommen; noch ein Zug, auf den Autoren dringend aufspringen sollten. Dies zumindest mag man auf den ersten Blick vermuten.

Schauen wir uns einmal die Faktenlage an: Welche Bedeutung hat das e-Book im deutschen Buchmarkt insgesamt und speziell im Self-Publishing? Wie viel lässt sich mit einem e-Book überhaupt verdienen?

Erst vergangene Woche hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Bilanz zur Entwicklung des Buchmarktes 2014 vorgelegt. Demnach erhöhte sich der Umsatz mit e-Books am Publikumsmarkt (ohne Schul- und Fachbücher) von 2013 auf 2014 um 7,6 Prozent. Das ist eine Wachstumsrate, die im Vergleich zu den Vorjahren geradezu erschreckend niedrig ausfällt: Von 2012 auf 2013 lag die Wachstumsrate noch bei 60,5 Prozent und von 2011 auf 2012 sogar bei 191,4 %. Von einem dynamischen e-Book-Markt kann also aktuell nicht die Rede sein.

Nach wie vor liegt außerdem der Anteil der e-Books an den Einnahmen im deutschen Buchmarkt im einstelligen Bereich: 4,3 Prozent des Buchumsatzes in Deutschland entfielen 2014 auf e-Books.

Es zeichnet sich folgender Trend ab: Die Anzahl verfügbarer e-Books sowie der e-Book-Absatz (24,8 Mio. Ex. in 2014) steigt kontinuierlich, aufgrund niedriger Verkaufspreise und Flatrate-Modelle wächst aber der Gesamtumsatz mit e-Books nicht so stark wie Titelzahl und Absatz. Auf jedes e-Book wird deshalb künftig immer weniger Umsatz entfallen. Dies gilt umso mehr für den Self-Publishing-Markt, da die Preisbereitschaft sowie das Verkaufspreisniveau hier noch niedriger liegen als bei Titeln aus traditionellen Verlagen.

Eine Analyse des e-Book-Dienstleisters readbox, der für große Verlage ebenso wie für Self-Publishing-Dienstleister e-Books produziert und vertreibt, ergab außerdem, dass sich ein e-Book in Deutschland pro Jahr im Schnitt nicht mehr als rund 24 Mal verkauft. Jeder Self-Publisher kann sich ausrechnen, dass angesichts solcher Absatzzahlen und bei Verkaufspreisen zwischen zwei bis fünf Euro für ein e-Book ein äußerst bescheidener Ertrag unter dem Stricht steht.

Flatrates: Sichtbarkeit ja, aber…

Viele Autoren stehen gleichzeitig vor der Frage, ob und inwiefern Flatrate-Modelle dem eigenen Erfolg zuträglich sein können. Neben bereits bekannten Anbietern wie Readfy, Skoobe und der Onleihe startete jüngst auch der spanische Anbieter 24symbols in Deutschland: Für den Zugriff auf ca. 100.000 e-Books müssen die Kunden bei 24symbols nur zwischen 5,99 Euro und 8,99 Euro zahlen. Welche Vor- und Nachteile haben solche Flatrate-Modelle für Autoren?

Pro:

  • Höhere Sichtbarkeit, Steigerung des Bekanntheitsgrades und größere Chance, von Lesern entdeckt zu werden
  • Positiver Effekt für die Kaufbereitschaft generell: gemäß einer Studie von Nielsen Books mit Bezug auf den britischen und den US-Buchmarkt geben Flatrate-Nutzer auch mehr Geld für gedruckte Bücher aus; Studien auf dem deutschen Markt fehlen allerdings dazu
  • Hohe Preisbereitschaft: die besagte Nielsen-Umfrage ergab ebenfalls, dass Flatrate-Kunden bereit sind, bis zu 17 Dollar/Monat für ein Abo zu bezahlen – marktüblich sind derzeit ca. 10 Dollar/Monat

Contra:

