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Auf die Zahl gefühlt: Über den Buchumsatz 2017

Kann im Buchmarkt in den kommenden Jahren Wertschöpfung generiert werden, kann der Buchumsatz angekurbelt werden – und wenn ja wie? Die Prognosen sind wenig vielversprechend. Längst steht fest, dass das digitale Format nicht der Heilsbringer für Verlage ist. Es ist davon auszugehen, dass das e-Book nicht für Wachstum im Buchmarkt sorgen wird, sondern Print-Verkäufe nur substituiert. Viele Publikumsverlage bieten e-Books bereits heute mit weit über zehn Prozent Abschlag auf das gedruckte Pendant an. Die hohe Preissensibilität der Kunden und der Konkurrenzdruck auf Verlagsseite bedingen zukünftig noch höhere Preisabschläge. Billigangebote, die im Self-Publishing gebräuchlich sind, erschweren den Verlagen zusätzlich, Preise anzusetzen, die nicht deutlich unter dem Verkaufspreis der gedruckten Ausgabe liegen. Die Folge: Verlage erlösen unter dem Strich weniger als es mit gedruckten Büchern möglich wäre.

Buchumsatz_2012_Auf die Zahl gefühlt

Kein Aufschwung in Sicht: Der Buchumsatz stagniert seit Jahren auf dem gleichem Niveau.

Unter Berücksichtigung der Inflation wird im deutschen Buchmarkt 2017 real eine Mrd. weniger umgesetzt als heute.

Das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) prognostiziert für 2017 einen Gesamtumsatz mit Büchern von 9,8 Mrd. Euro – unter Berücksichtigung der Inflation wird dieser real schätzungsweise bei 8,8 Mrd. Euro liegen und damit gegenüber 2012 sogar sinken. Die im Zuge der Inflation ansteigenden Preise auf der Kostenseite der Verlage – Löhne und Gehälter ebenso wie Preise für Papier, Logistik und Versand – werden deutlich zulasten der Margen gehen.

Neue Dienstleister auf dem Vormarsch

Zusätzlich geraten Verlage branchenintern unter Druck. Denn eine wachsende Anzahl an Autoren wird auf dem Wege des Self-Publishing ihr Buch veröffentlichen und entsprechende Dienstleister ein zunehmend großes Stück vom Kuchen abschneiden – während klassische Verlage mit deutlichen Umsatzrückgängen zu kämpfen haben werden.

Nur wenige Verlage scheinen die Bedeutung des Self-Publishing als Wachstumsbringer des Buchmarktes wirklich zu realisieren. Wie ließe sich sonst erklären, dass es bisher kaum Initiativen gibt, in das Segment einzusteigen? Die Möglichkeiten dafür reichen von Buchreihen und Self-Publishing-Portalen unter eigener oder neuer Marke über Schreibwettbewerbe bis zu Kooperationen mit Dienstleistern, die über Expertise im Segment verfügen. Die Chance, auf diesen Wegen neue Umsatzquellen zu erschließen, geht einher mit der Möglichkeit, einem wachsenden Segment im Buchmarkt positive Impulse zu geben – und die Zukunft des Buchmarktes mitzugestalten anstatt ihr hinterherzulaufen oder am Ende gar auf der Strecke zu bleiben.

Anteil Self-Publishing an Neuerscheinungen Print und e-Book

Die Digitalisierung und neue Marktteilnehmer werden das Wachstum des Self-Publishing in den kommenden Jahren weiter befördern.

 

 

Editorial: Wenn talentierte Autoren anklopfen

Berichten über Strategien, talentierte Autoren zu entdecken: Sönke Schulz und Sandra Latußeck

Seit 2006 Spezialisten für Self-Publishing: Die tredition-Geschäftsführer Sönke Schulz und Sandra Latußeck

Wie viele unverlangt eingesandte Manuskripte landen jährlich im Briefkasten nur eines deutschen Verlages? Bis zu 5.000 zählt der Suhrkamp Verlag, nicht weniger als 10.000 sind es allein bei den S. Fischer Verlagen. Diese Buchprojekte ausführlich zu sichten, ist völlig undenkbar und selbst das Querlesen der eingereichten Texte samt Rückantwort an die (potenziell) talentierten Autoren rauben Verlagen wertvolle Kapazitäten.

Dem Trend folgen

Während die große Mehrheit der Manuskripte auf dem Ablagestapel der Lektorate landet oder sofort abgelehnt wird, bleibt den talentierten Autoren die Möglichkeit, über Self-Publishing ihr Buch auf den Markt zu bringen – und dieser Weg wird zunehmend oft eingeschlagen. Bereits jetzt beträgt der Anteil des Self-Publishing gemessen an den Neuerscheinungen rund 19 Prozent am gesamten Buchmarkt in Deutschland. Getreu eines Zitates des Werbeberaters Karl-Heinz Karius – „Talent ist nur der Fahrplan für die Reise. Das Ticket muss man selber lösen“ – versuchen talentierte Autoren ihr Glück ohne einen renommierten Verlag. Weshalb aber sollte nicht der Verlag selbst dem Autor „das Ticket“ zur Verfügung stellen, um unmittelbar am wachsenden Segment des Self-Publishing teilzuhaben?

Talentierte Autoren stehen für Qualität

Wie Verlage den Kostenfaktor der Manuskriptbearbeitung in ein gewinnbringendes Geschäft umwandeln können, erläutern wir in dieser Ausgabe von indition. Dabei stellen wir ein Geschäftsmodell vor, das Self-Publishing und traditionelles Verlagswesen miteinander verknüpft. Ohne zu viel vorwegzunehmen: Der berechtigte Anspruch der Verlage, das eigene Programm stets um talentierte Autoren und qualitativ hochwertige ebenso wie potenziell umsatzstarke Titel zu bereichern, ist Kern des auf den folgenden Seiten erläuterten Konzeptes.

Self-Publishing ist kein mediales und gesellschaftliches Einzelphänomen. Anhand von Beispielen wie Youtube, Casting-Shows im Fernsehen oder Onlinemarktplätzen für Handgemachtes zeigen wir auf, wie Verlage von Trends und Erfolgen in anderen Medienbereichen und Branchen lernen können. Darüber hinaus nimmt indition dieses Mal die Perspektive eines Autors ein, der sich nach der Herausgabe mehrerer Bücher bei traditionellen Verlagen dem Self-Publishing zugewendet hat.

Stets ist es indition auch ein Anliegen, die Strukturen und Prinzipien des Buchmarktes kritisch zu durchleuchten. Dieses Mal steht die Buchpreisbindung und deren Auswirkungen für die Marktteilnehmer im Blickpunkt des Interesses.

Auf Ihr Feedback und einen konstruktiven Austausch über schlagkräftige Strategien und Geschäftsmodelle im Buchmarkt freuen wir uns.

Die Redaktion

Buchreport: Die Do-it-yourself-Welle rollt

Marktzahlen von tredition im buchreportIm Rahmen von monatlichen Erhebungen der Neuerscheinungen im Self-Publishing analysiert tredition die Bedeutung des Segments gegenüber dem klassischen Verlagswesen. Demnach hatte Self-Publishing 2012 bereits einen Anteil von 19 Prozent am deutschen Buchmarkt. Gegenüber 2011 bedeutet das eine Steigerung um 30 Prozent. Buchreport hat die Erhebungen von tredition in eiem Onlinebeitrag aufgegriffen.