  • Die Möglichkeit, ein e-Book auf Leihbasis kostengünstig zu lesen, birgt natürlich das Risiko, insgesamt weniger Umsatz mit einem Titel zu erzielen
  • Der grundsätzlich positive Effekt einer höheren Sichtbarkeit von Titeln wird ad absurdum geführt, wenn es an attraktiver Darstellung mangelt. Leseempfehlungen für e-Books hinken in der Qualität der Darstellung derjenigen bei Online-Videotheken hinterher. Trailer, die interaktive Vorstellung von Protagonisten eines Romans, Autoreninterviews o.ä. wären Zusatzinhalte, die dazu beitragen könnten, ein e-Book dem potenziellen Leser schmackhaft zu machen
  • Bis dato hat sich das Modell Flatrate noch nicht als Geschäftsmodell erwiesen, dass alleinstehend funktioniert: Noch keiner der bisherigen Flatrate-Anbieter scheint sich in der Gewinnzone zu bewegen. Im Gegenteil: Skoobe veröffentlichte beispielsweise per 2013 einen angelaufenen Verlust von sechs Mio. Euro. Ebenso ist bei PaperC noch kein Erreichen der Gewinnschwelle wahrnehmbar.

Es wäre vermessen, die Bedeutung von Flatrates für Autoren, Dienstleister und Verlage bereits jetzt schon definitiv zu evaluieren, doch vorzeitige Euphorie wäre wohl fehl am Platze.

Vor dem Hintergrund all dieser Entwicklungen ist es jedem Autor dringend zu empfehlen, das eigene Buch nicht alleine im elektronischen Format zu veröffentlichen und die weiteren Marktentwicklungen genau zu beobachten. Wir halten Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden, liebe Autoren und Blog-Leser!

Neue Studie: Self-Publishing in Frankreich

So manche Studie gibt es mittlerweile zur Entwicklung des deutschen Self-Publishing-Marktes. Ebenso werden vielfach Autoren aus dem angloamerikanischen Raum genannt, wenn es um Fallbeispiele für Self-Publisher und Self-Publishing-Strategien geht. Umso spannender ist ein Blick auf ganz andere Ländermärkte. Erstmals liegt seit März eine Studie vor, die Charakteristika des französischen Self-Publishing-Marktes abbildet. Charlie Bregman, selbst Autor und Initiator von „Auteurs Indépendants“, einer Onlineplattform für unabhängige Autoren, hat eine Umfrage unter 130 französischsprachigen Self-Publishern durchgeführt, deren Ergebnisse nun als e-Book vorliegen. Unter anderem befragte Charlie Bregman die Autoren dazu, wie und in welchen Formaten sie ihre Bücher veröffentlichen, inwiefern sie Lektorats- und Korrektoratsleistungen in Anspruch nehmen, welche Werbemaßnahmen sie durchführen und ob es ihnen gelingt, ihre Titel im Buchhandel zu platzieren. Eine der spannenden Erkenntnisse: 24 Prozent der Befragten sind „Hybridautoren“, die also Self-Publishing nutzen und parallel bei einem Verlag veröffentlichen.

Am Self-Publishing schätzen die Autoren ( 95%)vor allem die Freiheit und Unabhängigkeit bei allen Entscheidungsprozessen der Buchveröffentlichung. Zugleich sehen 31 Prozent der Befragten Self-Publishing als Chance, von einem Verlag entdeckt zu werden und langfristig unter traditioneller Verlagsmarke veröffentlichen zu können.

Wie viel Zeit französische Self-Publisher ihrer Schreibtätigkeit widmen und wie viele Exemplare ihrer Bücher sie im Durchschnitt verkaufen, lesen Sie in einem ausführlichen Bericht über die Studie, den tredition als Gastbeitrag im buchreport.blog veröffentlicht hat.

Was Self-Publisher aus der neuen Studie von BITKOM lernen können

e-Book-Leserin

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Die Anzahl der Befragungen und Datenerhebungen zum Self-Publishing nimmt in jüngster Zeit deutlich zu. Für Autorinnen und Autoren ist das – zumindest in Teilen – hilfreich, um Schlussfolgerungen für die eigene Schreib- und Marketingarbeit zu ziehen. Vor wenigen Tagen hat der Digitalverband BITKOM Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht, in deren Rahmen 1.300 Personen ab 14 Jahren zum Lesen von Self-Publishing-Titeln befragt wurden. Knackpunkt dabei: Es wurden ausschließlich e-Book-Leser befragt. Die Studie deckt damit bei Weitem nicht den kompletten Self-Publishing-Markt ab, bedenkt man, dass der Umsatzanteil des e-Books im belletristischen Bereich in Deutschland noch deutlich unter zehn Prozent liegt.

Dennoch sind die Ergebnisse von BITKOM in mancherlei Hinsicht aufschlussreich:

  • Bekanntheit von Self-Publishing:

    87 Prozent der befragten e-Book-Leser kennen die Möglichkeit des Self-Publishings, bei Lesern von Printbüchern sind es 52 Prozent.
    Die Wahrnehmung von Self-Publishing als noch junges, aber etabliertes Segment im Buchmarkt ist beachtlich groß – eine gute Grundlage für jegliche Werbeanstrengungen von Self-Publishern.

  • Wer liest, schreibt auch gern:

    18 Prozent der befragten e-Book-Leser haben Texte von Self-Publishing-Autoren gelesen, 11 Prozent haben eigene Texte selbst publiziert.
    Die Tatsache, dass sich die Gruppe der e-Book-Leser mit derjenigen der Self-Publishing-Autoren überschneidet, lässt sich in der Marketingarbeit nutzen, beispielsweise in Foren und Communities, in denen sich Self-Publisher austauschen. Wer selbst ein Buch veröffentlicht hat, ist im Zweifel offener dafür, Bücher von anderen Self-Publishern zu lesen oder weiterzuempfehlen. Aber Vorsicht: In einigen Foren ist offensichtliche Werbung für das eigene Buch nicht erwünscht. Es spricht aber nichts dagegen, im gegenseitigen Meinungsaustausch das eigene Buchprojekt konzeptionell vorzustellen.

  • Self-Publishing als Bereicherung?

    29 Prozent der Befragten glauben, dass die Vielfalt auf dem Buchmarkt durch Self-Publishing zunimmt. Demgegenüber stehen 15 Prozent, die meinen, dass durch Self-Publishing zu viele schlechte Bücher auf den Markt kommen.

    Tendenziell ist die Grundeinstellung gegenüber Titeln neuer, unabhängiger Autoren eher positiv. Es ist davon auszugehen, dass der Anteil der Leser, die Self-Publishing als Bereicherung des Buchmarktes ansehen, künftig noch weiter zunehmen wird. Zumal auch der Buchhandel selbstverlegte Titel als frequenz- und umsatzbringende Sortimentserweiterung erachtet.

  • Individualität versus Mainstream

    25 Prozent der Befragten stimmen der Aussage dazu, dass durch Self-Publishing mehr Titel auf den Markt kommen, die ihrem persönlichen Geschmack entsprechen.

    Für Self-Publisher birgt das die Chance, mit ungewöhnlichen konzeptionellen Ideen, Themen und Umsetzungen Leser für sich zu gewinnen und Trends zu setzen. Fans von Self-Publishing-Titeln sind oft auf der Suche nach Literatur jenseits des Mainstreams.

  • Qualität ist Trumpf

    24 Prozent der Befragten vermisst bei Self-Publishing-Titeln eine Qualitätskontrolle durch Verlage

    Das zeigt einmal mehr: Ohne professionelle Umsetzung des eigenen Buchprojektes hilft alle Marketingarbeit nichts. Schlechte Qualität zu niedrigen Verkaufspreisen wird sich nicht nachhaltig erfolgreich verkaufen. Im Gegenteil: Leser werden verprellt und sehen von Empfehlungen der Bücher an Freunde und Bekannte ab.

Kritisch zu beurteilen ist die Tatsache, dass BITKOM in seiner Mitteilung zu den Umfrageergebnissen Self-Publishing als die Möglichkeit definiert, „digitale Texte und e-Books im Internet selbst zu veröffentlichen“. Dass Self-Publishing gleichermaßen die Veröffentlichung gedruckter Bücher bedeutet, fällt in dieser Definition schlichtweg unter den Tisch. tredition vertritt die Einschätzung, dass gedruckte Bücher und e-Books langfristig als sich ergänzende Ausgabeformate existieren, zumal beispielsweise die Marktentwicklung in den USA jüngst erst durch einen Aufschwung des Print-Absatzes gekennzeichnet war.

 

Buchreport.Blog: Sönke Schulz zur Entwicklung des Buchmarktes 2015

Sönke Schulz im buchreport.blogBlick in die Kristallkugel: Wie wird es dem Buchhandel in den kommenden Monaten ergehen? Wie entwickeln sich die Titelzahlen und welche Rolle spielen e-Books? tredition-Geschäftsführer Sönke Schulz analysiert im buchreport.blog die Entwicklung des Buchmarktes 2015.

So wird sich der Buchmarkt 2015 entwickeln

Schlechte Perspektiven für Filialisten, wachsende Titelzahlen auf Anbieterseite und ein gebremstes e-Book-Wachstum – tredition bringt auf den Punkt, welche Tendenzen den Buchmarkt 2015 kennzeichnen werden und was das für Self-Publisher bedeutet.

 

Buchhandel

Ausgangslage

Das Weihnachtsgeschäft darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Buchhandel das Jahr 2014 nicht gut abgeschlossen hat: Gemäß Erhebungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ging der Umsatz im Buchhandel 2014 um 2,1 Prozent zurück. Inflationsbereinigt liegt der Rückgang sogar bei drei Prozent.

Prognose

  • Filialisten weiter unter Druck: Filialisten bleibt keine andere Wahl, als weiter Flächen zu verkleinern oder komplett zu schließen – was insgesamt wieder den Gesamtumsatz des Buchhandels drücken wird.
  • Buchhandel vor Ort profitiert: Laut Börsenvereinsstudie hat der „Buchhandel vor Ort“ (exklusive der Vertriebswege Bahnhofsbuchhandel, E-Commerce und Kauf-/Warenhäuser) 2014 mit 1,2 Prozent ein nicht ganz so starkes Umsatzminus zu verzeichnen. Es darf also die Prognose gewagt werden, dass es inhabergeführten Buchhandlungen – mit einem entsprechenden Kundenstamm und innovativen Geschäftskonzepten – am ehesten gelingen kann, neue Wertschöpfung zu generieren.

Die Konsequenz für Self-Publisher: Mit 48,6 Prozent Umsatzanteil ist der Sortimentsbuchhandel gemäß den Erhebungen „Buch und Buchhandel in Zahlen“ des Börsenvereins nach wie vor der wichtigste Vertriebsweg für Bücher in Deutschland. Der Internetbuchhandel steht hingegen erst für 16,3 Prozent des Umsatzes – eine Zahl, die in der allgemeinen Branchendiskussion oftmals in den Hintergrund rückt. Für Self-Publishing-Autoren ist und bleibt es also unverzichtbar, den Kontakt zum „Buchhändler um die Ecke“ zu suchen, um sich im stationären Geschäft Präsenz zu verschaffen. Gerade angesichts der tendenziell rückläufigen Umsatzlage ist jeder Autor gut beraten, nicht eingleisig zu fahren, sondern sein Buch über möglichst viele Vertriebswege (stationär und online) anzubieten.

 

Buchveröffentlichungen

Ausgangslage

2014 waren in Deutschland (gemessen am Amazon-Katalog) über 300.000 e-Book-Titel lieferbar – Tendenz steigend. Auch über Print-on-Demand-Verfahren (PoD) kommen jede Menge Titel auf den Markt, darunter nicht nur Self-Publishing-Titel, sondern auch zahlreiche Backlist-Titel, die dank moderner Drucktechnologien reaktiviert werden können und neben den Novitäten um die Gunst der Leser ringen.

Prognose

  • Weiter starkes Titelwachstum: Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl lieferbarer Bücher weiter stark ansteigen wird, sowohl auf elektronischem Wege als auch im Printbereich.
  • Höhere Volatilität bei Bestsellern: Da eine immer größere Bandbreite an Titeln zur Verfügung steht, sinken Absatz und Umsatz pro Titel. Bestseller werden sich folglich immer weniger hoch verkaufen.
  • Verlage unter „Output-Druck“: Vor allem große Verlage werden gezwungen sein, mehr Titel auf den Markt zu bringen, um auf diese Weise den Umsatz zu stabilisieren.

Die Konsequenz für Self-Publisher: Es eröffnet sich die Chance, mehr eigene Titel auf den Bestsellerlisten zu platzieren. Auf diese Weise kann es gelingen, mit neuen Themen und Ideen Trends zu setzen und neue Zielgruppen zu erschließen.

 

Print versus eBook

Ausgangslage

Es kann nicht oft genug gesagt werden: Es entfallen „nur“ 3,9 Prozent des Gesamtumsatzes mit Büchern in Deutschland auf das eBook. Zugleich platzieren sich neue Anbieter im Bereich der Abo- und Flatratemodelle. Der Start von Kindle Unlimited entfachte die Diskussion neu, wie Verlage sich demgegenüber positionieren sollten. Was wird also 2015 im eBook-Markt passieren?

Prognose

  • Weiter gebremstes eBook-Wachstum: Oftmals vollzieht sich mit etwas Verspätung die gleiche Entwicklung wie im US-amerikanischen Buchmarkt, in dem die Wachstumsdynamik im Bereich eBook seit einiger Zeit wieder nachlässt. Bereits 2013 hatte sich das eBook-Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr verlangsamt. Offizielle Erhebungen zum Gesamtjahr 2014 liegen zwar noch nicht vor, doch ist die Tendenz im US-Markt eindeutig: Mit einigen Ausnahmen haben „die meisten großen eBook-Händler in den vergangenen 12 bis 18 Monaten mit stagnierenden oder rückläufigen Umsätzen“ zu kämpfen, schrieb beispielsweise Mark Coker, Gründer und CEO der Self-Publishing-Plattform Smashwords, im November 2014 (siehe auch buchreport).
  • Der Print-Absatz steigt wieder: Noch einmal sei auf die Entwicklung in den USA verwiesen. Gemäß jüngster Erhebungen von Nielsen Book Scan sind die Printabsätze 2014 um 2,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Ein vergleichbarer Effekt ist auch hierzulande zu erwarten.
  • Verlage verabschieden sich von der Flatrate: Je stärker Flatrate-Abos von Lesern genutzt werden, desto stärker leidet der tatsächliche Umsatz mit eBooks. Das werden Autoren und Verlage schmerzlich zu spüren bekommen und es ist davon auszugehen, dass mittelfristig erste Verlage den Rückzug aus den Flatrate-Modellen antreten werden.

Die Konsequenz für Self-Publisher: Autoren und Self-Publishing-Dienstleister tun gut daran, auf beide Formate (print + eBook) gleichermaßen zu setzen, deren Vorteile konzeptionell auszuschöpfen (Verlinkungen, anspruchsvolles Coverdesign, Illustrationen) und damit jeder Leserpräferenz zu genügen.

 

Self-Publishing

Ausgangslage

In den vergangenen Jahren ist in Deutschland die Zahl der Novitäten im Self-Publishing kontinuierlich auf zuletzt über 40.000 Titel (print + eBook) in 2014 gestiegen. Traditionelle Verlage haben 2014 mit eigenen Plattformen reagiert (z.B. Lyx Storyboard von Egmont) bzw. Dienstleister aufgekauft (Bastei Lübbe holte Bookrix unter sein Dach).

Prognose

  • Starkes Titelwachstum: Alles spricht dafür, dass sich dieses noch junge Marktsegment auch 2015 dynamisch und wachstumsstark weiterentwickeln wird.
  • Mehr Hybridautoren: Die Zahl jener Autoren, die die Vorzüge des Self-Publishing zu schätzen wissen und zugleich klassische verlegerische Dienstleistungen (Lektorat, Illustration etc.) in Anspruch nehmen oder parallel bei traditionellen Verlagen veröffentlichen, wird weiter zunehmen.
  • Verlage unter Druck: Lektorate sehen sich plötzlich damit konfrontiert, dass ihre Stammautoren selbstbewusst entscheiden, welche Titel sie unter etablierter Verlagsmarke herausgeben möchten und welche auf dem Wege des Self-Publishing.
  • Etablierte Marktteilnehmer steigen ein: In Kürze wird ein bedeutender Vertreter der deutschsprachigen Buchbranche in den Self-Publishing-Markt einsteigen. Mehr darüber wird exklusiv auf tredition.de zu lesen sein.

Die Konsequenz für Self-Publisher: Für Self-Publishing-Autoren erweitern sich die Möglichkeiten, ihr Buch auf den Markt zu bringen und die Chancen, mittelfristig unter traditioneller Verlagsmarke zu veröffentlichen. Zugleich wird es immer schwieriger, die Aufmerksamkeit der Leser zu gewinnen. Ein Fokus sollte also darauf gelegt werden, dass das eigene Buch möglichst gut auffindbar ist (über flächendeckende Distribution, Metadaten, Rezensionen, Self-Marketing etc.).

Haben es die Leser schon satt? Denkanstöße zur Bedeutung von e-Books

©contrastwerkstatt/fotoliaWer Branchenentwicklungen zum Buchmarkt auf dem Smartphone oder Tablet-PC verfolgt, sollte sich an dieser Stelle ein digitales Lesezeichen setzen. Die Kernfrage lautet: Ist im deutschen e-Book-Markt eine Sättigungsgrenze erreicht? Und wenn ja, welche Schlussfolgerungen sollte die Branche daraus ziehen?

Diese Fragen stellen sich aus gegebenem Anlass. Am 18. November hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels neue Daten zum e-Book-Markt veröffentlicht. Demnach lag der Umsatzanteil von e-Books im Zeitraum Januar bis September 2014 bei 4,8 Prozent. Das entspricht nur einer Steigerung von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 2013 hatte die Steigerungsrate im Vorjahresvergleich noch bei 62,6 Prozent gelegen – ein drastischer Einbruch der Wachstumsdynamik.

Marktanalysen unter der Lupe

Diese Zahlen, beruhend auf dem „GfK Verbraucherpanel Media Scope Buch“, spiegeln allerdings nicht den gesamten deutschen Buchmarkt wider, sondern begrenzen sich auf den sogenannten „Publikumsmarkt“. Dieser schließt Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, Sachbuch, Reiseliteratur und Ratgeber mit ein – Schul- und Fachbücher hingegen nicht. „Ein statistisch repräsentatives ‚Fachpanel‘ bräuchte wesentlich mehr Merkmale zur Quotierung“, erklärt der Börsenverein. Eine marktumfassende Beurteilung der wirtschaftlichen Bedeutung von e-Books ermöglicht die Studie also nicht.

Legt man die jährlich im Juli vom Börsenverein publizierte E-Book-Studie zugrunde, so ergibt sich ein etwas anderes Bild: Entgegen dem GfK Panel sind darin auch Daten aus einer „Expertenbefragung“ unter Verlagen enthalten. Gemäß der damit erhobenen Angaben von 348 befragten Mitgliedsverlagen des Börsenvereins – zu denen nicht nur Publikumsverlage gehören – lag der Umsatzanteil von e-Books 2013 bei 9,4 % (Vorjahr: 9,5%). Für 2014 wird ein Anstieg auf 11,9 Prozent erwartet.

Es ist also festzuhalten: Auf Basis der GfK-Erhebungen einerseits und der Expertenbefragung andererseits liegt der Anteil von e-Books in Deutschland irgendwo zwischen vier und zwölf Prozent des insgesamt rund 10 Mrd. Euro Umsatz umfassenden gesamten Buchmarktes.

Gemäß der besagten Expertenbefragung sind 49% der von den Verlagen vertriebenen e-Books Publikumstitel, 35 Prozent Fachbücher und 15 Prozent Schulbücher. Das bedeutet, die GfK erfasst in ihrem Panel nur 50 Prozent des gesamten e-Book-Marktes.

Vor welchen Aufgaben steht die Branche?

Wie dem auch sei – die vom Börsenverein und der GfK ermittelte, drastisch flachere Wachstumsrate (4,8% versus 62,2% im Publikumsmarkt) wirft die Frage auf, weshalb der e-Book-Markt nach einem starken Aufschwung in den vergangenen Jahren derart gesättigt ist.

Folgende Denkanstöße seien dazu einmal formuliert:

  • Sind e-Books zu preiswert? Während der Absatz mit e-Books laut GfK-Panel 2010 bis 2013 von 1,9 Mio. auf 21,5 Mio. anstieg, sank der von den befragten Käufern im Durchschnitt bezahlte Preis im selben Zeitraum von 10,71 Euro auf 7,58 Euro. Es ist also nur folgerichtig, dass der Umsatz sich weniger dynamisch entwickelt als der Absatz.
  • Wie gut ist die Usability? Rund 70 Prozent der von der GfK befragten Leser ist es wichtig, gekaufte e-Books auf den Lesegeräten verschiedener Anbieter lesen zu können. Offene Systeme sind also ein Erfolgsfaktor bei der Frage, wie e-Book-Käufer gewonnen und gebunden werden können.
  • Wie gut wird ein Titel gefunden? Laut Befragung des Börsenvereins hatten 2013 zwei Drittel der Verlage e-Books im Programm. Das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kommt die riesige Anzahl an Self-Publishing-Titeln. Bei gleichbleibenden Wachstumsraten wird sich die Zahl lieferbarer e-Books schätzungsweise auf rund 500.000 Titel im Jahr 2017 erhöhen. Für den Leser bedeutet das zwar eine ungemeine Auswahl. Doch die Suche nach den Titeln, die den eigenen Themenpräferenzen entsprechen, ist wenig komfortabel. Verlage, Dienstleister und e-Book-Shops sind also dazu aufgerufen, die technischen Voraussetzungen für einen höheren Nutzerkomfort bei der Titelsuche zu schaffen.
  • Wie attraktiv sind e-Books im Vergleich zu anderen Medien? Lesegeräte der neueren Generation bieten nicht nur die Möglichkeit, e-Books zu lesen, sondern im Web zu surfen, soziale Netzwerke zu nutzen oder in Onlinezeitungen zu schmökern. Eine dazu 2013 von der Uni Hamburg durchgeführte Studie kommt zu dem Schluss: „Nur wenn es gelingt, e-​Book-​Angebote so zu konzipieren, dass sie im Wettbewerb um das beschränkte Zeitbudget der Leserinnen und Leser bestehen können, kann die Nachfrage nach Buchinhalten langfristig erhöht werden. Anderenfalls werden E-​Book-​Nutzerinnen und Nutzer ihre Geräte zukünftig weniger zum Lesen von e-​Books nutzen, sondern auf alternative Angebote wie etwa Facebook zurückgreifen.“
  • Wie verhält sich Print zum e-Book? Noch einmal gibt das GfK-Panel Aufschluss: Bei allen Genres im Publikumsmarkt nimmt der Anteil der e-Book-Käufer zu, die Print-Bücher gleichermaßen nutzen. Das Ausschlussprinzip – entweder oder – greift also nicht, die Leser entscheiden je nach Nutzungssituation über das gewünschte Format.

Welche strategischen Schlussfolgerungen kann die Buchbranche daraus ziehen?

  • Es ist ökonomisch sinnvoll, ein Buch stets in gedruckter Form und als e-Book anzubieten oder Hybridprodukte zu schaffen, die Print und digitale Features vereinen.
  • Die Preispolitik bleibt ein wunder Punkt: Gerade Self-Publisher verderben mit Dumping-Preisen das Niveau. Oft ist es ein Trugschluss zu glauben, Leser auf diese Weise langfristig binden zu können. Stimmt die Qualität nicht, werden gerade Vielleser nicht erneut zu Titeln des betreffenden Autors oder Dienstleisters greifen geschweige denn diesen weiterempfehlen.
  • Geeignete e-Book-Formate ebenso wie das Handling von Metadaten für die Auffindbarkeit von Titeln sind Themen, die auf der Agenda der Verlage und Dienstleister ganz oben stehen sollten.
  • Ein Buch muss begeistern, sonst wird es weder auf Papier noch auf dem Tablet gelesen. Qualität und Professionalität sind Maxime, die unabhängig vom Format gelten.

Buchreport: Die Do-it-yourself-Welle rollt

Marktzahlen von tredition im buchreportIm Rahmen von monatlichen Erhebungen der Neuerscheinungen im Self-Publishing analysiert tredition die Bedeutung des Segments gegenüber dem klassischen Verlagswesen. Demnach hatte Self-Publishing 2012 bereits einen Anteil von 19 Prozent am deutschen Buchmarkt. Gegenüber 2011 bedeutet das eine Steigerung um 30 Prozent. Buchreport hat die Erhebungen von tredition in eiem Onlinebeitrag aufgegriffen.